Freitag 19. Juli 2019

ICH HEISS‘ JAMES: SCHENK NOCH MAL EIN!

Inte-rim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Chat_Sauvage_Assmannshauser_Hoellenberg_vor_Sylt_von_Gaetano_GrossMein Gegenüber ist ein seltener, dafür umso mehr geschätzter Gast. Die üppige Mähne inzwischen weiß: Ex-CEO eines 10 Mrd. Euro Unternehmens und erfahrener Aufsichtsrat. Irgendwer hatte ihm mal eine „schwierige Benutzeroberfläche“ attestiert.

 

Ich kenne ihn als eckig, kantig und ehrlich. Eine Gemengelage, die ich sehr schätze.

 

Den Chat Sauvage Pinot Noir, Assmannshäuser Höllenberg, serviere ich sicher nicht jedem. Ihm schon.

 

„Ich hätte nicht gedacht, dass der Rheingau derart gute Rote hervorbringt!“, beginnt mein Gast diesen denkwürdigen Abend.

 

„Hab‘ ich mir auch mal nicht vorstellen können!“

 

„Sie haben sich so manches nicht vorstellen können, Herr Becker…“

 

„Ich empfange Signale, die auf eine unterschwellige Kritik hindeuten könnten…“

 

„Nicht unbedingt, Herr Becker. Aber es ist halt so: Sie sind noch immer Ihren Mitmenschen Jahre voraus. Und Sie denken noch immer, das sei normal – und dass die Ihnen alle gutgelaunt folgen!“

 

„Oh, nein, das denke ich längst nicht mehr!“

 

„Ach ja?“

 

„Ja, ich habe über lange Jahre gelernt, dass ich viele Menschen erschrecke – und deshalb nehme ich mich viel mehr zurück…“

 

„Ach ja? Ich denke, Sie machen sich da etwas vor.“

 

„Mhm… Worauf gründet Ihre Einschätzung?“

 

„Nun schauen Sie: Sie sprechen mit einer entwaffnenden Selbstverständlichkeit von General Interest Plattformen und von Special Interest Plattformen. Und Ihr Partner schreibt ellenlang dazu. Und obendrein liefern Sie Videos über vertikale und horizontale, offene und geschlossene Plattformen – und was weiß ich noch!“

 

„Ja, so heißen die Dinge nun mal – und das ist leider Gottes die unterliegende Logik!“

Die Masse versteht Sie nicht!

 

„Richtig! Aber leider Gottes versteht Sie die Masse nicht. Ich behaupte, die weit überwiegende Mehrzahl der Interim Manager weiß nicht, wie eine Plattform funktioniert. Und ich bin mir sicher: Die allermeisten können den Begriff „Plattform-Ökonomie“ nicht einmal richtig einordnen.“

 

„Ich glaube, ich hole uns noch eine Flasche…“

 

„Gern!“

 

….

 

„Um auf Ihren Punkt von vorhin zurückzukommen: Das ist aber durchaus ein sehr kritisches Urteil, das Sie da abgeben!“

 

„Wenn ich so auf mein Berufsleben zurückschaue und auch darauf, wie wir an die Interim Manager gekommen sind: Denken Sie nur an Herrn [Name gestrichen]. Das waren ganz überwiegend gute Leute. Aber wenn Sie sich mal anschauen, wie die an ihre Mandate gekommen sind: Alles faule Säcke! Warten darauf, dass ich anrufe! Oder sonst wer: ein rein opportunistisches Verhalten.“

 

„Meinen Sie wirklich?“

 

„Na, nun tun Sie doch nicht so! Damals wie heute: Die allermeisten Interim Manager warten darauf, dass irgendjemand anruft: Einer aus dem eigenen Netzwerk so wie ich vielleicht oder aber ein Provider. Dass die zweite Option dann teuer wird, spielt keine Rolle. Natürlich nicht, wenn Du sonst kein Projekt bekommst!“

 

„Das ist einer der Gründe, weshalb wir UNITEDINTERIM aufgebaut haben.“

 

„Klar, Ihre offene, vertikale, Special Interest Plattform! – Großartig!“

 

„Nicht großartig?!“

 

„Ich denke nicht. Denn Sie unterstellen, dass bequeme Opportunisten sich hier herausfordern lassen. Ich denke, da irren Sie gewaltig!“

Die Zeiten des opportunistischen Vertriebs sind vorbei!

