MANATNET-BLOG

Anmerkungen zum Interim Management aus persönlicher Sicht - unterhaltsam und kritisch

Freitag 20. September 2019

GIBT´S DOCH GAR NICHT!

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Maedchen_in_der_kleinen_Pause_Essen-Muensterplatz_2019Mein Blogbeitrag vom vergangenen Freitag „CIO UND CRO GESUCHT“ hatte mit die höchsten Aufrufe in diesem Jahr! Wen wundert´s? Der Titel war bestens und obendrein waren meine Leser ausgedörrt ob meiner zweiwöchigen Abstinenz.

 

Ich erhalte sehr viel mehr Feedback auf meine Blogbeiträge auf bilateralem Wege und nicht direkt als Kommentar im Blog. Dafür gibt es Gründe, die hier und heute jedoch nichts zur Sache tun.

 

So auch auf mein Blog vom Freitag – von einem Interim Manager, den ich sehr schätze: Ist er doch fernab vom „Mainstream“:

 

„Hallo Herr Becker,

 

Persönliches Feedback zu ihrem Blog-Beitrag. Dies hier via E-Mail und unter vier Augen.

 

Sie halten ja uns Interim Manager deutlich vor Augen, was wir „falsch“ machen. Jedoch, und ich bitte mir diese Aussage zu gestatten, befürchte ich, dass Sie hier Ihre Energien verschwenden.

 

Daher eine Frage an Sie: Was treibt Sie an beziehungsweise wieso tun Sie sich das an? *Neugier*

 

Liebe Grüße

 

Interim Manager“

 

Da formuliert der Interim Manager doch exakt meine Frage, die mich in schöner Regelmäßigkeit sehr schwer ins Grübeln bringt….!

 

Ich möchte deshalb auch an dieser Stelle einmal auf diese Frage eingehen – falls es den einen Leser oder die andere Leserin interessiert – und dabei mit den ersten Sätzen meiner Antwort an den Interim Manager beginnen:

 

„Sie haben völlig Recht, Herr Interim Manager,

 

meine Energien laufen ins Leere – zumindest weitgehend.

 

Warum mache ich das dann?

 

Ich sehe mich hier durchaus vergleichbar mit einem Kabarettisten, der auch die Finger in die Wunden von Politik und Gesellschaft legt, ohne dass sich etwas groß ändert. Er weiß, dass er viele Menschen erreichen wird, die ihm zustimmen – und andere, die ihn für bekloppt halten. Glauben Sie mir: Mich halten viele für bekloppt – und das seit Jahren!

 

Dennoch macht der Kabarettist das, weil die Alternative, diese Dinge gar nicht mehr anzusprechen, die Entwicklung in Richtung Durchschnittlichkeit und Belanglosigkeit weiter beschleunigen dürfte.

 

Exakt hier liegt die Ur-Motivation für mein Blog, das ich vor mehr als 10 Jahren begonnen habe:“

 

Schauen wir uns aus dieser Perspektive die drei Gruppen an, die das Interim Business definieren – und hierbei greife ich nur die aus meiner Sicht heftigsten „Wunden“ auf:

Interim Manager: Wo ist Eure Neugier geblieben?

 

Hier (wie stets) – gibt es Top Leute – und Leute, bei denen ich mich frage, wie die jemals beim Kunden erfolgreich sein wollen. Und doch finden auch sie die passenden Kunden; und doch funktioniert das ganz offensichtlich – für mich eins der großen Mysterien im Interim-Business.

 

Von den Top-Leuten abgesehen, tut sich der Rest der Interim Manager wahnsinnig schwer mit dem „Verkaufen in eigener Sache“. Ein großer Teil gibt das auch unumwunden zu: Das war´s dann aber auch!

 

Ein anderer Teil gibt das ebenso zu – wenn auch kleinlaut – und zieht sich dann darauf zurück, dass bislang doch noch alle Kunden mit dem zufrieden waren, was sie im Rahmen ihres Eigenvertriebs verwendet und präsentiert haben.

 

Selbstzufriedenheit bis zum Selbstbetrug! Wenn ein Kunde die Unterlagen der Top-Leute auf dem Tisch hat und daneben die Unterlagen der anderen Kandidaten aus der Schreibmaschinen-Fraktion: Dann weiß ich, was der Kunde tut…!

 

Und die Schreibmaschinen-Fraktion ist regelmäßig irritiert, dass sie nicht zum Erstgespräch eingeladen wird – verletzt dies doch das Eigenbild ganz elementar: „Ich überzeuge immer im persönlichen Gespräch!“ Selbst, wenn ich mal gutwillig unterstelle, das sei so: Du kommst doch nicht mal dahin!

 

Auffällig und für mich persönlich hochgradig alarmierend ist das aus meiner Sicht bemerkenswert ausgeprägte Beharrungsvermögen sehr vieler Interim ManagerInnen unter – ja, jetzt formuliere ich das mal so! – der Überschrift „Ham wa schon immer so gemacht!“

 

Als würde sich die Welt nicht gerade dramatisch verändern…!

 

Mag sein, dass das am im Vergleich doch hohen Altersdurchschnitt liegt, der die Interim ManagerInnen kennzeichnet – jedoch fühle ich mich nach dieser Erklärung kein Jota besser.

 

Was wir brauchen, sind neugierige Interim Manager – ich habe das bereits vor fast eineinhalb Jahren gefordert [WERDET ENDLICH NEUGIERIG, INTERIM MANAGER!]. Was wir brauchen, sind Interim Manager, die mutig Neues aufsaugen unter der Maxime: „Ich probiere das mal! Wer denn sonst?“. Und folglich bereit sind, sich mit Brachialgewalt weiterzubilden – was, es tut mir furchtbar leid, ganz sicher Zeit und Geld kosten wird.

 

Soweit meine ganz persönliche Erwartung. Über alles Weitere breite ich gnädig den Mantel des Schweigens.

Provider: Ist ein 40 Jahre altes Geschäftsmodell zeitgemäß?

 

Mit atemberaubender Regelmäßigkeit wird mir unterstellt, ich würde die Provider geißeln. Das tue ich ganz und gar nicht – dennoch hält sich dieser Eindruck hartnäckig.

 

Deshalb an dieser Stelle noch einmal ganz deutlich: Ich bin davon überzeugt, dass Provider, wenn auch nicht alle, auch fürderhin noch eine wichtige Rolle spielen werden im Interim-Business. Nur eben nicht länger auf dem aktuellen Geschäftsmodell, das an die vierzig Jahre alt ist.

 

Ich empfinde es als erstaunlich, dass von außen sichtbar kaum ein Provider sich für die Zukunft rüstet – und sich mit der Frage beschäftigt: „Was wäre eigentlich, wenn sich unsere Geschäftsgrundlage dramatisch verändern würde?“

 

„Was soll sich da schon ändern, Herr Becker?!“

 

„Sie arbeiten doch viel für die Automotive-Industrie. Fragen Sie doch mal nach, wie die das gerade sehen…“

 

In diese überraschend verkrustete Denkwelt gehört auch das omnipräsente Marketing-Tantra „Wir sind ein führender Provider“ mit „einem Pool von Tausenden von Interim Managern“, die „wir alle persönlich kennen“.

 

Mich erinnert das immer ein wenig an meine ur-analoge Schulzeit, als wir noch Auto-Quartett spielten: „Mercedes 600 Pullmann – 6.330 Kubik-Zentimeter Hubraum!“ Und weg war meine Karte: Völlig gal, welche ich grad auf der Hand hatte…

 

Nun habe ich den Eindruck, dass sich die Zeiten in den vergangenen 40 Jahren durchaus geändert haben: Jeder Kunde, mit dem ich (!) offen über solche Pool-Zahlen spreche, verdreht inzwischen die Augen. Einer brachte es auf den Punkt:

 

„Herr Becker, ich brauche einen. Und den schnell – und zu vernünftigen Preisen!“

Unternehmen: Seid Ihr sicher, gut informiert zu sein?

 

Heute, bald im Jahr 2020, wo wir über Künstliche Intelligenz, Autonomes Fahren und von mir aus Flugtaxis reden, ist die Nachfrageseite verblüffender Weise in der Breite nicht ausreichend informiert – und das trotz AIMP und DDIM: Denn anderenfalls würde sie auf „Open Book“ bestehen und Provisionen von im Schnitt 25 und in der Spitze bis zu [nein, sag´ ich nicht!] Prozent nicht akzeptieren.

 

Zudem zeichnen Presse und Provider unverändert und unverdrossen ein verzerrtes und obendrein auch noch verklärtes Bild vom Interim-Business – was, ganz ausdrücklich, ein Verklären der Provider-Szene einschließt.

 

Zu alldem hier ein Gegengewicht zu setzen, ehrlicher und weitgehend ohne Marketing-Intentionen über das Interim-Business aus meiner ganz persönlichen Sicht zu berichten, ist der alles überragende Beweggrund für mich, dieses, mein Blog zu schreiben.

 

Nicht zuletzt: Ich habe eine kleine Fangemeinde, die auf meinen Blogbetrag wartet – eben weil er sich abhebt von allen anderen (den wenigen) Blogs in der Interim-Szene. Sie freuen sich in aller Regel am Freitag – und beginnen damit, wie mir einer schrieb, ihr „Wochenende einzuläuten“ – oft im Hinterkopf ein

 

„Gibt´s doch gar nicht!“

 

Freitag 13. September 2019

CIO UND CRO GESUCHT!

