Erwartet Ihr so Begeisterung vom Kunden?

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Osteria_All' antico_vinaio_Florenz_2018Seit den MANATNET-Zeiten hat sich die Häufigkeit der Interaktionen zwischen den Interim Managern und mir um das „n“-fache erhöht – wobei „n“ für mich gefühlt gegen unendlich tendiert.

 

Nun bin ich inzwischen alt – fast hätte ich geschrieben „weise“ – genug, um zu wissen: Nichts ist nur gut – und nichts ist nur schlecht! In allem Guten steckt etwas Schlechtes – und umgekehrt. Yin und Yang.

 

Was also steht an Positivem dem leichthin als negativ Empfundenen, dem Absaufen in Arbeit, gegenüber?

 

Nun, das ist ganz eindeutig:

 

Noch niemals in den vergangenen eineinhalb Dekaden habe ich je so derart viele Informationen und Reaktionen erhalten, so viele Verhaltensmuster erkennen können wie in den vergangenen zwei Jahren!

 

An dieser Stelle liegt es mir fern, irgendjemanden persönlich anzugreifen oder gar zu verletzen. Es geht mir vielmehr darum, das zu spiegeln, was ich ganz persönlich als durchaus nicht völlig untypisch zu erkennen glaube. Und damit einen Prozess der Selbst-Reflexion anzustoßen. Wie stets an vergleichbaren Stellen in meinem Blog: Jeder hat das Recht, das völlig anders zu sehen!

Resistent, arrogant und ignorant?

 

Hier sind meine ganz persönlichen, subsummierenden Oberbegriffe auf dem Weg in Richtung Advent:

 

Resistenz: Natürlich gibt es viele Interim Manager, die sind dankbar für Hinweise und Tipps, die wir geben können – auf der Grundlage der – Achtung! – Reaktionen von Kunden-Unternehmen. Überraschend viele Interim Manager, ja, und Interim Managerinnen wischen das hingegen locker vom Tisch. Bemerkenswerter Weise folgen oft die Sätze „Das höre ich jetzt zum ersten Mal“ und „Das hat noch niemand verlangt!“.

 

Arroganz: Meine Leser wissen seit 2014, welche Bedeutung ich dem CV als „Verkaufsprospekt in eigener Sache“ beimesse – und hier ganz besonders der Aktualität eben dieser Unterlage, die deshalb das UNITEDINTERIM-System nachhält! Alles deutet für mich darauf hin: Offenbar als einziges System im Markt. [Für alle, die schmunzeln möchten, empfehle ich meinen Beitrag vor genau vier Jahren „INTERIM-PROVIDER: IST DOCH EASY!“]. Dass ich überhaupt mit Interim Managern über die Aktualität der eigenen Unterlagen diskutieren muss, ist mir – offen gestanden – völlig unbegreiflich! Wer sich wirklich mit Digitalisierung oder gar bereits mit den Grundlagen von Künstlicher Intelligenz (Achtung: KI wird immer mehr hip!) beschäftigt, schüttelt verzweifelnd den Kopf, in dem fest verankert ist: Künstliche Intelligenz braucht valide Daten! Stattdessen atme ich Antworten weg wie diese beiden: „Für meine Kunden hat das immer ausgereicht!“ oder „Ihr System mag tun, was es möchte…!“

 

Ignoranz: Ausnahmslos alle Ausschreibungen, die immerhin gut 1.100 Interim ManagerInnen seit dem April dieses Jahres über UNITEDINTERIM erhalten haben, geben eine E-Mailadresse vor, an die die Interim Manager ihr Angebot senden sollen. Was aus Kundensicht in hohem Grade selbstverständlich ist (denn genau unter der angegebenen Adresse werden alle Angebote gesammelt), beeindruckt einige Interim Manager nicht die Bohne, entscheiden sie sich doch elegant für eine andere E-Mailadresse. Und, öfter als man glauben mag: Für meine! [Ja, natürlich leite ich dann die Unterlagen an den jeweiligen Kunden weiter – als weiterer kostenloser Service …!]

 

Nicht alle, jedoch die meisten Ausschreibungen der Kunden beinhalten zudem eine Abgabefrist. Dies ist Standard für alle Ausschreibungen in allen anderen Branchen – und dafür, wie könnte es anders sein, gibt es sogar Regeln! Denn irgendwann muss der Kunde alle vorliegenden Unterlagen sichten, intern besprechen und dann eine Entscheidung treffen.

 

„Nicht weiter ungewöhnlich, also!“, könnte an dieser Stelle der geneigte Leser denken! Jedoch ist eine Abgabefrist für einige Interim Manager in ihrem Selbstverständnis hochgradig irritierend! Nach Ablauf der Abgabefrist nimmt der Kunde keine Auschreibungen mehr entgegen – und dann wird´s wirklich übel: „Das wird ja wohl auf zwei, drei Tage nicht ankommen!“ oder „Machen Sie [vulgo: UNITEDINTERIM, nicht etwa der Kunde!] doch nicht solch einen Druck! Sie wissen doch: Nichts wird so heiß gegessen wie gekocht!“ oder aber „Sie können doch nicht erwarten, dass ich in 48 Stunden reagiere! Ich schau doch nicht täglich in meine Mails!“.

 

Es ist wirklich nicht einfach, mich sprachlos zu sehen!

 

Jedoch: Eine solche Einstellung – und das heute! – und das im Interim Management, wo der Kunde sich stets in einer besonderen Situation befindet (nicht zwingend in einer Krise!), denn sonst bräuchte er keine Unterstützung durch einen Interim Manager oder eine Interim Managerin: Eine solche Einstellung ist mir schier unbegreiflich!

 

Dass sich solche Interim Manager nicht halten bei UNITEDINTERIM versteht sich von selbst. Und, wenn dann der Deal weg ist und die Zusammenarbeit beendet wird, würde mich obendrein auch nicht überraschen, wenn – nach bester Transaktionsanalyse – solche Interim Manager in der eigenen Wahrnehmung „nicht dumm“ sind – wir dafür „böse“. Und wie!

 

Seit einiger Zeit treibt mich eine Frage um – und ich lechze nach einer Antwort:

 

Erwartet Ihr so Begeisterung vom Kunden?

 

ALLES HAT SEINE ZEIT: DER DANK ABER BLEIBT!

Inte-rim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Rose_vor_Fachwerk_Vogtsbauernhof_Gutach_2018Hamburg. Jungfernstieg, Ecke Plan. Die Zeiten, in denen ich draußen schreiben konnte, sind für dieses Jahr wohl endgültig vorbei. Schlimmer noch: Es regnet! Tatsächlich: Meine Wetter-App hat mich belogen! Das Maredo gestattet mir aber, nur ein Bier zu trinken. Es werden zwei.