 

„Meinen Sie wirklich?!“

 

„Absolut. Ist viel zu aufwendig, wenn Du darauf geeicht bist, Deine eigene Vergangenheit zu vermarkten – was ich keineswegs entwerten möchte. Jedoch verstehen die allermeisten Interim Manager nicht, dass sie sich auf einer Plattform nicht bloß zurücklehnen und abwarten können, wenn es – read my lips – darum geht, seine eigene digitale Identität aufzubauen. Sie verstehen nicht, dass auf einer Plattform die Zeiten des opportunistischen Vertriebs vorbei sind. Nicht nur auf einer Plattform übrigens.“

 

„Stimmt!“

 

„Zudem: Alle Interessengruppen kolportieren seit Jahren mit schöner Regelmäßigkeit und Presse-unterstützt, dass das Interim-Business wachse und weiterhin stark wachsen werde. Wenn es denn dann tatsächlich so sein sollte, wird damit zwingend ein härterer Wettbewerb einhergehen! Das ist kleines VWL-Einmaleins – wird jedoch vollkommen ausgeblendet!“

 

„Stimmt! Ich habe mal geschrieben „Weitermachen wie bisher ist nicht mehr!

 

„Genau das aber hat die Mehrzahl der Interim Manager nicht erkannt. Also müssen Sie denen helfen, dies zu erkennen…“

 

„Eine heroische Aufgabe!“

 

„Sicher. Aber mit Ihrem intellektuellen Ansatz wird das ganz sicher noch schwerer!“

 

„Es hätte so ein schöner Abend werden können…! Aber im Ernst: Haben Sie einen Rat für mich?“

 

Er: Schweigt und nimmt einen Schluck Wein.

 

Ich: Schweige. Mein Schluck ist größer…

 

„Ihr krass neuer Ansatz ist völlig richtig. Aber eben auch völlig neu – und hier liegt ein großes Problem! Denn weil Ihr Ansatz so neu ist,  wird er von vielen nicht verstanden, die in dieser Welt noch nicht zuhause sind.“

 

„Stimmt leider! Verblüffend viele ordnen uns als Provider ein. Nichts könnte falscher sein!“

 

„Sehen Sie?! Gehen Sie deshalb sprachlich in die Welt, die den Menschen vertraut ist und suchen Sie dort nach vertrauten Bildern!“

 

„Zum Beispiel?“

 

„UNITEDINTERIM ist ein Shopping Center!”

 

“Ein Shopping Center?”

 

“Ein Shopping Center für das Interim-Business!“

 

Ich muss Zeit gewinnen – und greife – eine Übersprunghandlung? – erneut zu meinem Glas.

 

„Meinen Sie wirklich?“

 

„Schauen Sie sich doch mal ein Shopping Center in der analogen Welt an: Hier bieten die unterschiedlichsten Dienstleister an. Bei UNITEDINTERIM ist das auch so.“

 

„Stimmt: Interim Manager und Managerinnen, Sixt, forma interim, Creditreform, Assecon, Flexpayment…“

 

„All die, die Sie jetzt genannt haben, mieten eigene Ladenflächen bei Ihnen und bieten ihre Dienstleistungen – Obacht! Später kommen vielleicht noch Waren hinzu – allen Interessenten an, die das Shopping Center betreten. Die Interessenten entscheiden dann, wo sie was und wann kaufen. Darauf haben Sie keinen Einfluss.“

 

„Richtig. Unsere Hauptaufgabe ist es stattdessen, möglichst viel Interessenten anzuziehen!“

 

„Korrekt. In Ihrer Welt heißt das Traffic. Und deshalb bewerben Sie das Shopping Center auf Teufel komm raus. Inzwischen wohl deutlich sichtbar.“