Inte-rim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Plastikmensch_von_Thomas_Rees_Offenburg_2019Vergangenen Freitag, 15.32 Uhr. Also exakt 32 Minuten nach dem (eigentlich) turnusmäßigen Erscheinungstermin meines Blogs schlug die Nachricht des befreundeten Interim Managers via Twitter auf:

 

„Bei Dir muss ja wirklich „Land unter“ sein, wenn es seit 2 Wochen keinen Blogpost mehr gibt.“

 

Touché!

 

Und tatsächlich! An zwei Freitagen hintereinander kein Blog: Das gab´s in über zehn Jahren Blogschreiben noch nicht.

 

Der Grund ist ganz einfach – und ich hab´s bisher hier mitunter angedeutet: Das Arbeitsvolumen für UNITEDINTERIM ist derart absurd hoch, dass der willige Geist nicht länger in der Lage war, seine Macht über das schwache Fleisch auszuüben.

 

Der herbeigerufene Halbgott in Weiß und der unter flammendem Schwert flankierende Erzengel namens Gattin waren sich einig: „Jetzt reichts!“

 

Und es reichte tatsächlich – nicht jedoch für ein restliches Jota an Kreativität, das mein Blog nun einmal braucht. Über allem Anderen breiten wir feinfühlig den Mantel des Schweigens …

 

Wieder an der Oberfläche fallen Artikel auf, die offenbar darauf abzielen, mir die Auszeichnung „Minister der Finsternis“ streitig zu machen:

 

So etwa vor knapp zwei Wochen Stefan Aust in der Welt „Deutschland außer Betrieb“ oder aber vorgestern Thomas Andrae an gleicher Stelle: „Das System Deutschland kommt an sein Ende“.

 

Heissa, klingen die Schalmaien: „Das ist ja gut fürs Interim Management!“

 

Wenn ich davon absehe, dass es die Restrukturierer tatsächlich freuen wird und dass inzwischen Restrukturierer für die Automotive-Industrie tatsächlich schwer zu finden sind:

Interim-Markt schwieriger

 

Das Interim Management spürt das schwierige Umfeld durchaus:

 

(1) Die Ausschreibungen in den einschlägigen Interim-Gruppen bei XING sind inzwischen deutlich über 30 Prozent abgesackt verglichen mit den „normalen“ Monaten März und Mai. Woher ich das weiß? Ich halte jede einzelne nach.

 

(2) Die Anzahl der Interim Manager, die sich im gleichen Umfeld als „Bin verfügbar“ melden, hat sich mehr als verdreifacht. Woher ich das weiß? Ich halte jede einzelne nach. Der guten Ordnung halber: Diese Nachrichten landen so gut wie ausschließlich in den E-Mail-Eingängen der Interim-Kollegen, denn von 19.552 Gruppenmitgliedern (Stand heute; 11.10 Uhr) haben nur gut 20 (in aller Regel Provider) im August ein Projekt ausgeschrieben.

 

(3) Von Outplacement-Spezialisten weiß ich, dass sich das Auftragsvolumen (gemessen an der Stückzahl) vervierfacht hat. Ein nennenswerter Anteil dieser Manager in ehemaliger Festanstellung wird ins Interim-Business einsteigen.

 

Kleines VWL-Einmaleins gefällig? Das Nachfragevolumen sinkt – das Angebot steigt: In der Folge werden Auslastung und dann die Preise sinken.

 

Nein, nein. Im Interim Management natürlich nicht … !

 

Provider mögen das gar nicht, weil den hochgradig volatilen Erlösen aus dem Projektgeschäft sprungfixe Kosten gegenüberstehen. Im Klartext: Wenn Dir Dein Volumen einbricht, hast Du die Kosten für Deine Leute immer noch. Und Dein Büro. Und Deine Infrastruktur. Und für Deinen Pool – der längst kein Wettbewerbsvorteil mehr für Dich ist (IMHO).

 

Dem gegenüber stehen unter dem Banner „Die Provider verdienen an mir ohnehin genug!“ Heerscharen von Interim Managern, die folglich der festen Überzeugung sind, dass sie selbstverständlich auch sämtliche Leistungen von UNITEDINTERIM kostenlos in Anspruch nehmen könnten.

 

Ich persönlich habe vor einiger Zeit für mich entschieden: Im Business mache ich nichts mehr unentgeltlich. Auch keine Vorträge mehr beim AIMP, der DDIM oder sonst wo.

 

Das machen wir inzwischen auch bei UNITEDINTERIM so.

 

Der eine Interim Manager oder die andere Interim Managerin zeigt sich darob zutiefst erschüttert: So be it. Dann trennen sich unsere Wege halt. So lange, bis ich auf neue Heerscharen von Interim ManagerInnen treffe, die mir sagen: „Tagessatz? Natürlich arbeite ich ohne! Jederzeit gern …“

 

Mein Netzwerk stirbt mir weg

 

Mitunter treffe ich auf bizarres Gedankengut unter den Interim Managern: So erkennt der eine oder andere, dass sein „Netzwerk ausstirbt“ vulgo „in Rente geht“. Diesen Prozess erkennen aufmerksame Beobachter durchaus auch unter den Interim Managern, die dann doch im Alter zwischen 65 und 70 aus dem Projektgeschäft aussteigen.

 

Interim Manager, deren Netzwerk wegbricht, frage ich dann gern einmal, wie sie das auffangen möchten.

 

„Wollen Sie ein neues Netzwerk aufbauen?“

 

„Muss ich wohl…“

 

„Kostet Sie viel Zeit und Geld neben Ihrem Projektgeschäft, das Sie zudem binden wird. Wie wollen Sie das machen?“

 

„Ich hab´ ja grad kein Projekt. Und ich gehe natürlich zu den DDIM-Veranstaltungen!“

 

„Aber da treffen Sie auf Kollegen, nicht auf Kunden!“

 

„Vielleicht helfen die mir ja!“

 

„Selbst, wenn das so wäre: In nächster Zeit werden Ihre Kollegen wohl erst einmal an sich selbst denken!“

 

„….!?“

 

„Und außerhalb der analogen Welt?“

 

„Ich bin in allen Gruppen bei Xing!“

 

„Aha. Aber das sind alles Gruppen für Interim Manager! Da treffen Sie somit wieder auf Ihre Kollegen!“

 

„Ja, aber da werden auch Projekte ausgeschrieben!“

 

„Stimmt! Aber von Providern, mit denen Sie doch ohnehin zusammenarbeiten. Ich habe in vier Jahren keinen einzigen Endkunden dort gesehen!“

 

„Aber die Provider finden mich dort vielleicht eher! Und dann habe ich noch meine Website!“

 

„Das ist gut: Immerhin hat rund die Hälfte der bei UNITEDINTERIM registrierten Interim Manager keine eigene Website!“

 

„Sehen Sie…“

 

„UNITEDINTERIM bietet ab Oktober einen Quick-Check für die Websites der Interim Manager an. Wenn wir das für Ihre Site mal machen, dann erhält Ihre Site nur 11,47 von 100 möglichen Punkten!“

 

„Meine Homepage wurde ja auch seit 10 Jahren nicht aktualisiert!“

 

„Das bedeutet, Sie haben akuten Handlungsbedarf. Und Sie brauchen einen langen Atem, bis zum Beispiel Google Ihrer Homepage auch nur durchschnittliche Bedeutung beimisst – nach Ihrem Dornröschenschlaf!“

 

„Na ja, dieser digitale Kram bringt doch sowieso nichts!“

 

„Vielleicht ordnen Sie das aber auch völlig falsch ein: Allein in dieser Woche gab´s diese beiden Abfragen bei UNITEDINTERIM:

 

CIO und CRO gesucht!“

 

Freitag 23. August 2019

INTERIM MANAGER LEAPFROGGING TO EXCELLENCE!

MANAT-NET_Interim_Management_Blog_Titel_Interim_Manager_leapfrogging_to_excellenceVor Urzeiten hat mir ein AIMP-Kollege den Titel „Minister der Finsternis“ verliehen. Was liebevoll gedacht war ließ doch zwischen den Zeilen durchaus die kritische Anmerkung durchschwingen: „Was Du immer hast!“

 

Nun kann ja niemand so ohne Weiteres aus seiner Haut. Selbst, wenn man permanent an sich arbeitet: Ich auch nicht.

 

Mich haben halt viele Jahre als Bilanzanalyst bei Chase Manhattan Bank geprägt. Damals, als mein Haar noch nicht platinen war – und eine auch nur im Keim erblühende Zuneigung zur „Work-Life-Balance“-Gemeinde zum jähen Ende meiner noch so jungen Karriere geführt hätte.

 

Im Kern hat mich diese Zeit gelehrt – einem Seismographen gleich –, auf sich verändernde Parameter zu reagieren. Und daraus meine Schlüsse zu ziehen.

 

Durchaus (ja, das gebe ich zu!) aus einer „Risiko“-Perspektive – nicht aus der „Chancen“-Perspektive. Auch wenn bereits seinerzeit einem neuen „Risiko“ nicht der kollektive Suizid folgte, wohl aber ein ausführliches Kapitel unter der Überschrift „Risks and Mitigants“ (Risiken und was sie abmildern könnte).

 

Und so reagiere ich halt auf:

 

Die Präsidentschaft von Donald Trump

Die Lähmung Deutschlands

Handels-Streit und (Straf-)-Zölle

Digitalisierung

Diesel-Gate

Elektromobilität

Klimawandel

AfD

 

Ich weiß ja nicht, aber ein „Wird schon werden…!“ kommt mir da nicht spontan in den Sinn. Viel mehr ein: „Stell Dich mal auf rauere Zeiten ein!“

 

Daraus resultieren dann mitunter Blogbeiträge hier an dieser Stelle, die in der Folge für einige Aufregung in der Szene sorgen – wie erst Ende Mai dieses Jahres: „Ein schriller Weckruf – auch für Interim Manager!