 

Ein Tag – irgendwie seltsam. Denn gestern habe ich an meiner letzten AIMP-Mitgliederversammlung teilgenommen. Die Mitgliederversammlung findet traditionell in Hamburg, am Standort der Management Angels statt – Gründungsmitglied des AIMP, ebenso wie MANATNET.

 

Und nun geht die gemeinsame Zeit zu Ende, denn MANATNET ist zum Ende des Jahres ausgetreten.

 

Ja, wie geht denn so was? Gab´s Krach?

 

Nein. Ganz und gar nicht!

 

Meine letzten Worte in der Mitgliederversammlung waren deshalb mein ehrlicher Dank an die Kollegen im AIMP.

 

Ich habe tolle Menschen durch den AIMP kennengelernt. Und dafür bin ich dankbar!

 

Ich habe die Zusammenarbeit, die doch recht ehrliche, aufrichtige Kommunikation unter den Mitgliedern als sehr wertvoll empfunden. Und dafür bin ich dankbar.

 

Mein Dank an den AIMP

 

Und schließlich habe ich den AIMP (damals noch unter anderem Namen) unmittelbar nach MANATNET gegründet – der AIMP wurde dadurch eine Art Durchlauferhitzer für mein junges Unternehmen. Und vor allem für meine ganz persönliche Arbeit in einem völlig neuen Umfeld. Und dafür bin ich dankbar!

 

Ja, weshalb steigst Du dann aus?

 

Zunächst – und ganz pragmatisch: MANATNET ist kein Provider mehr, wie der AIMP ich versteht. Zwar mache ich noch mein persönliches Beratungsgeschäft für meine Kunden, aber ich akquiriere z. B. keine neuen Kunden mehr.

 

Dann – und das ist genau so wichtig: Die Lebenswege haben sich auseinanderentwickelt. Der des AIMP und meiner.

 

Ich habe gestern ausdrücklich darauf hingewiesen: Das bedeutet nicht, dass der eine Weg richtig ist und der andere falsch. Es bedeutet, dass die Wege nicht mehr die gleichen sind.

 

Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

Die Themen sind nicht mehr kongruent

 

Die Themen, die für die Provider im AIMP wichtig sind: Sie sind nicht mehr für mich als (Mit-) Eigentümer von UNITEDINTERIM wichtig.

 

Und die Themen, die für mich bei UNITEDINTERIM wichtig sind, und für die ich in aller Regel Neuland betreten muss: Sie sind nicht für die Kollegen im AIMP wichtig.

 

Meine Sparringspartner, bisher innerhalb des AIMP, kommen jetzt von außerhalb des AIMP: Es sind IT-Spezialisten, SEO-Spezialisten, Usabilty-Spezialisten und viele andere sowie, ja, auch ein Professor aus Österreich.

 

Wir Männer lernen ja stets von der (jeweils) besten aller Ehefrauen. Ich auch – und dazu gehört der Satz:

 

„Alles hat seine Zeit!“

 

Ich denke, das ist es. Die einen 15 Jahre gehen nun zu Ende – und anderen (hoffentlich) 15 Jahre haben begonnen.

 

Damit habe ich einen recht guten Titel für heute, denke ich:

 

Alles hat seine Zeit: Der Dank aber bleibt!

 

THE TURN OF A FRIENDLY CARD

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Karo_Sieben_gegen_vier_AsseIch werde das Gefühl nicht los, als könnte ich mit meinem heutigen Blogbeitrag wieder mal kräftig anecken.

 

Dem „Lass es! Bringt eh nix! – Mach‘ lieber mal früher Feierabend…“ steht das Motto meines Blogs gegenüber, dem ich mich verpflichtet fühle:

 

Anmerkungen zum Interim Management aus persönlicher Sicht – unterhaltsam und kritisch

 

Und die doch erstaunlich vielen Leser, deren Feedback ich unter der Klammer zusammenfassen kann:

 

„Endlich mal kein Marketing-Geblubber! Endlich mal einer, der Wahrheiten ausspricht – statt sie mit Schönfärberei zuzukleistern!“

 

Nun denn!

 

Ich widme mich heute erneut dem Thema „Eigenvertrieb der Interim Manager“ – und Managerinnen, selbstverständlich. Ich weiß, ich habe mich der Frage, „Wie komme ich als Interim Manager an Projekte ohne Provider“ schon mehrfach gewidmet – besonders jedoch im Oktober 2015 mit meiner kleinen Serie [VERTRIEB FÜR INTERIM MANAGER – Teil 1 bis 3]. Geändert hat das in knapp drei Jahren rein gar nichts. Zumindest fühlt sich das so an.

 

Bei mir. Jeder hat das Recht auf eine andere Gefühlswelt – und ich werde sie respektieren. Wie stets.

 

Hier meine Denkwelt:

Das Kernproblem: Die Erfolge der Vergangenheit

 

Menschen, die irgendwann ins Interim Management eingestiegen sind – oder das derzeit tun – haben so gut wie ausnahmslos eine über lange Jahre erfolgreiche Karriere in Unternehmen hinter sich. Am Ende haben sich irgendwelche Parameter verschoben – und man trennte sich. Weshalb ist völlig unerheblich.

 

In dieser typischerweise über Jahrzehnte laufenden Karriere-Entwicklung haben sich die wenigsten Kandidaten selbst auf neue Positionen beworben – und wenn, dann vielleicht vier, fünf Mal in rund 25 Jahren. Stattdessen wurden sie typischerweise auf neue Aufgaben angesprochen, abgeworben – am besten noch von einem Personalberater.

 

So wurde das Eigenbild durch dauerhaftes Werben und Buhlen der Unternehmen koloriert – und der Firniss litt so gut wie nie unter Rissen, verursacht durch einen harten Kampf um den nächsten Job.

 

Mir ist an dieser Stelle wichtig: Das ist eine Historie, auf die jeder einzelne stolz sein kann – und auch sein sollte. Daran gibt es überhaupt nichts zu kritteln! Auch ich tue das nicht!

 

Halten wir jedoch fest: Die Erfahrung im Bewerbungsprozess ist typischerweise unterentwickelt. Die Erfahrung, darüber hinaus sich selbst vor einem kritischen Publikum „zu verkaufen“, bringt keine Handvoll mit.

 

Schließlich dürfen wir nicht vergessen, dass solchen „Kalibern“, die sich später fürs Interim Management entschieden, über viele Jahre – möglicherweise das letzte Dutzend Jahre – stets tatkräftige Helfer und Helferinnen für so gut wie alles unterstützend zur Seite standen.

 

All das sind aus der Perspektive der Transaktionsanalyse säckeweise „Du bist okay“-Chips. Du bist erfolgreich! Du bist gut! Du bist wichtig! Und jeder in Deinem beruflichen Umfeld weiß das! Glauben Sie`s mir, ich weiß, wovon ich rede: Ich war mittendrin, statt nur dabei.

 

Das kann doch niemanden verwundern: Da fühlst Du Dich toll – ganz ohne Drogen! Und – vielleicht ohne Dir dessen bewusst zu sein – hast Du tief verinnerlicht: „Wer was von mir will, soll gefälligst herkommen! Und dann schau ich mal, ob ich Zeit habe…!“

Dann bricht eine neue Zeitrechnung an

 

Mit dem Ausstieg aus der – im Nachhinein regelmäßig als „kuschelig“ eingeordneten – Angestellten-Karriere und der Entscheidung für´s Interim Management ändert sich jedoch alles:

 

  • Du bist nicht mehr wichtig.
  • Du hast keine Helfer mehr an Deiner Seite.
  • Dein Netzwerk ist kollabiert, weil es an Deine Funktion gebunden war – nicht etwa an Dich als Person.
  • Du bist sicher noch immer gut: Aber keiner in Deinem Umfeld weiß das!

 

Und exakt hier liegt das Problem: „Du bist gut, aber keiner weiß es!“

 

Damit sind wir zwingend beim Eigenmarketing und beim Vertrieb in eigener Sache!

Interim Manager sind typischerweise schwach im eigenen Vertrieb

 

Ja, ich generalisiere – und meine Leser mögen mir das nachsehen, denn ich tue das auf der Grundlage meiner 15 Jahre im Interim Management. Ich möchte niemanden angreifen, sondern es reicht mir völlig, wenn mein heutiger Blogbeitrag zum Nachdenken anregen wird. Zur kritischen Bestandsaufahme in eigener Sache.

 

Ich rede hier auch nicht von den Birthe Horas, Thorsten Solls und Michael Zachraus dieser Welt – die, Achtung! – spürbar Geld und Zeit ins Eigenmarketing und den eigenen Vertrieb investieren, während die Mehrzahl der Interim Manager der Vision folgt, Visitenkarten seien für den eigenen Erfolg völlig ausreichend. Neben ihrem CV – ein Thema, das ich an dieser Stelle bereits bis zur Bewusstlosigkeit durchgekaut habe. [INTERIM MANAGER, EUER LEBENSLAUF IST EINE QUAL!]

 

Kürzlich rief mich eine Interim Managerin an und bat um Rat in Sachen DSGVO: Sie hat rund 1.700 Kontakte, die sie bisher betreute – und auf diesen Vorgang hat die DSGVO nun massive Auswirkungen, die hier jedoch nichts zur Sache tun.

 

Wohl aber die 1.700 Kontakte! Über viele Jahre aufgebaut und über viele Jahre betreut. Respekt! Aus meiner ganz persönlichen Sicht dürfte diese Interim Managerin damit in der Spitzengruppe des Marktes liegen – und folglich überrascht es mich überhaupt nicht, dass sie so gut wie immer ausgelastet ist. Visitenkarten hat sie auch…

 

Wenn ich aber erkenne (nicht jeder Interim Manager tut das!), dass ich nicht stark im eigenen Vertrieb bin, dann könnte ich auf die Idee kommen, mich an genau dieser Stelle massiv aufzurüsten: Ich könnte mir professionelle Unterstützung holen zum Beispiel bei forma interim, ich könnte mir einen Coach holen oder ich könnte Gott weiß was tun, um einfach nur besser zu werden.

 

Wenige Interim Manager tun dies jedoch. Die wenigen, dies jedoch tun, fallen umso mehr auf!

 

Die mit weitem Abstand meisten Interim Manager folgen einer anderen, einer dualen Strategie – die aus meiner ganz persönlichen Sicht die Verantwortung für den eigenen Vertrieb an Dritte delegiert.

 

Zwischen Provider und eigenem Netzwerk

 

Man setzt zunächst auf die Provider. Man „akkreditiert“ sich bei möglichst vielen Providern in der Hoffnung, über die Vertriebsleistung der Provider an Projekte zu gelangen – in der tiefen Überzeugung: „Der Provider verkauft mich schon!“

 

Um die Provider turnusmäßig glücklich zu machen, schreiben dann viele Interim Manager ein, zweimal im Jahr: „Mein aktuelles Projekt ist soeben ausgelaufen und ich stehe ab sofort für neue Aufgaben zur Verfügung. Anbei mein aktueller Lebenslauf.“

 

Ich kommentiere dies heute nicht.

 

Weil Interim Manager wissen, dass der weitaus größere Teil der Projekte außerhalb der Provider vergeben werden (der Markt spricht von rund 75 Prozent), versuchen Interim Manager zusätzlich über alte Kontakte – ihr „Netzwerk“ – an Mandate zu gelangen. Auch hier praktisch ohne eigene Vertriebsleistung. Stattdessen herrscht (nicht vergessen: aus meiner Sicht!) ein opportunistisches Verhalten vor, das durch ein geduldiges Warten auf einen Anruf gekennzeichnet ist.

 

Ganz offensichtlich klappte das jedoch ganz gut!

 

Doch nunmehr höre ich vermehrt: „Herr Becker, bisher habe ich meine Aufträge über mein eigenes Netzwerk erhalten. Ich stelle jedoch fest: Mein Netzwerk stirbt gerade aus! Deshalb muss ich die Zusammenarbeit mit den Providern verstärken.“

 

Ich habe noch niemanden erlebt, Ehrenwort!, der in an dieser Stelle gesagt hätte: „Und deshalb muss ich meine eigenen Vertriebsanstrengungen deutlich erhöhen: Haben Sie da ein paar Tipps für mich…?“

 

Abgesehen davon, dass dies einem Rückzug aus dem weitaus größeren Marktsegment gleichkommt und gleichzeitig den Wettbewerb innerhalb des kleineren (Provider-) Segments erhöht: Das ist doch kein offensiver Ansatz!

 

Das erinnert mich an ein Kartenspiel, an dem Du die Karten aufnimmst und schaust, was Dein Gegenüber ausspielt – in der Hoffnung, dass Dein Blatt dann passt….

 

Ich weiß auch nicht, wieso, aber als Hardcore-Fan von Alan Parsons kommt mir soeben seine Strophe in den Sinn:

 

And they think it will make their lives easier

But the doorway before them is barred

And the game never ends

When your whole world depends

On the turn of a friendly card!

 

SIND WIR NUN INTERIM-PROFIS ODER NICHT?!

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Eingangssäulen_Westerland_Sylt_2018Wenn ich Anfragen meiner Kunden nach professionellen Interim Managern bearbeite, dann verwende ich die „Experten-Suche“ bei UNITEDINTERIM. Fast hätte ich geschrieben: Was sonst?!