UPS! Die Wirtschaft boomt nicht mehr…

 

10 Wochen später ist es dann unübersehbar:

 

(1) Unternehmen, vornweg die Automotive- und Kfz-Zulieferindustrie und die Banken bauen Mitarbeiter ab.

(2) Ein führendes Unternehmen für Outplacement spricht davon, dass die Outplacement-Mandate deutlich zugenommen hätten. Auf meine Frage, „Wieviel mehr verglichen mit dem Vorjahr?“, kommt ohne zu zögern die Antwort: „Vierfach!“

 

Alle, die lang genug im Interim Management tätig sind, wissen das: Aus diesen „Outplacements“, aus diesen Freistellungen, werden sich neue Interim Manager herausbilden, die das Angebot an Interim Management-Kapazitäten im Markt weiter erhöhen werden.

 

Jeder hat – wie stets – das Recht, das anders zu sehen, jedoch ich bin davon überzeugt:

 

Zumindest in den nächsten Monaten werden alle Interim Manager, also die bereits im Markt tätigen und die neu hinzukommenden, auf eine eher verhaltene Nachfrage treffen (wenn wir vom Restrukturierungsbereich absehen): „Herr Becker, ich kann das intern nicht kommunizieren, wenn wir Interim Manager an Bord nehmen, während wir gleichzeitig eigene Leute abbauen!“ (Zitat, Vorstandsmitglied Deutsche Bahn AG, Anfang der 2000er Jahre).

 

Ich leite daraus ab, dass das Interim-Business härter werden wird – aber ich bin ja auch seltsam unterwegs (siehe oben).

 

Bei UNITEDINTERIM haben wir ein Video bereitgestellt „Wie Sie als Interim Manager auf eine wirtschaftliche Krise reagieren“ – das gestern entwaffnend kommentiert wurde: „die Guten bekommen immer ein Projekt, auch für einen guten Preis“.

 

Nun, das haben wir zwar mit keinem Wort infrage gestellt: Aber die Botschaft dieses Kommentars ist in keiner Weise ungewöhnlich. Denn zwischen den Zeilen steht hier: „Gute [Interim Manager] machen schon alles richtig! Die müssen nix anders machen!“ Und ich bin recht sicher, dass der Autor sich zu diesen Guten zählt.

 

Es ist diese Selbstgefälligkeit, die mich – in einem Umfeld, das sich derzeit dramatisch verändert – zutiefst erschüttert.

 

Ich denke, in einem solchen Umfeld müssen sich die Interim Manager – muss ich mir – auf jeden Fall eine Frage stellen:

Die alles entscheidende Frage der Asse

 

„Weshalb bin ich sicher, gut genug zu sein, um auch in fünf Jahren noch im Wettbewerb bestehen zu können?“

 

So helfen mir sicher meine Kenntnisse in der professionellen Bilanzanalyse um meine Persönlichkeit abzurunden: Aber beauftragen würde mich kein Kunde mehr mit dieser Arbeit. Dafür hat sich viel zu viel geändert – auch in diesem sehr speziellen Feld.

 

Wenn ich mit Interim Managern und Managerinnen spreche, dann wird mir in jedem Einzelfall mit dem Brustton der Überzeugung versichert, dass man „uneingeschränkt auf Qualität ausgerichtet“ sei. Und in so gut wie allen Fällen wird damit auch der eigene Tagessatz gerechtfertigt: „Qualität hat Ihren Preis, Herr Becker! Die Kunden wissen und honorieren das!“

 

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bestreite das in keiner Weise.

 

Dennoch stelle ich die ketzerische Frage: Woran wollen potentielle Kunden den Grad der Qualitätsorientierung eines Interim Managers, einer Interim Managerin, festmachen?

 

„Sie müssen denen das ´rüberbingen, Herr Becker!“

 

Aha!

 

Das werde ich dann auf der Grundlage der jeweiligen (Verkaufsunterlagen) tun. Und ich kann meinen Lesern versichern: Wenn ich fünf mögliche Kandidaten identifiziert habe, dann ragt typischerweise ein Kandidat heraus – wie z. B. Siegfried Lettmann oder Kartin Feldner. Und die anderen fallen ab: Die eine weniger, der andere deutlich.

 

Dann kann ich eingreifen und gemeinsam mit dem jeweiligen Kandidaten Lücken schließen: „Sie positionieren sich als Spezialist für das Thema Digitalisierung – aber in Ihrem CV kommt der Begriff „digital“ nicht einmal vor….!“

 

Ganz anders sieht das aus, wenn derselbe Kunde selbst sucht und auf dieselben Kandidaten bei UNITEDINTERIM trifft: Dann wird er – so sicher wie ich das hier schreibe – mit dem einen Kandidaten das Gespräch suchen – und die anderen nachrangig angehen. Und das auch nur dann, wenn er mit dem ersten Kandidaten nicht einig wird.

 

Deshalb bin ich so dahinter her, dass die Interim Manager und Managerinnen ihre eigenen (Verkaufs-) Unterlagen in Spitzenqualität vorhalten.

 

Und ein Dokument von 2017 ist heute, kurz vor dem Herbst 2019, kein Dokument in Spitzenqualität mehr: Da gibt’s überhaupt kein Vertun!

 

„Aber ich mache das seit 12 Jahren so, Herr Becker! Und niemand hat das jemals kritisiert!“

 

„Verstehe, Herr Interim Manager. Welches Mobil-Telefon haben Sie seinerzeit genutzt?“

 

„Lassen Sie mich nachdenken: Ein Nokia, natürlich!“

 

„Und heute?“

 

„Ein IPhone 8…!“

 

„Sehen Sie…!“

Ein Appell an die vielen Guten, die noch besser werden möchten

 

Liebe Interim Manager, liebe Interim Managerinnen, Ihr habt doch nichts anderes als diese Unterlagen, um Eure potentiellen Kunden zu beindrucken! Womit sonst wollt Ihr das machen?

 

Es kann doch nicht sein, dass Ihr von Euren Kunden mindestens einen Riesen am Tag aufruft – aber nicht bereit seid, einen ebensolchen Riesen in das Wichitgste, was Ihre habt, in Euren Verkaufsprospekt in eigener Sache, zu investieren…! Nicht ernsthaft, oder?!

 

Regelmäßig sagen mir dann Interim Manager und Interim Managerinnen: „Ich bin im Projekt – und deshalb komme ich nicht dazu, [Platzhalter] zu machen.

 

An die Stelle des [Platzhalters] können Sie unter anderem einsetzen:

 

(1) Meinen CV zu aktualisieren

(2) Meine Homepage zu aktualisieren

(3) Die Dokumentation von Referenzprojekte zu liefern

(4) Einen Blogbeitrag zu meinem Spezialthema zu schreiben

(5) Ein Video zu machen

 

Merke: Weil ich mein Kerngeschäft ausübe, komme ich nicht dazu, meine Verkaufsunterlagen auf Spitzenniveau zu bringen! Bitte lesen Sie das noch einmal. Langsam.

 

So ist es wie stets: Alles Gute beinhaltet etwas Schlechtes – und alles Schlechte trägt etwas Gutes in sich.

 

Denn ich erwarte, dass die Auslastung der Interim Manager zurückgehen und damit Zeit für diese Aufgaben zur Verfügung stehen wird: Aufmerksame Beobachter der einschlägigen Gruppen bei XING erkennen das bereits jetzt. Pardon: Beobachter mit entsprechender Prägung…

 

Ich sehe sie vor mir. Über die kommenden Monate: Ungezählte

 

Interim Manager leapfrogging to excellence!

 

Freitag 16. August 2019

AUCH IM NÄCHSTEN JAHR GIBT´S EINE KRÄUTERWEIHE FÜR DICH!

Inte-rim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Frau_nach_Weihe_ihres_Kräuterbüschels_Gengenbach_2018Da hat´s aber gerauscht, gestern. Als Sascha Lobo seine gestrige Spiegel online-Kolumne überschrieb mit: „Nichts Neues bitte, läuft doch auch so“.

 

Der Artikel ist Lobo-typisch: Fakten, Meinung und gute Schreibe.

 

Und diese beiden Aussagen bleiben sicher hängen – zumindest diese beiden:

 

„Deutschland hat sich tatsächlich abgeschafft – digital“

 

„Jeder digitale Wirtschaftserfolg beginnt zwingend mit einer anständigen digitalen Infrastruktur.“

 

Na also: Geht doch!

 

Iich hätte mich somit genüsslich zurücklehnen können in der absoluten Gewissheit: „Zumindest im Interim-Business haben wir uns nicht digital abgeschafft. Denn eine anständige digitale Infrastruktur hast Du ja mit UNITEDINTERIM aufgebaut – auch wenn der (bisherige) Schlussstein erst Anfang Oktober gesetzt werden wird.“

 

Da habe ich sehr gern sofort die Kameras greifen wollen, um auch in diesem Jahr wieder Fotos von der Kräuterweihe in Gengenbach zu machen. Ich begleite sehr gern mit der Kamera dieses christlich verwurzelte, farbenprächtig duftende Spektakel in meiner Heimatstadt. (Für meine Leser mit Facebook-Account gibt’s hier die Bilder aus dem vergangenen Jahr.)

 

Habe ich aber nicht.

Es gibt keinen Grund, sich auszuruhen. Keinen einzigen!