 

Dann finde ich die passenden Interim Manager, das System zeigt mir alle an, die verfügbar sind – und der guten Ordnung halber auch diejenigen, die nicht verfügbar sind.

 

Das System kontaktiert per Mail und App die Kandidaten, die ich aus den verfügbaren Kandidaten in die engere Auswahl übernehme und bittet sie, ihre Verfügbar zu bestätigen.

 

Dass dann regelmäßig etwa die Hälfte dann doch nicht verfügbar ist, versteht sich von selbst. Ich erwarte nichts anderes mehr aufgrund von Jahrzehnte-langer Erfahrung bei MANATNET. Mit den dann verbleibenden Kandidaten arbeite ich.

 

Das ist der schnellste – und ich gebe zu, auch für mich der mit Abstand einfachste Weg.

 

Mitunter schreibe ich jedoch auch das Projekt aus. Das mache ich nur, wenn´s dafür wirklich gute Gründe gibt, die hier jedoch nichts zur Sache tun. Warum mache ich das so selten? Es ist der aufwendigere Weg!

 

Und er beginnt mit der Ausschreibung selbst. Ich skizziere – anonym – den Kunden, die Situation beim Kunden, die Aufgabenstellung für den Interim Manager, das erwartete Profil des Interim Managers und schließlich die Dauer des Projektes, Auslastung und die Erwartung des Kunden an den Preis – sprich Tagessatz. Und in aller Regel füge ich eine Anlage bei, so dass wir typischerweise bei vier Seiten landen.

Ungewohnte Facetten meiner Ausschreibung

 

Offenbar bekomme ich das recht gut hin. Zumindest deutet auch in dieser Woche das Feedback darauf hin:

 

„Hallo Herr Becker,

 

…Übrigens, großes Lob zu der Ausschreibungsunterlage. Endlich einmal eine Anfrage mit klaren Worten und Stärken/Schwächen des Unternehmens!

 

Mit den besten Grüßen

 

Interim Manager 2.618

 

Offenbar sind auch andere Facetten meiner Ausschreibung für einige Interim Manager ungewohnt – wenn nicht sogar außergewöhnlich:

 

Ich nenne prominent die KO-Kriterien, die der Kunde vorgegeben hat (In dieser Woche: „Nachgewiesene Erfolge in einer vergleichbaren Aufgabe in der Linienfunktion A“ und „Ausgeprägte Erfahrungen in der Branche B“. Und ich weise explizit in Fettdruck „KO-Kriterium“ aus – und ich bitte die Interim Manager stets, auf einer Viertelseite zu skizzieren, weshalb sie glauben, der richtige Kandidat für diese Aufgabenstellung zu sein.

 

Ich erhalte daraufhin „Bewerbungsunterlagen“, die im Detail – meist zusätzlich zum CV – auf diese Aufgabenstellung eingehen. Exzellente Arbeit! Eine wahre Freude!

 

Und ich erhalte „Bewerbungen“ mit dem minimalistischen Hinweis: „Anbei mein CV“: Keine exzellente Arbeit! Keine wahre Freude!

 

Irgendwann muss ich an meinen Kunden liefern. Und deshalb beinhalten meine Ausschreibungen – wie in jede andere Ausschreibung in der deutschen Wirtschaft auch – eine Ausschreibungsfrist: Donnerwetter! In diesem Fall „Mittwoch, 6. Juni 2018, 24.00 Uhr“. Offenbar bin ich der einzige in der Interim-Szene, der das so macht.

 

Anders kann ich mir die Nachzügler am Donnerstagnachmittag nicht erklären. Zudem noch aus der Liga „Anbei mein Lebenslauf“.

 

Tough luck: Am Donnerstagmorgen hatte ich bereits sechs Kandidaten an den Kunden geliefert!

 

Sind wir nun Interim-Profis – oder nicht?!

 

ANGESTELLTEN-DENKEN IN REINKULTUR

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Strandkörbe_Keitum_Sylt_2018Brückentag. Der Mai ist voll davon. Zumindest kommt es mir so vor. Halb Deutschland ist unterwegs – oder zumindest doch nicht im Büro.

 

Auf meine Lieblingsinsel kommst Du nur, wenn Du bereit bist, zwischen vier und sieben (in Zahlen: 7) Stunden zu warten – allein, um auf den Autozug zu kommen.

 

Zurück ist es nur wenig besser. Das Rote Kreuz versorgt die Wartenden mit Wasser – unterstützt vom – Achtung! – Harley Davidson Sylt-Chapter. So schaut´s aus…!

 

Meine treuen Leser wissen, dass ich rechtezeitig vor Pfingsten zurückgekehrt bin. Das unfassbar schöne Wetter habe ich zurückgelassen…

 

Wie stets, habe ich den Feiertag auch in dieser Woche verraten – und gearbeitet: Zu viel liegt an, was erledigt werden muss. Dazu gegen Ende Juni mehr.

Ich hab Angst vor dem Urlaub!

Bei Xing poppt heute ein Artikel hoch: „Selbstständigkeit – Ich habe Angst vor dem Urlaub!“ Hier ist der Link für meine Leser, die bei XING registriert sind.

 

Ich kann die beschriebenen Gedankengänge gut nachvollziehen. Dennoch denke ich, es ist inzwischen müßig, darüber zu diskutieren, ob man sich im Urlaub komplett vom Job abnabeln kann – oder eben nicht.

 

Einige wenige schaffen das – so wie Judith Geiß, der hierfür mein uneingeschränkter Respekt gilt! [Wie ich es schaffte, zwei Wochen offline zu bleiben].

 

Ich kann das nicht. Im Übrigen seit Mitte der Neunziger Jahre nicht. Als am Abend der Rückkehr aus dem zweiwöchigen Urlaub die Assistentin regelmäßig und zuverlässig zwei volle Unterschriftsmappen aufgestauter Arbeit zu mir nach Hause brachte. Das war bereits damals der blanke Horror für mich – und daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn wir von der analogen in die digitale Welt gewechselt haben.

 

Deshalb gehöre ich zu den im XING-Artikel angesprochenen Menschen, die regelmäßig morgens zwei Stunden (nicht eine, wie im Artikel angesprochen) arbeiten – und danach aber auch nicht mehr.

 

Das habe ich vor vielen Jahren mit der besten aller Ehefrauen vereinbart – und es funktioniert gut.

 

Sehr gut sogar, denn in dieser Zeitspanne lassen sich sogar Interim-Mandate besetzen. Aber für weniger Wichtiges ist keine Zeit da. Es wird daher nicht gemacht! Es erstaunt mich immer wieder, dass nichts und niemand dadurch Schaden nimmt.

Urlaub sticht Interim-Mandat

 

Eins kann ich jedoch nicht nachvollziehen: Wenn Interim Manager Mandate ablehnen, weil sie einen Urlaub antreten möchten:

 

Der Kunde aus der ersten Liga bietet ein hochattraktives Projekt für einen Logistik-Spezialisten. Aufgrund der Bedeutung der Aufgabe für den Kunden zahlt der Kunde bei Vollauslastung einen Tagessatz, bei dem einem das Wasser im Mund zusammenläuft: Dem Interim Manager – und dem Provider auch.

 

Ich finde einige wenige Kandidaten. Und spreche sie an auf dieses Mandat.

 

Ein Interim Manager hat soeben sein bisheriges Projekt abgeschlossen: Jedoch möchte dieser Interim Manager nach einem möglichen Projektstart erst mal in Urlaub gehen und danach dann auch nur vier Tage in der Woche für den Kunden tätig sein.

 

Ups! Es sei die Frage gestattet, wer hier für wen da sein sollte! Wer ist hier eigentlich der Dienstleister?

 

Mit einer solchen Einstellung darf sich der Interim Manager nicht wundern, wenn er bereits im Vorfeld verloren hat und nicht einmal den Sprung auf die „Short List“ schafft. So bringt man sich um Projekte, denn es gibt genug Logistiker (mit mindestens 7 Jahren Logistik-Erfahrung) am Markt. Unglaublich!

 

Hier zuckt durch den Brückentag:

 

Angestellten-Denken in Reinkultur!

 

ES IST MEHR DIE QUALITÄT ALS DIE QUANTITÄT, DIE ZÄHLT!

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Fassade_Westerland_Sylt_2017Ich weiß nicht, was gerade los ist – aber bei UNITEDINTERIM haben sich in dieser Woche drei namhafte Provider registriert. Neukunden also.

 

Einen Tag später schrieb der Geschäftsführer eines dieser Provider:

 

„Besten Dank!! Ich habe gestern in 30 Minuten Suche absolute „Granaten“ gefunden, in einem sehr spezialisierten Feld. Ein fachliches Schwergewicht ist bereits unserem Mandanten angeboten worden. Bin begeistert von der Funktionsweise. Auf dieser Plattform gibt es absolute Transparenz, das ist Top.“

 

Unsere beispiellose Qualitätssicherung beginnt zu greifen – und die Interim-Szene spricht darüber.

Granaten und Schwergewichte

 

Ganz offen: Was uns in Sachen Qualitätssicherung erwarten würde, haben wir völlig unterschätzt, als wir UNITEDINTERIM vor gut eineinhalb Jahren aufgesetzt hatten.

 

Sicher, wir haben inzwischen viele „Granaten“ und „Schwergewichte“ an Bord. Ebenso sicher haben wir viele „Rohrkrepierer“ und „Leichtgewichte“ ausgefiltert. Dass das so viele waren, hat mein Weltbild „Interim Manager“ zutiefst erschüttert!

 

Selbstverständlich begründen wir unsere Entscheidung dann dem Kandidaten gegenüber:

 

„Hallo Frau Interim Managerin,

 

wir tun uns sehr schwer mit Ihrem Profil.

 

Ohne jeden Zweifel bringen Sie jede Menge Kenntnisse, Erfahrungen und auch Spezialwissen mit – jedoch in Bereichen neben dem klassischen Interim Management.

 

Sie positionieren sich im CV als [ZITAT]: „Kommunikationspsychologie als Mediatorin, Coach und Supervisorin in allen meinen Personalmanagement Funktionen“. Das ist jedoch ein Feld, das bei UNITEDINTERIM nicht nachgefragt wird, weil die Unternehmen hier Personalspezialisten für die Linie, das operative oder strategische Personalgeschäft suchen. Das haben Sie sicher auch gemacht, jedoch werden Sie im Wettbewerb mit den Personal-Spezialisten mit überbordender Linienerfahrung hier bei UNITEDINTERIM kaum bestehen können.

 

Daher fürchten wir, dass wir Ihre Erwartungshaltung an Geschäft über UNITEDINTERIM nicht werden erfüllen können. Deshalb möchten wir zunächst davon Abstand nehmen, Ihre Daten freizuschalten und bitten dafür um Ihr Verständnis.

 

Mit freundlichem Gruß

 

Jürgen Becker“

Du bist böse

 

Wenn wir auf diese Weise einen Kandidaten ablehnen, dann sind wir (beste Transaktionsanalyse) „böse“ – so sicher, wie ich diese Zeilen schreibe! Nie, ich wiederhole: nie, hat ein solcher Kandidat dann selbstkritisch reagiert. Oder gar den Dialog gesucht, um Unterstützung gebeten, damit er oder sie im Wettbewerb besser werden könne: Womöglich gar durch die Profis von forma interim

 

Stattdessen müssen wir, vorzugsweise ich, als Projektionsfläche herhalten – der gern einmal seine Entscheidungen trifft, ohne auch nur den CV gelesen zu haben. Dass der UNITEDINTERIM-interne Prozess das beiderseitige Nein von Dr. Schönfeld und mir für eine Ablehnung erfordert, weiß diese Kandidatin natürlich nicht:

 

„Ich bin froh, dass sich mit Ihrer Rückmeldung mein Eindruck aus unseren E-mailkontakten der letzten Wochen jetzt abschließend bestätigt und nicht erst im ersten Projekt: Wir passen nicht zusammen! Deshalb bitte ich Sie, alle meine im gesamten Anbahnungsprozess erfassten, gespeicherten und verarbeiteten persönlichen Daten rückstandslos zu löschen und mir dieses schriftlich zu bestätigen.

 

Gerne führe ich Ihnen ebenso offen meinen Eindruck der letzten Wochen aus: mein Eindruck ist, dass es an der Sorgfalt in Bezug auf Ansprache und auch im Zusammenhang mit der Art und Weise der Ansprache mangelt. Ihre Rückmeldung gibt mir dazu ein aktuelles Beispiel, denn ich frage mich, ob Sie mein Profil tatsächlich gelesen und verstanden haben, denn Supervisor/in ist ein feststehender Begriff, den ich weder auf meiner Webseite noch in meinem Profil verwende.

 

Gerne nehme ich Ihre Rückmeldung zum Anlass meinen CV zu überarbeiten, um auch dem unaufmerksamen Leser meine operativen Erfahrungen als HR Business Partner und Head of HR der letzten vier Jahre deutlich zu machen.“

 

So trennen sich denn unsere Wege und ich kann meiner umfangreichen Sammlung eine weitere „Du bist nicht okay“-Botschaft hinzufügen. Das ist nicht schön, aber wohl auch nicht zu ändern.

 

Denn sie folgt halt Seneca, die Strategie von UNITEDINTERIM:

 

Es ist mehr die Qualität als die Quantität, die zählt!