 

Gern gebe ich zu: Auch mich hat der Artikel von Sascha Lobo recht nachdenklich gemacht. So war mir z. B. in diesem Ausmaß der Rückstand der deutschen Wirtschaft in Sachen Forschung und Entwicklung nicht bewußt.

 

Auch habe ich die Misere der kommunalen Finanzierung so nicht gesehen – bis zum Artikel von Jens Südekum, Professor für internationale Volkswirtschaftslehre am Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie (DICE) „Wo und wie Deutschland seine Infrastruktur ruiniert hat“.

 

Nicht, aber auch rein gar nicht überrascht hat mich der Titel „Nichts Neues bitte, läuft doch auch so.“ Ausrufezeichen.

 

Das ist mir in einer fast familiär anrührenden Art vertraut aus ungezählten Gesprächen mit Interim Managern aus der „Brauche mer net!“-Fraktion.

 

Beeindruckt hat mich hingegen folgender, aus meiner Sicht, messerscharfe Satz – und ich bin ein wenig neidisch darauf, dass ich ihn nicht geschrieben habe, sondern eben Sascha Lobo:

 

„So erfolgreich zu sein, dass der Druck, sich zu wandeln, praktisch auf null sinkt, das ist das große deutsche Luxusproblem. In Zeiten der Digitalisierung ist das gleichbedeutend damit, von der eigenen Substanz zu leben.“

 

Aber diese Zeiten scheinen gerade krachend ihrem Ende entgegenzugehen: Auch im Interim Management. Womöglich gerade im Interim Management…

 

Ich denke deshalb, wir stehen vor aufregenden Zeiten – und, ja, ich vermeide bewusst das Attribut „spannend“, das in so ziemlich jede erwartungsfrohe Denkwelt von Job-, Projekt- oder Mandat-Suchenden Einzug gehalten hat:

 

„Bin ab 1.9. für spannende Projekte verfügbar.“

 

„Suche ab sofort spannende Herausforderungen.“

 

Jesses!

 

Das aus meiner unmaßgeblichen Sicht einzig Spannende wird sein, zu beobachten, wie die in einer rund eine Dekade dauernden Schönwetterperiode geprägten, derzeitigen Wirtschafts-Kapitäne mit einer deutlich anderen Großwetterlage umgehen werden.

 

Wir beruhigend ist es da, zu wissen:

 

Auch im nächsten Jahr gibt´s eine Kräuterweihe für Dich!

 

Freitag 09. August 2019

BESSER WERDEN? DA KÜNDIGE ICH LIEBER!

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Statue_Pfiffer_Ribeauville_2018Mir werden ein paar Lieblingsvokabeln nachgesagt. Hierzu gehören ohne jeden Zweifel die Wörter „unterirdisch“ und „verstörend“.

 

Beide habe ich in dieser nun zu Ende gehenden Woche verwendet – letzteres führte daraufhin zu einer gemeinsamen Reflektion mit meinem Partner, Dr. Harald Schönfeld.

 

Ja, tatsächlich! Wir beide stellen regelmäßig in Frage, was wir tun – und wie wir es tun. Ich halte das für elementar wichtig – besonders in den heutigen, deutlich rauer werdenden Zeiten, in denen das Interim-Business im Umbruch ist.

 

Was also war geschehen?

 

Ich bin mit meiner Qualitätssicherung angeeckt! Ja, tatsächlich: Der Ansatz, „Ich bin hier, um Dir zu helfen, immer besser zu werden“, wird heutzutage längst nicht mehr flächendeckend goutiert.

 

Wenn ein Interim Manager oder eine Managerin [ich muss das so schreiben: „gender-gerecht“] einen neuen CV hochlädt, dann schauen wir uns das neue Dokument im Rahmen eines Quick-Checks an. Meine Leser wissen: Für UNITEDINTERIM hat Qualität überragende Bedeutung.

 

Bemerkenswerter Weise teilen nicht alle Interim Manager unser Credo!

 

Zu Beginn meiner Tätigkeit als Interim-Provider – kurz nach der Jahrtausendwende –, hatte ich blauäugig geglaubt, eine solche Prüfung sei – unter Profis – nicht nötig. Ich lernte jedoch sehr schnell, dass es Interim Manager gibt, die – ein gutes Jahr nach der intensiven Qualitätssicherung im Rahmen der Registrierung – tatsächlich einen aktualisierten CV hochladen, der schlechter ist, als das ursprüngliche Dokument.

 

Kaum zu glauben: Dennoch ist es so!

Quick-Check für jeden neuen CV

 

Folglich schaue ich mir jedes neue Dokument kurz an – seit sicher gut 10 Jahren.

 

Bei UNITEDINTERIM protokollieren wir diesen „Quick-Check“ im Rahmen einer schmucken Grafik und lassen das Ganze dem jeweiligen Interim Manager zukommen.

 

Eine Reaktion in dieser Woche hat mich dann tatsächlich doch verstört – und da ist es dann …

 

Sehr geehrter Herr Becker,

 

danke für Ihre Hinweise, aber ich möchte gerne bei der von mir gewählten Form bleiben.

 

Projekte (nur Auswahl), weil es einfach zu viele sind. Projektdauer und Umsatzdaten der Kunden sind nicht relevant; die Bedeutung der Projekte geht aus der Projektbeschreibung hervor. Da ich natürlich Freiräume habe und diese auch benötige, möchte ich auch keine lückenhafte Chronologie präsentieren.

In einem persönlichen Gespräch mit potentiellen Kunden kann ich die vermeintlich fehlenden Daten gerne erläutern.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Peter Pan

 

Okay, Peter Pan ist mein Kunde. Er sagt, wo´s lang geht. Ich habe meinen Job als Sparringspartner gemacht:

 

Sie haben ganz sicher alles Recht, Herr Pan,

 

unsere Vorschläge, die wir Ihnen im Rahmen des KVP-Prozesses machen, zu negieren.

 

Allerdings werden Sie sich dann halt schwer tun, zu Ihrem persönlichen Gespräch zu kommen, in dem Sie etwas erläutern können! Denn die Kunden benötigen diese Informationen bereits für ihre Entscheidung, ob Sie mit Ihnen in Kontakt treten wollen oder nicht.

 

Hierzu gehört heute unabdingbar (!), dass Sie die Projektlaufzeit nennen: Für Kunden ist es ein erheblicher Unterschied, ob ein Projekt drei oder neun Monate gedauert hat.

 

Wir lassen Ihr Dokument dann wie es jetzt ist in der Datenbank. Aber ich werde diese kleine Korrespondenz zu den Unterlagen nehmen.

 

Gruß

 

Jürgen Becker

 

Nächster CV – dachte ich:

Hab´ ich schon immer so gemacht!

 

Sehr geehrter Herr Becker,

 

 

Mein Lebenslauf zeigt übrigens seit 2011 die gleiche Struktur, wird nur regelmäßig um neue Projekte ergänzt.

 

Ihren Hinweis, diesen Mailwechsel zu den Akten zu nehmen, finde ich befremdlich.

 

Mit dieser Mail teile ich Ihnen mit, dass ich den Vertrag zum frühestmöglichen Zeitpunkt kündigen möchte.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Peter Pan

 

So kann´s gehen.

 

Und dann kam ein nahezu deckungsgleiches Erlebnis zwei Tage später. Ich hatte einem Interim Manager empfohlen, sein 44-Seitiges Dokument zu straffen und seine Kontaktdaten auf der ersten Seite zu bringen. Mein Argument: „Sie können heute nicht mehr unterstellen, dass jeder Kunde 44 Seiten durchgeht – um dann am Ende Ihre Kontaktdaten zu finden.“

 

Seine entwaffnende Antwort:

 

Hallo Herr Becker,

 

von einem Endkunden unterstelle ich das, ja…

denn es liegt in seinem eigenen Interesse ein Profil vollständig zu lesen.

 

Ich reflektiere seitdem wieder einmal recht viel – und beschäftige mich intensiv mit der Frage, ob ich auch auf diese Strategie einschwenken sollte:

 

Besser werden? Da kündige ich lieber!

 

Freitag 02. August 2019

DIE GÖTTERDÄMMERUNG DES TRADITIONELLEN INTERIM-BUSINESS?

Inte-rim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Toter_Baum_mit_einem_lebenden_Ast_Sylt_2019„Ihre Branche steht ja auch vor schwierigen Zeiten“, sagte der Geschäftsführer eines Top-Automobilzulieferers vorgestern während eines unserer regelmäßigen Telefonate.

 

„Über die Automobilindustrie müssen wir wohl nicht reden, aber die schlechte Lage hat inzwischen so ziemlich alle Branchen erreicht!

 

Und selbst das Verbrauchervertrauen ist im dritten Monat in Folge gefallen. Auch die Prognose für den August sieht nicht besser aus. Insgesamt keine gute Gemengelage. Auch für Ihr Geschäft nicht!“

 

„Ich weiß! Aber wie immer, werden wir damit umgehen müssen: Welche Alternative haben wir? Wir werden Sie darauf reagieren?“

 

„Na, auch wie immer. Kosten runter. Und keine Externen! Ich weiß, das ist keine gute Nachricht für Sie, aber wir machen jetzt alles mit eigenen Leuten…“

 

Solche Gespräche – vor allem: solche Schlussfolgerungen – kenne ich seit 2003. Bereits damals sagte mir ein Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn:

 

„Herr Becker, wie um Himmels Willen soll ich intern kommunizieren, dass wir einen externen Interim Manager an Bord holen, während wir gleichzeitig eigene Mitarbeiter entlassen?!“

Das Interim Management lebt längst nicht mehr von der Krise

 

Zwar gibt es immer noch eine Handvoll Menschen, die meinen, eine wirtschaftliche Krise sei ein El Dorado für die Interim-Branche: Dies jedoch ist ein Trugschluss!

 

Zwar werden die Restrukturierungsmandate wohl zunehmen, aber – wie alle inzwischen wissen sollten – machen diese Mandate nur irgendwo um 15% aller Mandate aus (Quelle: AIMP-Providerstudie). Dieses Segment wird also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zunehmen.

 

Die anderen Segmente, die jedoch um 85% aller Mandate repräsentieren, werden unter erheblichen Druck kommen. Hierfür gibt es einen ganz entscheidenden Grund, der in der Interim-Szene gern einmal verdrängt wird:

 

Ein Interim Mandat bedeutet stets „Cash-Outflow“ für das auftraggebende Unternehmen! Selbst ein sechs-Monats-Projekt bei einem unterdurchschnittlichen Tagessatz von 1.000 Euro (der vom AIMP genannte durchschnittliche Tagessatz liegt gut 10% höher!) führt zu einem Mittelabfluss von satten 120.000 Euro.

 

Da winkt er dann durchaus gern einmal ab, der typische deutsche Mittelständler – wo bekanntlich weit über die Hälfte aller Interim-Mandate vergeben werden (Quelle: AIMP)

 

Denn ein Abschmelzen der Kassenbestände ist das Letzte, was deutsche Unternehmen in schwierigen Zeiten wollen. Zumindest war das bisher so.

 

Dann können die Banken das ja finanzieren…

 

Gute Idee, jedoch ist es nicht unbedingt Banken-typisch, in Krisenzeiten leichterhand zusätzliches Geld herauszulegen!

 

Das ändert sich jedoch dann, wenn die Banken in dem einen oder anderen Unternehmen „stark engagiert sind“, und eben dieses „Engagement“ als gefährdet ansehen. Dann werden durchaus Interim ManagerInnen hinzugezogen, um „aufzuräumen“ – aber dann sind wir wieder bei den Restrukturierungsmandaten.

 

Was folgt aus alldem?

Was dann ist zu tun in einer Krise?

 

Hier ist meine ganz persönliche Sicht:

 

(1) Wenn unsere Kunden den Gürtel enger schnallen, dann sollten wir das auch tun: Interim ManagerInnen und Interim Management-Provider. Ich habe diese Meinung schon immer vertreten, weil ich sie überragend simpel ist.

 

(2) Interim Manager werden sich darauf einstellen müssen, dass weniger Anfragen an den Markt kommen. Sie werden akzeptieren müssen, dass sie dies nicht aus eigenen Kräften werden ändern können.

 

(3) Die Auslastung der Interim Manager wird zurückgehen – und damit stellt sich die Frage: „Was mache ich mit dieser freien Zeit?“ Antworten hierauf gibt UNITEDINTERIM in einem Video: „Wie Sie als Interim Manager auf eine wirtschaftliche Schwäche reagieren“.

 

(4) Interim Provider werden ohnehin wissen, was zu tun ist – und (zumindest) drei entscheidende Fragen für die Zukunft beantworten. Ein jeder für sich – und eine allgemeingültige Antwort gibt es wohl nicht:

 

(4.1) Kann ich mich durch meinen Pool vom Wettbewerb differenzieren? Die Antwort lautet „nein“ – zumindest aus meiner Sicht. Meine Meinung habe ich ein meinem Video „Weshalb der eigene Pool kein Wettbewerbsvorteil mehr ist“ im Detail erläutert. Ich muss daher an dieser Stelle nicht mehr darauf eingehen.

 

(4.2) Was werde ich künftig meinen Kunden als Dienstleistung anbieten? Die reine Vermittlung – das Zusammenbringen von Angebot und Nachfrage – hat in einer sich digitalisierenden Welt keine Zukunft. Aus meiner Sicht.

 

(4.3) Wie werde ich schwer austauschbar für meine Kunden? Hier gibt es sicher die meisten Möglichkeiten – z. B. durch Spezialisierung: Technisch („Spezialisten für den 3D-Druck finden Sie nur bei mir“), Linie („Wir sind Ihr Partner für den Einkauf“) oder Branche („Wir verstehen Ihr Pharma-Geschäft) bis zur Region („Unsere Interim Manager wohnen nebenan!“). Vieles mehr ist hier denkbar – ein „Weitermachen wie bisher“ jedoch sicher nicht!

 

„Ach, geh‘! Der Minister der Finsternis wieder! Mit seinen turnusmäßigen Apokalypsen mal wieder!“, höre ich den einen oder anderen aus der Interim-Szene abwinken.

 

Nun, ich denke, diese Nachrichten kann ich nicht mehr übersehen:

 

ZF Friedrichshafen kappt Umsatzprognose um eine Milliarde Euro

 

Gewinn von BMW bricht erwartungsgemäß ein – Prognose bestätigt

 

Immer weniger Aufträge für Deutz

 

„Marktumfeld ist sehr herausfordernd“ – Warum Siemens unter Druck gerät

 

Schwächelnde Autoindustrie bremst Arcelor-Mittal aus

 

Eisenmann ist pleite

 

US-Präsident Trump bricht ein Versprechen und überrascht mit neuen China-Zöllen

 

Selbstverständlich kann man sich auf das Köllsche Grundgesetz §3 zurückziehen: Et hätt noch immer jot jegange!

 

Man kann aber durchaus auch – nach fast einem Wonne-Jahrzehnt mit all seinen einschläfernden Auswirkungen – diese massiven Verwerfungen zur Kenntnis nehmen und sich fragen: Welche Auswirkungen könnten sie haben? Auf die Welt, auf Deutschland, auf mich, auf das Interim-Business.

 

Und dann kann man durchaus diese eine Frage stellen, die 95 Prozent der Szene bestimmt verneinen werden:

 

Ist das

 

die Götterdämmerung des traditionellen Interim-Business?

 

Freitag 26. Juli 2019

HABEN SIE EINE DIGITALE IDENTITÄT – ODER SIND SIE EIN NIEMAND?

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Holzfigur_Keitum_Sylt_2019Ganz selten, aber umso deutlicher spürbar:Ich lese oder höre einen Begriff – und im Hirn hallt ein Schlag nach, als hätte der 600-Kilo-Klöppel die 24 Tonnen des Dicken Pitter mit brachialer Wucht getroffen.

 

Einer der vielen Artikel zur Digitalisierung, den ich gelesen habe. Pflichtlektüre für mich halt.

 

„Digitale Identität“ – so hieß der Begriff in dieser Woche

 

Ich weiß nicht einmal mehr – und ich bitte meine Leser, mir dies nachzusehen –, wo ich diesen Satz gelesen habe:

 

„Die Mehrzahl der Mitarbeiter weiß nicht, wie sie die eigene Digitale Identität aufbaut – geschweige denn, wie sie die eigene Digitale Identität pflegt!

 

Ich erinnere mich auch, dass sich die Personalfachleute darüber beklagt haben, dass Mitarbeiter zu wenig „Lernbereitschaft“ (!) mitbrächten und wieder „lernen müssten zu lernen“.

 

„Digitale Identität“

 

Bisher hatte ich diesen Begriff stets mit einer Art „digitalem Personalausweis“ assoziiert.

 

Jetzt weiß ich, dass zumindest die Personal-Spezialisten unter Digitaler Identität etwas anderes verstehen. Und das kann ich sehr gut nachvollziehen…

 

Personaler verstehen unter „Digitaler Identität“ die Antwort auf die einfache Frage: „Du bist wer in der analogen Welt – aber wer bist Du in der digitalen Welt?“

 

BANNNNGGG!

 

Diese Frage ist so dramatisch einfach – und legt jedoch das ganze Dilemma offen – auch, ja vielleicht besonders, im Interim Management.

Wer bist Du in der digitalen Welt?

 

In der analogen Welt – meine Leser mögen nicht vergessen: in dieser bin ich aufgewachsen! – hat man jemanden, den man kannte, gefragt, wenn man etwas über einen anderen, den man nicht kannte, wissen wollte: „Sag mal, Ferdinand, kennst Du die Brunhilde?“

 

Und Ferdinand antwortete entweder mit einem „Nö!“ oder aber, Ferdinand gab sein Wissen preis:

 

„Ja, dat Brunhilde kenn‘ ich. Dat wohnt inne Kirchgasse 9, gleich neben den Metzger Raukamp. Dat Brunhilde is verheiratet mit den Borschert Paul, den beim Grundig im Lager schafft. Wat man so hört, is die Ehe nich glücklich. Aber dat Brunhilde, dat is ne ganz nette!“

 

Heute würde man womöglich anders vorgehen. Ganz sicher jedoch gehen die Unternehmen anders vor, wenn sie erste Informationen über einen potentiellen Mitarbeiter beschaffen möchten. Oder einen Interim Manager, den sie möglicherweise beauftragen möchten.

 

Sie fragen Google! In unserem Fall: Anführungsstriche oben Brunhilde Boschert Anführungsstriche oben.

 

Und Google spuckt in einer für mich nach wie vor atemberaubenden Geschwindigkeit alles aus, was das Netz über Brunhilde weiß.

 

Gegliedert in aller Regel nach: Alle Informationen, News, Videos und Shopping

 

Oder über potentielle Mitarbeiter.

 

Oder über Interim Manager.

 

Ich gehe stets genauso vor, wenn ein neuer Interim Manager seine Dienstleistung bei UNITEDINTERIM anbieten möchte: Ich gebe seinen Namen bei Google ein…

 

Jetzt müssen wir unterscheiden in Neueinsteiger (ja, ich weiß: Ein Einsteiger ist immer neu…!) und bereits am Markt tätige Interim Manager, die sich für UNITEDINTERIM interessieren.