 

DANKE FÜRS GESPRÄCH: GAME OVER!

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Christlicher_Friedhof_Sulzburg_2017Mein Vater hat mir vieles gesagt, was meinen Lebensweg nachhaltig beeinflusst hat. Rückblickend sind diese Weichenstellungen für mich eindeutig erkennbar. Unterm Strich war dieser Einfluss deutlich positiv, so dass es niemanden verwundern wird, wenn ich meinem Vater zutiefst dankbar bin.

 

Dennoch geht auch einer der für mich schockierenden Sätze aus der Beckerschen Familiensaga auf meinen Vater zurück.

 

Wir sind am Ende des Jahres 1971. Die ersten Computer ziehen im Bankgeschäft ein, das mein Vater in jenen Zeiten und noch in einer anderen Wertewelt als Führungskraft mitgestaltete.

 

Computer! Selbst für den Sohn auf fotografischen Abwegen ein donnerhallendendes, ein faszinierendes Thema. Allen „Brauche mer net“-Unkenrufen (auch damals, natürlich!) zum Trotz.

 

Und dann sagte mein Vater eines abends wörtlich: „Weißt Du, Jürgen: Ich bin jetzt Fünfzig. Das tue ich mir nicht mehr an! Das sollen Jüngere machen!“

 

Dieser Satz hallt noch heute nach – dröhnend. Fast 50 Jahre später.

 

Wie er es dennoch geschafft hat, bis zur Pensionierung mit 65 klarzukommen, ist mir völlig schleierhaft – und verdient auch heute noch meinen aufrichtigen Respekt.

 

Als wir UNITEDINTERIM konzipierten und vielen Providern eine Beteiligung angeboten hatten, von denen die allermeisten aufgrund der Wucht des neuen Ansatzes aus der Kurve flogen, auch da saß ein hochgeschätzter Kollege am Tisch und sagte wörtlich:

 

„Ich bin jetzt 60. Das tue ich mir nicht mehr an: Das ist viel zu viel Arbeit!“

Mentale Blocker mit 50, 60, 70?

 

Dies ist eine ganz persönliche Entscheidung und es steht mir nicht an, das zu kritisieren – weder die Entscheidung meines Vaters noch die des Kollegen. Nein, rückblickend auf die ersten rund eineinhalb Jahre von UNITEDINTERIM bewundere ich sogar meinen Kollegen ob seiner beinahe prophetischen Weitsicht.

 

Ich leite aus alldem jedoch für mich zwei Dinge ab:

 

(1) Das nächste Mal, wenn ich diesen Satz höre, wird er lauten: „Ich bin jetzt 70: Ich tue mir das nicht mehr an!“ Mit einer greifbaren Wahrscheinlichkeit werde ich es sein, der das aussprechen wird. Daraus ergibt sich zwingend: Weitere knapp 10 Jahre Volldampf!

 

(2) Die aktuelle „Ich tue mir das nicht mehr an“-Fraktion wird in den kommenden paar Jahren dramatisch an Boden verlieren – und zwar noch deutlich bevor ich den Satz unter (1) aussprechen werde.

 

Oh, ein Hellseher! Welch‘ kühne Prognose, Becker!

 

Das denke ich nicht. Stattdessen spüre ich, dass es immer mehr Aufwand auch auf meiner Seite erfordert, den Anschluss an die aktuellen Entwicklungen zu halten – und ich bin mitten drin im Geschehen. Und „tue mir das noch an“! Und dennoch: Mein Sohn (fast 28) und seine Generation sind auch für mich enteilt.

 

Uneinholbar, fürchte ich…

 

Wie groß, frage ich, wird also dann die Lücke sein zur „Ich tue mir das nicht mehr an“-Fraktion?

 

Ich behaupte: Zu groß, um auf dem Feld der Digitalisierung auch nur mitspielen zu dürfen – auch wenn Kunden diesem Modethema noch so sehr auf den schillernden Leim gehen sollen!

 

Eine einzige Frage vom potentiellen Kunden – und sie wird kommen! – wird das Ganze zum Einsturz bringen! Sie wird in etwa so lauten:

 

„Nun haben wir viel über Digitalisierung geredet: Nun zeigen Sie mir doch mal, was Sie da schon gemacht haben…!“

 

Und da passte dann schon in den Siebzigern mein Vater und rettete sich mit einem eleganten: „Moment, ich hole mal eben Herrn Meyer!“ (Für unsere Gender-Fans: Frauen, die obendrein Computer bedienen konnten, gab es damals in der Bankenwelt nicht!)

 

Heute bin ich überzeugt – für die „Ich tue mir das nicht mehr an!“-Fraktion wird diese eine Frage nur zu einer einzigen Antwort führen:

 

Danke fürs Gespräch: Game over!

 

PROSIT AUF DIE PROFESSIONELLEN INTERIM MANAGER!

Inter-im_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Festival_of_Lights_Hotel_de_Rome_Berlin_2017Mein letzter Blogeintrag in diesem Jahr!

 

Ich wünsche allen meinen Lesern einen guten Rutsch und alles erdenklich Gute für´s neue Jahr 2018.

 

Vermutlich werden Sie sich das eine oder andere vornehmen – für das neue, unschuldige Jahr. „Gute Vorsätze“ nennt man das landläufig. Jedoch habe ich neulich irgendwo aufgeschnappt, dass gut 70 Prozent der guten Vorsätze im Laufe des neuen Jahres dann doch wieder verraten werden.

 

Ich habe für mich bereits in den letzten Wochen dieses nun zu Ende gehenden Jahres eine Entscheidung getroffen – also keinen „guten Vorsatz“ mit einer 70 prozentigen Wahrscheinlichkeit des Scheiterns:

 

Ein Jahr wie 2017 möchte ich nicht mehr erleben!

 

Ich erspare Ihnen die Einzelheiten meiner Beweggründe und decke den Mantel des Schweigens über das, was ich hier bei UNITEDINTERIM erlebt habe. Und verweise auf meinen Blogeintrag aus dem September [SCHÜTZEN SIE UNS VOR SOLCHEN FIGUREN!], der aktueller ist  denn je – und der inzwischen für durchaus nicht untypische Verhaltensmuster von so genannten Interim Managern steht.

 

Es gab Zeiten, da haben sich AIMP und DDIM gar trefflich gestritten, ob es denn deutlich über 20.000 Interim Manager in der DACH-Region gäbe (AIMP) oder doch nur rund 3.000 bis 5.000 (DDIM).

 

Während ich in vergangen Jahren die Schätzungen des AIMP aus tiefer Überzeugung verteidigt habe – tue ich das heute nicht mehr.