Neueinsteiger – altersabhängige Verhaltensmuster

 

Machen wir´s kurz: Der eine oder andere wurde mal in einer Pressemitteilung seines Arbeitgebers erwähnt oder im Rahmen einer sonstigen, nach außen gerichteten Tätigkeit wie z. B. einem Vortrag. Darüber hinaus gibt es ein Profil bei XING und/oder bei LinkedIn – als Angestellter. Twitter und YouTube sind typischerweise unbekanntes Terrain – und Facebook (oohhh, Datenschutz!) und Instagram werden, wenn überhaupt, privat genutzt.

 

Ich empfinde das als inzwischen ganz normal und ich kritisiere das in keiner Weise.

 

Auf dieser Grundlage steigen Menschen heute ins Interim Management ein. Ein roßer Teil erkennt, dass diese Basis auf keinen Fall in der digitalen Welt ausreichen kann, um erfolgreich zu sein. Je jünger diese Menschen sind, umso sicherer ist diese Erkenntnis.

 

Sie setzen sich folglich systematisch damit auseinander, wie sie z. B. UNITEDINTERIM, XING, LinkedIn sowie Twitter und YouTube für sich nutzen können. Und sie lernen.

„Alte“ Hasen – Digital Immigrants

 

Der andere Teil, älter, oftmals Menschen, die kurz vor 60 das Unternehmen verlassen haben, erkennt das spürbar weniger – und stellt damit seine „zweiten Karriere“ von Tag eins an auf wackeligen Boden!

 

Digital Immigrants werden in der Szene als „vor 1980 geboren“ eingeordnet. Die jüngste Interim Managerin bei UNITEDINTERIM wurde 1979 geboren, der zweitjüngste 1977. Somit zählen ausnahmslos alle (!) Interim ManagerInnen bei UNITEDINTERIM zu den Digital Immigrants.

 

Der Vollständigkeit halber: Die größte Gruppe bei UNITEDINTERIM wurde zwischen 1956 und 1966 geboren – ich im Übrigen auch (1957) – also 14 bis 24 Jahre vor 1980! Und sie hat dennoch den Weg in die Digitale Welt gefunden! Respekt!

 

Viele andere haben das nicht! Viele dieser anderen gehören zur „Brauche-mer-net!“-Fraktion.

 

Ich kann das durchaus nachvollziehen, wenn Sie zu meinem Jahrgang gehören und sagen: „Das tue ich mir nicht mehr an! Ich mach nicht mehr lange, dann hör´ ich ohnehin auf – und bis dahin werde ich schon noch das eine oder andere Mandat über mein Netzwerk erhalten!“

 

Das ist nachvollziehbar und ehrlich und ist deshalb völlig in Ordnung – auch, wenn ich vollkommen anders drauf bin…

 

Nicht nachvollziehbar ist es, wenn ich noch fünf bis 10 Jahre vor mir habe (ich halte ganz persönlich ein Rentenalter von 70 Jahren für völlig realistisch): Dann muss ich mich mit diesen Dingen beschäftigen! Denn – Achtung (!) – meine Kunden tun es auch.

 

Und meine potentiellen Kunden werden sich über mich im Internet informieren: Oder glauben Sie tatsächlich, dass ein Kunde Ihren Lebenslauf auf dem Tisch hat – über welchen Kanal auch immer – und das war´s dann?

 

Im Leben nicht!

 

Sie können mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unterstellen, dass „Sie gegoogelt werden“!

 

Was nun wird dieser potentielle Kunde an weitergehenden und ihn weiterbringenden Informationen über Sie finden?

 

Blogbeiträge, Fachbeiträge, Videos und vielleicht Bilder – so wie die Bilder, die ich hier für meinen Freitag-Blog mache? Was übrigens auch Zeit und Geld kostet – und für alle, die dies möglicherweise verdrängen möchten: Allein für die Investitionen in meine Ausrüstung könnte ich UNITEDINTERIM über 25 Jahre lang nutzen…

 

Versetzen Sie sich mal in die Rolle Ihres potentiellen Kunden – nur spielerisch. Nur zum Spaß – und ohne dass es ein Dritter mitbekommt ….

 

Googeln Sie sich mal selbst! Was zeigt Ihnen Google dann als Ergebnis? Und wie ordnen Sie dieses Ergebnis für sich ganz persönlich ein?

 

Haben Sie eine Digitale Identität oder sind Sie ein Niemand?

 

Freitag 19. Juli 2019

ICH HEISS‘ JAMES: SCHENK NOCH MAL EIN!

Inte-rim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Chat_Sauvage_Assmannshauser_Hoellenberg_vor_Sylt_von_Gaetano_GrossMein Gegenüber ist ein seltener, dafür umso mehr geschätzter Gast. Die üppige Mähne inzwischen weiß: Ex-CEO eines 10 Mrd. Euro Unternehmens und erfahrener Aufsichtsrat. Irgendwer hatte ihm mal eine „schwierige Benutzeroberfläche“ attestiert.

 

Ich kenne ihn als eckig, kantig und ehrlich. Eine Gemengelage, die ich sehr schätze.

 

Den Chat Sauvage Pinot Noir, Assmannshäuser Höllenberg, serviere ich sicher nicht jedem. Ihm schon.

 

„Ich hätte nicht gedacht, dass der Rheingau derart gute Rote hervorbringt!“, beginnt mein Gast diesen denkwürdigen Abend.

 

„Hab‘ ich mir auch mal nicht vorstellen können!“

 

„Sie haben sich so manches nicht vorstellen können, Herr Becker…“

 

„Ich empfange Signale, die auf eine unterschwellige Kritik hindeuten könnten…“

 

„Nicht unbedingt, Herr Becker. Aber es ist halt so: Sie sind noch immer Ihren Mitmenschen Jahre voraus. Und Sie denken noch immer, das sei normal – und dass die Ihnen alle gutgelaunt folgen!“

 

„Oh, nein, das denke ich längst nicht mehr!“

 

„Ach ja?“

 

„Ja, ich habe über lange Jahre gelernt, dass ich viele Menschen erschrecke – und deshalb nehme ich mich viel mehr zurück…“

 

„Ach ja? Ich denke, Sie machen sich da etwas vor.“

 

„Mhm… Worauf gründet Ihre Einschätzung?“

 

„Nun schauen Sie: Sie sprechen mit einer entwaffnenden Selbstverständlichkeit von General Interest Plattformen und von Special Interest Plattformen. Und Ihr Partner schreibt ellenlang dazu. Und obendrein liefern Sie Videos über vertikale und horizontale, offene und geschlossene Plattformen – und was weiß ich noch!“

 

„Ja, so heißen die Dinge nun mal – und das ist leider Gottes die unterliegende Logik!“

Die Masse versteht Sie nicht!

 

„Richtig! Aber leider Gottes versteht Sie die Masse nicht. Ich behaupte, die weit überwiegende Mehrzahl der Interim Manager weiß nicht, wie eine Plattform funktioniert. Und ich bin mir sicher: Die allermeisten können den Begriff „Plattform-Ökonomie“ nicht einmal richtig einordnen.“

 

„Ich glaube, ich hole uns noch eine Flasche…“

 

„Gern!“

 

….

 

„Um auf Ihren Punkt von vorhin zurückzukommen: Das ist aber durchaus ein sehr kritisches Urteil, das Sie da abgeben!“

 

„Wenn ich so auf mein Berufsleben zurückschaue und auch darauf, wie wir an die Interim Manager gekommen sind: Denken Sie nur an Herrn [Name gestrichen]. Das waren ganz überwiegend gute Leute. Aber wenn Sie sich mal anschauen, wie die an ihre Mandate gekommen sind: Alles faule Säcke! Warten darauf, dass ich anrufe! Oder sonst wer: ein rein opportunistisches Verhalten.“

 

„Meinen Sie wirklich?“

 

„Na, nun tun Sie doch nicht so! Damals wie heute: Die allermeisten Interim Manager warten darauf, dass irgendjemand anruft: Einer aus dem eigenen Netzwerk so wie ich vielleicht oder aber ein Provider. Dass die zweite Option dann teuer wird, spielt keine Rolle. Natürlich nicht, wenn Du sonst kein Projekt bekommst!“

 

„Das ist einer der Gründe, weshalb wir UNITEDINTERIM aufgebaut haben.“

 

„Klar, Ihre offene, vertikale, Special Interest Plattform! – Großartig!“

 

„Nicht großartig?!“

 

„Ich denke nicht. Denn Sie unterstellen, dass bequeme Opportunisten sich hier herausfordern lassen. Ich denke, da irren Sie gewaltig!“

Die Zeiten des opportunistischen Vertriebs sind vorbei!

 

„Meinen Sie wirklich?!“

 

„Absolut. Ist viel zu aufwendig, wenn Du darauf geeicht bist, Deine eigene Vergangenheit zu vermarkten – was ich keineswegs entwerten möchte. Jedoch verstehen die allermeisten Interim Manager nicht, dass sie sich auf einer Plattform nicht bloß zurücklehnen und abwarten können, wenn es – read my lips – darum geht, seine eigene digitale Identität aufzubauen. Sie verstehen nicht, dass auf einer Plattform die Zeiten des opportunistischen Vertriebs vorbei sind. Nicht nur auf einer Plattform übrigens.“

 

„Stimmt!“

 

„Zudem: Alle Interessengruppen kolportieren seit Jahren mit schöner Regelmäßigkeit und Presse-unterstützt, dass das Interim-Business wachse und weiterhin stark wachsen werde. Wenn es denn dann tatsächlich so sein sollte, wird damit zwingend ein härterer Wettbewerb einhergehen! Das ist kleines VWL-Einmaleins – wird jedoch vollkommen ausgeblendet!“

 

„Stimmt! Ich habe mal geschrieben „Weitermachen wie bisher ist nicht mehr!