 

Was sich derzeit im Markt an Menschen tummelt, die sich selbst für tolle Interim Manager halten, konnte ich mir bis zum Jahr 2017 nicht vorstellen:

 

Selbstgefällig, nassforsch und frechdreist sowie fernab jeglicher Nähe zur „Digitalisierung“ lösen sie meine Erwartungshaltung an ein partnerschaftlich, professionelles Verhalten im Säurebad der Realität auf.

 

Und wir filtern sie aus. Alle. Ausnahmslos alle!

 

Meine ganz persönliche „Blacklist“ bei MANATNET existiert seit 2003. Bis zum März dieses Jahres umfasste sie keine 20 Namen. Über einen Zeitraum von 13 Jahren, wohlgemerkt.

 

Seit März dieses Jahres ist diese Liste auf fast 100 Namen explodiert.

 

Sicher, es ist unser Job, die Qualität zu sichern – und auch zu dokumentieren. Aber das hier, das ist die Arbeit eines Herkules beim Ausmisten des Stalls des Augias!

 

Traditionell werden in meiner Familie zum Jahreswechsel keine Unmengen verballert. Stattdessen setzen wir auf einzeln abgezählte, ausgewählte und handverlesene Raketen: Für jede am Fest teilnehmende Familie eine.

 

In diesem Jahr werde ich eine weitere abfeuern – und dabei unter einem Stoßseufzer anstoßen:

 

Prosit auf die professionellen Interim Manager!

 

WEIHNACHTSTAGE IN SPITZEN-QUALITÄT!

Inte-rim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Sternenglanz_Weihnachtsmarkt_Baden_Baden_2017Wenn Sie Innovationen bringen, dann treffen Sie stets nicht nur auf Zustimmung: Das war schon bei der Erfindung der Eisenbahn so, die seinerzeit – bei Geschwindigkeiten um die 30 km/h – als zu schnell und damit für die Psyche des Menschen gefährlich angesehen wurde [Eisenbahnkrankheit].

 

Der Maßstab war hier natürlich die Kutsche, deren Antriebskräfte zwischen zwei und acht sehenswerten, doch im Vergleich mickrigen, Pferdestärken die schicke Equipage in der Tat deutlich langsamer beschleunigten.

 

Nicht jedem ist ein unverstellter Blick und mutiges Denken gegeben (das ja durchaus nicht zwingend zum Erfolg führen muss…). Stattdessen ist dieses – auf die bisherige Erfahrung aufbauende – Extrapolieren aus der Rückspiegel-Sicht zutiefst menschlich und damit auch typisch. Im Internet werden Sie folglich eine bemerkenswerte Anzahl von so begründeten und dennoch epochalen Fehleinschätzungen finden: Vom Klassiker der weltweit möglichen Automobile über Telefone bis hin zum Computer.

 

Und sicher gilt das auch für die aktuellen Umbrüche im Interim-Business, die aufmerksame Zeitgenossen ohne jeden Zweifel wahrnehmen.

 

Uns war vollkommen klar, dass das Qualitätssiegel, das UNITEDINTERIM Anfang des Monats eingeführt hat, zu Diskussionen in der Branche führen würde.

 

Wir wurden nicht enttäuscht: Die Diskussionen kamen prompt.

 

Eine dieser Diskussionen – durchaus in sehr kritischem Ton – hat der geschätzte Kollege Ludwig Heuse in seinem Newsletter Mitte des Monats angefacht.

 

Damit hier keine Missverständnisse auftreten, sage ich an dieser Stelle eines ganz deutlich: Ludwig Heuse steht für ein renommiertes und seit Jahren erfolgreich im Interim-Business tätiges Unternehmen und seine Arbeit wird allseits respektiert. Auch von mir.

Verblüffende Diskussion über Qualitätsnachweis

Deshalb verblüfft mich die Kritik am Qualitätssiegel, das UNITEDINTERIM neuderdings vergibt, schon ein wenig.

 

Beide Unternehmen, Ludwig Heuse und UNITEDINTERIM, sind der Qualität verpflichtet. Der einzige Unterschied: Beide Unternehmen agieren in unterschiedlichen Segmenten:

 

Ludwig Heuse (und andere) sind als qualitativ hochwertige, beratende Intermediäre (Provider) tätig, während UNITEDINTERIM als qualitativ hochwertiger Direktanbieter arbeitet, der eben keine Beratung anbietet: Letztlich ist UNITEDINTERIM eine Gesellschaft für das professionelle Poolmanagement – und ganz sicher kein Provider. Stattdessen ein Unternehmen, das mit einer Transaktions-Site die Interim Manager und Interim Managerinnen im digitalen Eigenvertrieb unterstützt – und kein weiterer Provider, der das, was er tut, auf seiner Website beschreibt.

 

Dass wir unsere Qualitätssicherung nun mit einem Siegel dokumentieren, unterscheidet uns viel eher von z.B. XING oder LinkedIn, wo – man sehe mir meine Offenheit nach – jeder alles einstellen kann, was er oder sie möchte – (solange er oder sie nicht die Regeln verletzen!).

 

„Aber, was ist dieses Siegel wert? Sie machen die Qualitätssicherung ja selbst!“

 

Richtig! Und durchaus nicht jeder „Bewerber“ besteht unsere Qualitätssicherung, die manche als die härteste in der DACH-Region bezeichnen!

Im Kern der Qualität verpflichtet

Nun, wenn wir alle ehrlich zueinander sind, dann machen sogar die Provider die Qualitätssicherung selbst – und niemand sonst. Mitunter treffen die Interim Manager im Rahmen einer solchen Qualitätssicherung auf Mitarbeiter des jeweiligen Providers – nicht auf die Eigentümer, wie bei UNITEDINTERIM.

 

Im Kern bleibt jedoch festzuhalten, dass wir uns alle der Qualität unseres Angebotes den Kunden gegenüber verpflichtet fühlen.

 

Und das ist gut so – und ob wir das mit einem Siegel oder auf anderem Weg dokumentieren, ist dabei doch völlig unerheblich: Solange wir´s denn nur tun! UNITEDINTERIM hat nun ein solches Emblem – und andere dokumentieren ihre Qualitätsprüfung eben auf anderem Weg.

 

Schwierig wird´s halt nur für die, die nichts an Dokumentation in Sachen Qualität zu bieten haben. Oder gar glauben, auf die Qualitätssicherung ganz verzichten zu können [INTERIM_BUSINESS CHANCENLOS OHNE QUALITÄTSSICHERUNG].

 

So gesehen, verstehe ich die Aufregung nicht so ganz: Aber die Vorweihnachtszeit ist ja ohnehin gern immer ein wenig aufregend…

 

Deshalb wünsche ich meinen Lesern, denen ich ehrlich für ihre Verbundenheit danke:

 

Weihnachtstage in Spitzen-Qualität!

 

EIN ZEICHEN VON FAULHEIT ODER ABER DUMMHEIT

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Schrat_Keitum_Sylt_2017Social Media sehe ich durchaus nicht nur positiv. Die Sprüche, die manche Menschen dort absondern, sind stellenweise unerträglich und erfordern Höchstleistungen von Moderatoren oder ein sehr dickes Fell von mir.

 

Wie so vieles, was neu ist – und trotz der Schnelligkeit in der Digitalisierung: Social Media ist noch recht neu! – leidet Social Media unter Kindekrankheiten: eine Art digitaler Mumps.

 

Daraus als Interim Manager jedoch ableiten zu wollen, das sei alles Quatsch und „das brauche mer net!“: Das halte ich persönlich für grob fahrlässig im Business – und ganz besonders im Interim Management.

 

Im Blogeintrag vom vergangenen Freitag bin ich darauf eingegangen, dass wir es uns nicht leisten können, den Anschluss zu verlieren – und ganz besonders nicht im Interim Management.

 

Nein, ich sage nicht, dass wir alles Neue sofort und unbesehen annehmen sollten: Ich habe nie etwas von „Second Life“ gehalten – und ich lag richtig. Ich habe aber auch anfangs nichts von der Digitalfotografie gehalten – und ich lag so falsch, wie ein Mensch nur falsch liegen kann.

 

Maximal vereinfacht: Ich liege bei jedem zweiten Thema daneben.

 

Ich betone noch einmal: Ich sage nicht, dass alles Neue automatisch toll ist!

 

Aber, ich sage: Wie kann ich etwas ablehnen, was ich nicht soweit kenne, dass ich es einschätzen kann? Auf welchem Fundament steht dann meine Entscheidung?

 

Und wenn das Interim Manager tun, dann zucke ich regelmäßig zusammen!

Twitter und Facebook sind keine seriösen Medien

 

„Twitter nutze ich nicht. Genauso wenig wie Facebook. Das sind für mich keine seriösen Medien und werden zu oft missbraucht. Daran möchte ich mich nicht beteiligen.“

 

Okay, respektiert! Wie ich stets die Meinung meines Gegenübers respektiere.

 

Aber, verehrte Interim Manager, lassen Sie mich folgende Fragen stellen:

 

  • Sie arbeiten im Vertrieb – Schwerpunkt Endkunden: Glauben Sie tatsächlich, dass Sie bei Ihren Kunden überleben werden, wenn Sie nicht wissen, wie Facebook funktioniert – während sich die Kunden Ihres Kunden genau dort tummeln?
  • Sie arbeiten im After-Sales-Bereich: Glauben Sie tatsächlich, dass Sie ohne Twitter im Service bestehen können, während Ihr Wettbewerb genau das anbietet?
  • Sie arbeiten in HR: Glauben Sie wirklich, Sie können in der Mitarbeitergewinnung auch nur mittelfristig bestehen, wenn Ihr Wettbewerb Twitter und Facebook im „Active Sourcing“ einsetzt – aus beiden Rohren feuernd?

 

Wer als Interim Manager nur eine einzige dieser Fragen mit „ja“ beantwortet, dem empfehle ich eine Cash out-Strategie für sein eigenes Business, denn (aus meiner ganz persönlichen Sicht) wird es in fünf Jahren kein Business mehr für ihn oder sie geben. Spätestens in fünf Jahren!

 

Beim AIMP-Jahresforum im vergangenen Jahr hatten wir erstmals eine kleine App angeboten – die uns im Übrigen einiges an Geld gekostet hatte. Sie sollte alle Infos zu Programm, Workshops und zum kulinarisch, vinophilen Angebot bereitstellen sowie die Teilnehmerliste ersetzen. Vor allem aber sollte sie den Interim Managern direkt vor Ort zeigen, wer da ist – und wie er oder sie aussieht: Man findet einen Menschen im Getümmel halt leichter, wenn man weiß, wie er aussieht.

Sind Interim Manager digitale Banausen?

 

Die App wurde von kaum 20 Prozent der Teilnehmer heruntergeladen und, unfassbar!, 4 Teilnehmer hatten mich als Organisator des Events, vor Ort und mitten im nervenzerfetzenden Trubel gefragt, wie man denn die App herunterladen könne…

 

Ich bin erschüttert darüber, dass ganz offensichtlich

 

  • eine Vielzahl der Interim Manager weder bei XING, noch bei LinkedIn dabei sind (Zitat eines Marktteilnehmers: „Diese Leute kann ich doch gar nicht mehr als Geschäftspartner ernst nehmen!“);
  • zahlreiche Interim Manager nicht wissen, wie XING funktioniert – und wofür man XING nutzen kann und wofür nicht;
  • viele Interim Manager eine Aversion gegen Facebook haben – und deshalb nicht wissen, was Facebook für ihre Kunden [die der Interim Manager] bringen kann;
  • die wenigsten Interim Manager die Macht von Blogs für die eigene Positionierung als Fachmann oder Fachfrau verstanden haben;
  • für den Suchbegriff „Interim Manager“ bei Youtube unter den ersten 80 Treffern nicht mehr als drei Interim Manager aus der gesamten DACH-Region unter dem Suchbegriff „Interim Manager“ mit einem eigenen Videos vertreten sind und dass
  • kaum ein Interim Manager mit Instagram, Flickr oder Pinterest etwas anfangen kann.

 

Mal ehrlich: Glaubt wirklich irgendjemand, dass damit die Begriffe „modern“, „innovativ“ und „ganz vorne dran“ assoziiert werden – oder gar „Spezialist für Digitalisierung meines Unternehmens“ sowie „Whatever 4.0“? Never ever!

 

Vor Ur-Zeiten, als ich in Unternehmen angestellt tätig war, sagten die Chefs sehr gern in bestimmten, oftmals neuen Situationen: „Das muss ich nicht können: Dafür habe ich meine Leute!“

 

Nein, ich propagiere nicht, dass die Chefs oder die Interim Manager alles können oder gar alles selbst machen müssen. Ich weiß auch nicht alles und ebenso wenig mache ich alles. Aber ich weiß, wovon ich rede – oder aber, ich halt´s Maul.

 

Ein Interim Manager hat per definitionem aber keine Leute. Wenn er oder sie´s nicht weiss oder macht, dann hat das Angebot (neudeutsch: Service Offering Portfolio) eklatante Lücken und somit mittelfristig keine Zukunft. So hart das auch sein mag: Die Flucht in ein „Das muss ich nicht können: Dafür habe ich meine Leute!“ ist dem Interim Manager deshalb bedauerlischerweise verbaut.

 

Was seinerzeit wohl smart oder nonchalant wirken sollte, war für mich stets vielmehr:

 

Ein Zeichen von Faulheit oder aber Dummheit!