 

„Genau das aber hat die Mehrzahl der Interim Manager nicht erkannt. Also müssen Sie denen helfen, dies zu erkennen…“

 

„Eine heroische Aufgabe!“

 

„Sicher. Aber mit Ihrem intellektuellen Ansatz wird das ganz sicher noch schwerer!“

 

„Es hätte so ein schöner Abend werden können…! Aber im Ernst: Haben Sie einen Rat für mich?“

 

Er: Schweigt und nimmt einen Schluck Wein.

 

Ich: Schweige. Mein Schluck ist größer…

 

„Ihr krass neuer Ansatz ist völlig richtig. Aber eben auch völlig neu – und hier liegt ein großes Problem! Denn weil Ihr Ansatz so neu ist,  wird er von vielen nicht verstanden, die in dieser Welt noch nicht zuhause sind.“

 

„Stimmt leider! Verblüffend viele ordnen uns als Provider ein. Nichts könnte falscher sein!“

 

„Sehen Sie?! Gehen Sie deshalb sprachlich in die Welt, die den Menschen vertraut ist und suchen Sie dort nach vertrauten Bildern!“

 

„Zum Beispiel?“

 

„UNITEDINTERIM ist ein Shopping Center!”

 

“Ein Shopping Center?”

 

“Ein Shopping Center für das Interim-Business!“

 

Ich muss Zeit gewinnen – und greife – eine Übersprunghandlung? – erneut zu meinem Glas.

 

„Meinen Sie wirklich?“

 

„Schauen Sie sich doch mal ein Shopping Center in der analogen Welt an: Hier bieten die unterschiedlichsten Dienstleister an. Bei UNITEDINTERIM ist das auch so.“

 

„Stimmt: Interim Manager und Managerinnen, Sixt, forma interim, Creditreform, Assecon, Flexpayment…“

 

„All die, die Sie jetzt genannt haben, mieten eigene Ladenflächen bei Ihnen und bieten ihre Dienstleistungen – Obacht! Später kommen vielleicht noch Waren hinzu – allen Interessenten an, die das Shopping Center betreten. Die Interessenten entscheiden dann, wo sie was und wann kaufen. Darauf haben Sie keinen Einfluss.“

 

„Richtig. Unsere Hauptaufgabe ist es stattdessen, möglichst viel Interessenten anzuziehen!“

 

„Korrekt. In Ihrer Welt heißt das Traffic. Und deshalb bewerben Sie das Shopping Center auf Teufel komm raus. Inzwischen wohl deutlich sichtbar.“

 

„Stimmt: Über Twitter, Xing, LinkedIn und YouTube! Hinzu kommt der SEO-Aufwand, den wir betreiben.“

 

„Und künftig machen Sie vielleicht noch mehr: Events, Sonderangebote oder Kochkurse – alles im übertragenen Sinne natürlich.“

 

„Tatsächlich diskutieren wir so etwas in der Art…“

 

„In diesem Bild kommen Sie übrigens zwingend weg vom Provisionsmodell – obwohl Sie das in späterer Zukunft noch draufsatteln könnten. Ebenso, wie Sie WKZs verlangen könnten. Da ist noch jede Menge drin. Aber jetzt, jetzt muss jeder, der Verkaufsfläche im Shopping Center haben möchte, halt einen Laden mieten. Dafür haben Sie im Vorfeld und allein die Baukosten für das komplette Shopping Center getragen und jetzt tragen Sie die kompletten Betriebskosten.“

 

„Und das nicht zu knapp!“

 

„Sie werden auch nicht jeden in Ihr Shopping Center ‘reinlassen. Wer nicht dem Gesamtkonzept entspricht, bleibt sicher draußen – selbst, wenn er die Miete zahlen wird.“

 

„Das ist unsere Qualitätssicherung!“

 

„Und auf der anderen Seite werden Sie nicht jeden Interim Manager und jede Interim Managerin als Kunden gewinnen können: Einige werden weiterhin aufs Klinkenputzen setzen, andere werden weiter verzweifelt darauf warten, dass jemand anruft und wieder andere werden ihre Dienstleistung über einen Bahnhofskiosk in Pusemuckel anbieten.“

 

Ein letzter Schluck steht zwischen mir und der krachenden Erkenntnis.

 

„Donnerwetter! Das passt!“

 

„Sehen Sie!“

 

Ich schweige. Wir halten den Blickkontakt, greifen zu den Gläsern und stoßen an.

 

„Ich heiß‘ James: Schenk noch mal ein…!“

 

Freitag 12. Juli 2019

ALLE ANDEREN SIND HIER NICHT GUT AUFGEHOBEN!

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Katze_doesend_Vernazza_2018Gesten war ein historischer Tag für mich ganz persönlich: Nichts Weltbewegendes – aber immerhin!

 

Ich habe erstmals an einem Tag drei Videokonferenzen über Skype geführt – davon zwei mit Interim Managern, die bei UNITEDINTERIM mitmachen möchten. Insgesamt zweieinhalb Stunden.

 

Ich setze inzwischen stark auf Skype-Konferenzen und meide das Telefon – und hierfür gibt es im Wesentlichen vier Gründe:

 

(1) Eine Skype-Konferenz ist ein hochgradig kosteneffizienter Kommunikations-Weg – auch und gerade im Interim-Business.

 

(2) In einer Skype-Konferenz kann ich meinen Bildschirm mit meinem Gegenüber teilen und auf diese Weise einfach Dinge zeigen – was ich im Telefonat nicht kann: „Sind Sie gerade online?“ „Nö! Bin doch am Telefon…“

 

(3) In einer Skype-Konferenz bekommen beide Seiten einen recht guten Eindruck vom jeweiligen Gegenüber. Unter den Überschriften „People´s Business“ und „Chemie“ kommen beide somit einen erheblichen Schritt weiter. Mehr bringt ein persönliches Erst-Gespräch auch nicht – abgesehen davon, dass wir gemeinsam Standard-Kekse knabbern.

 

(4) Interim Manager und weitere potentielle Geschäftspartner, die kein Skype-Account haben (oder von mir aus slack oder Google-Hangouts), rutschen auf der nach unten offenen Eignungs-Skala spürbar ab. Wenn dann auch noch die Bereitschaft fehlt, schnell ein solches Account zu eröffnen (eine 3 Minuten-Übung), dessen Eignung für UNITEDINTERIM ist praktisch gleich Null.

 

He, Du arrogante Socke! Schlecht drauf?!

 

Nein, keineswegs!

 

Inzwischen ist mir allerdings überdeutlich klar geworden, dass ich weder mich, noch UNITEDINTERIM am kleinsten gemeinsamen Nenner ausrichten kann.

 

Wer die modernen Tools jetzt nicht beherrscht, wird sich bereits jetzt schwerer tun als nötig.

 

Wer aber jetzt nicht bereit ist, sich den neuen Tools zu öffnen – vulgo zu lernen – gibt sich und damit seine Zukunftsfähigkeit auf.

 

Quatsch, Becker!

51% sind nicht fit für die Digitale Welt

 

Ich denke nicht. Erst gestern las ich einen Bericht in der Welt (der leider jetzt Abo-pflichtig ist), dass die deutschen Unternehmen 51% ihrer Mitarbeiter als nicht fit für das Arbeiten in einem digitalen Umfeld ansehen. Und dass aus der Sicht der Unternehmen, die Menschen das Lernen verlernt hätten und deshalb zunächst einmal wieder Lernen lernen müssten. Ups!

 

Ich vermute mal stark, dass das in der Interim-Welt, deren Protagonisten eher der zweiten Lebenshälfte zuzuordnen sind, nicht unbedingt besser sein wird.

 

Gleichzeitig wird berichtet [Auf innovativen Wegen zu neuen Mitarbeitern], dass Unternehmen im Recruiting verstärkt auf – Achtung! – Skype-Interviews und – nochmal Achtung ! – auf zeitversetzte Videos setzen: Bewerber, nennen wir sie Interessenten, erhalten ein paar Fragen und müssen sie im Rahmen eines kleinen Videos beantworten:

 

Weiter im Bewerbungsprozess erfährt auch das Video-Vorstellungsgespräch eine Neuerung: Anders als das traditionelle Skype-Interview, das bereits von 50 Prozent der befragten Bewerber und 45 Prozent der Unternehmen angewandt und live durchgeführt wird, geht die Tendenz neuerdings zum aufgenommenen Bewerbungsgespräch per Video hin. Hierbei wird eine Reihe von Fragen an den Bewerber weitergeleitet, die er per Video beantworten soll. Rund sechs Prozent der Unternehmen nutzen schon diese Methode.

 

Wie ich lese, tun sich mit letzterem die Bewerber noch schwer. Noch …!

 

Aber, Becker, Du weißt doch: Überall wird sich das in diese Richtung entwickeln – aber nicht im Interim-Business…

 

Und genau das, meine Leser wissen das, glaube ich eben nie und nimmer!

 

Das haben die drei Konferenzen gestern glashart untermauert.

 

Möchten Sie wissen, auf welche Weise?

 

Nur einer in den drei Videokonferenzen war mit seinen 39 Jahren deutlich unter 50. Einer war über 50, einer 60 und ich halt, als Grufti, 62.

 

Daraus können wir folgern, dass es in der bisher typischen Altersgruppe der Interim Manager (50 bis 70) durchaus Menschen gibt, die auf den neuen Wege mitgehen können.

 

Auf die gilt es sich zu konzentrieren. Auf die werde ich mich, wird sich UNITEDINTERIM konzentrieren

 

Alle anderen sind hier nicht gut aufgehoben!

 

Freitag 05. Juli 2019

MIT ALTEM MÖRTEL BAUT MAN KEIN NEUES HAUS!

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Hausfassade_Westerland/Sylt_2019Vor ein paar Tagen habe ich bei Facebook gepostet: „Mein Leben hat sich dramatisch verändert…!“

 

Ich poste privat meine Fotos bei Facebook, für MANATNET ganz überwiegen meine Blogbeiträge und für UNITEDINTERIM rein gar nichts. Die EuGH-Entscheidung, dass wir für Datenschutz-Verletzungen Dritter haften sollen, hat dafür den Ausschlag gegeben.

 

„Mein Leben hat sich dramatisch verändert…!“

 

Anlass für diese Erkenntnis war, dass ich den seinerzeitigen Tag praktisch mit dem „Postprocessing“ von Videos für den YouTube-Kanal von UNITEDINTERIM verbracht hatte.

 

Nun ist es so, dass ich vor einem halben Jahr davon nicht den Schimmer einer Ahnung hatte…

 

Wie so oft, habe ich mich halt reingebuddelt.

 

Ich möchte nicht sagen, dass ich nun das Thema beherrsche, jedoch bin ich jetzt fitter in diesem Thema als viele andere – ganz sicher fitter als wohl alle meine „Peers“. Dennoch habe ich weiterhin von vielem keine Ahnung.

 

Und mir wird das auch bedauerlicherweise regelmäßig vor Augen geführt. Und regelmäßig versuche ich, den Grad meines „Nicht-Wissens“ zu reduzieren. Zumindest ein wenig – auch, wenn das recht viel Zeit kostet! Aber wenn ich als „Wissensarbeiter“ nicht hier, nicht in mein Hirn, investiere: Wo denn bitte dann…?

 

So habe ich mir am Mittwoch, dank des Hinweises in dem tollen Blogbeitrag von Dr. Bodo Antonic [„Künstliche Intelligenz – Künstliche Verblödung“], einen Vortrag von Prof. Dr. Markus Gabriel angesehen: „Was ist eigentlich eine Künstliche Intelligenz?

 

Ein Video eines Philosophie-Professors! Ich! Knapp eine Stunde, wenn ich die Begrüßung mitrechne! Ja tatsächlich!

Wir können nicht mehr alles wissen!

 

Dieser Vortrag hat mir recht krass vor Augen geführt, wie wenig ich weiß – und mir den Tag ruiniert! Mehrfach habe ich mich während des Vortrags von Prof. Gabriel gefragt:

 

„Könntest Du das jetzt auch so machen?“

 

Ausnahmslos lautete meine Antwort, kleinlaut, wenn auch ehrlich: „Nein!“

 

Ich denke inzwischen, dass wir Menschen dieses „Weiß ich nicht!“ nicht mehr loswerden werden – zumindest, wenn wir ehrlich gegenüber uns selbst sind.

 

Eine fatale Geschichte für die Interim-Welt, die im Selbstverständnis alles weiß – befeuert von Ritter-, Retter-, Feuerwehr-Bildern in der Presse. Zumindest besser als ihre Kunden in den Unternehmen.

 

Nicht, dass wir uns missverstehen: Es gibt viele Asse in der Interim-Szene – und ich kenne durchaus eine nennenswerte Anzahl dieser Leute.

 

Aber, ich habe doch öfter als mir lieb ist den Eindruck, dass es Interim Manager gibt, die erstaunlich wenig über ihre eigene Situation reflektieren.

 

Ich habe öfter als mir lieb ist den Eindruck, dass solche Interim Manager der Meinung sind, sie könnten ihr Wissen von vor 5 Jahren dauerhaft (teuer) am Markt verkaufen.

 

Ich habe öfter als mir lieb ist den Eindruck, dass solche Interim Manager – vollkommen entspannt – der Meinung sind, dass sie ohne massive Weiterbildung zukunftsfähig bleiben werden. Und ich meine „massiv“…

 

Mal ehrlich: In einer Welt, die sich derart dramatisch ändert – nennen wir nur beispielhaft die Themen Klima, Automobil, Additive Fertigung (3D-Druck) und Robotik: Wie kann man da als Interim Manager auch nur im Ansatz glauben, ein „Weitermachen wie bisher“ reichte aus, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

 

Wie können Interim Manager diese Lücke schließen, wenn sie nicht – wie fest angestellte Manager – vom arbeitgebenden Unternehmen und auf dessen Kosten regelmäßig und als Pflichtveranstaltung weitergebildet werden?

 

Ganz einfach: Die Interim ManagerInnen müssen das selbst tun. Und – Achtung! – sie müssen das auch noch auf eigene Kosten tun! Ein für erstaunlich viele Interim Manager hochgradig irritierender Gedanke…

 

Vielleicht erklärt es sich dadurch, dass Weiterbildungsprogramme für Interim Manager außerhalb der EBS kaum mit dem Elektronen-Mikroskop zu finden sind – und dass auch die EBS seit Jahren nicht unter einer Flut von Anmeldungen zusammenbricht.

 

Wenn ich aus meiner ganz persönlichen Sicht auf diese Zeiten schaue, dann – man möge mir das verzeihen! – habe ich den Eindruck, dass mehr Interim Manager dabei sind, den Anschluss zu verlieren als man glauben mag.

Ein Test in der digitalen Welt

 

Gehen Sie mit mir mal in die digitale Welt und fragen Sie einmal:

 

Wer nutzt aktiv Xing – und wartet dort nicht nur opportunistisch auf eine Kontaktaufnahme?

 

Wer nutzt aktiv LinkedIn – und wartet dort nicht nur opportunistisch auf eine Ansprache?

 

Wer nutzt aktiv UNITEDINTERIM – und wartet selbst dort nicht nur opportunistisch auf eine Projektanfrage?

 

Wer hat eine eigene Website – und füttert sie laufend mit „relevantem Content“ und analysiert dann, wie sie sich im Wettbewerb schlägt?

 

Wer hat ein Account bei Twitter – und twittert tatsächlich Zielgruppen-relevante Informationen und nicht nur Kaffee-Tassen mit einem gutgelaunten „Guten Morgen“?

 

Wer schreibt ein Blog – regelmäßig, mindestens monatlich?

 

Wer hat auch nur ein einziges Video bei YouTube veröffentlicht?

 

Lassen Sie das mal sacken!

 

Und dann fragen Sie sich, ob es das ist, was Sie ganz persönlich von „Ritter-, Retter- und Feuerwehr“-Jungs und Madeln aus der ersten Reihe erwarten. Oder, weniger presse-bombastisch: Von „Machern“, „Leadern“ oder – auf den Punkt gebracht – von professionelle Interim ManagerInnen…

 

Ich denke ganz persönlich: Wer nicht mindestens fünf dieser Fragen mit einem „Aber sicher!“ beantwortet, wird massive Schwierigkeiten bekommen.

 

Und Instagram sowie Snapchat habe ich nicht einmal angesprochen – TikTok auch nicht.

 

Ebenso wenig wie Raphael Knuths „Wie kann ich mich als Interim Manager digital transformieren?

 

Es gibt Interim Manager, die sagen mir offen: „Herr Becker, davon habe ich keine Ahnung!“ Ich respektiere solche Menschen zutiefst – und versuche, ihnen zu helfen.

 

Und es gibt andere. Die sind mit einem unerschütterlichen Selbstbild gesegnet und haben auf so gut wie alle diese Fragen zwei stereotype Antworten:

 

(1) „Das mag ja alles richtig und wichtig sein: Aber ich als Interim Manager brauche das alles nicht!“

 

(2) „Ich muss das alles nicht machen, denn ich habe mein persönliches Netzwerk, das mich trägt!“

 

Ich frage mich dann jedes Mal: Wenn dann das persönliche Netzwerk diese Interim Manager tatsächlich zum Kunden gespült hat, was passiert dann?

 

Was passiert, wenn ihnen dann ein neugieriger Mensch gegenübersitzt. Vielleicht gar so einer wie ich – wohl mit das Schlimmste, was passieren könnte…

 

Und der sie dann zum Beispiel so ins Gespräch einsteigt:

 

„Wissen Sie, wir haben zwei große Problemfelder:

 

Unser Service ist nicht mehr zeitgemäß: Wir denken deshalb daran, neue Wege zu gehen – z. B. an einen eigenen Twitter-Kanal als Service-Line für unsere Kunden und an Chatbots.

 

Und dann: Wir brauchen dringend neue Kunden – aber wir erreichen nicht mehr alle unsere Zielgruppen. Hierzu gehören die jungen Leute der Generation Y und Z. Es sieht so aus, als brächen uns die Kunden weg: Ganz schlimm!

 

Mal so ganz grundsätzlich: Wie denken Sie darüber?“

 

Möglicherweise ist das Gespräch dann ganz schnell zu Ende!

 

Und der Kunde sagt mir dann im Feedbackgespräch: „Wissen Sie, Herr Becker, nach 10 Minuten war klar: Der isses nicht! Da war klar, ich würde unser Gespräch exakt nach einer halben Stunde beenden und bis dahin Allgemeinplätze austauschen. Aber auch nur aus Höflichkeit!“

 

Deshalb – und, auch wenn ich mich zigmal wiederhole [„Interim Manager – werdet endlich neugierig!“]:

 

Zukunft baut man nicht mit altem Mörtel!