 

„Stimmt: Über Twitter, Xing, LinkedIn und YouTube! Hinzu kommt der SEO-Aufwand, den wir betreiben.“

 

„Und künftig machen Sie vielleicht noch mehr: Events, Sonderangebote oder Kochkurse – alles im übertragenen Sinne natürlich.“

 

„Tatsächlich diskutieren wir so etwas in der Art…“

 

„In diesem Bild kommen Sie übrigens zwingend weg vom Provisionsmodell – obwohl Sie das in späterer Zukunft noch draufsatteln könnten. Ebenso, wie Sie WKZs verlangen könnten. Da ist noch jede Menge drin. Aber jetzt, jetzt muss jeder, der Verkaufsfläche im Shopping Center haben möchte, halt einen Laden mieten. Dafür haben Sie im Vorfeld und allein die Baukosten für das komplette Shopping Center getragen und jetzt tragen Sie die kompletten Betriebskosten.“

 

„Und das nicht zu knapp!“

 

„Sie werden auch nicht jeden in Ihr Shopping Center ‘reinlassen. Wer nicht dem Gesamtkonzept entspricht, bleibt sicher draußen – selbst, wenn er die Miete zahlen wird.“

 

„Das ist unsere Qualitätssicherung!“

 

„Und auf der anderen Seite werden Sie nicht jeden Interim Manager und jede Interim Managerin als Kunden gewinnen können: Einige werden weiterhin aufs Klinkenputzen setzen, andere werden weiter verzweifelt darauf warten, dass jemand anruft und wieder andere werden ihre Dienstleistung über einen Bahnhofskiosk in Pusemuckel anbieten.“

 

Ein letzter Schluck steht zwischen mir und der krachenden Erkenntnis.

 

„Donnerwetter! Das passt!“

 

„Sehen Sie!“

 

Ich schweige. Wir halten den Blickkontakt, greifen zu den Gläsern und stoßen an.

 

„Ich heiß‘ James: Schenk noch mal ein…!“

 

Freitag 12. Juli 2019

ALLE ANDEREN SIND HIER NICHT GUT AUFGEHOBEN!

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Katze_doesend_Vernazza_2018Gesten war ein historischer Tag für mich ganz persönlich: Nichts Weltbewegendes – aber immerhin!

 

Ich habe erstmals an einem Tag drei Videokonferenzen über Skype geführt – davon zwei mit Interim Managern, die bei UNITEDINTERIM mitmachen möchten. Insgesamt zweieinhalb Stunden.

 

Ich setze inzwischen stark auf Skype-Konferenzen und meide das Telefon – und hierfür gibt es im Wesentlichen vier Gründe:

 

(1) Eine Skype-Konferenz ist ein hochgradig kosteneffizienter Kommunikations-Weg – auch und gerade im Interim-Business.

 

(2) In einer Skype-Konferenz kann ich meinen Bildschirm mit meinem Gegenüber teilen und auf diese Weise einfach Dinge zeigen – was ich im Telefonat nicht kann: „Sind Sie gerade online?“ „Nö! Bin doch am Telefon…“

 

(3) In einer Skype-Konferenz bekommen beide Seiten einen recht guten Eindruck vom jeweiligen Gegenüber. Unter den Überschriften „People´s Business“ und „Chemie“ kommen beide somit einen erheblichen Schritt weiter. Mehr bringt ein persönliches Erst-Gespräch auch nicht – abgesehen davon, dass wir gemeinsam Standard-Kekse knabbern.

 

(4) Interim Manager und weitere potentielle Geschäftspartner, die kein Skype-Account haben (oder von mir aus slack oder Google-Hangouts), rutschen auf der nach unten offenen Eignungs-Skala spürbar ab. Wenn dann auch noch die Bereitschaft fehlt, schnell ein solches Account zu eröffnen (eine 3 Minuten-Übung), dessen Eignung für UNITEDINTERIM ist praktisch gleich Null.

 

He, Du arrogante Socke! Schlecht drauf?!

 

Nein, keineswegs!

 

Inzwischen ist mir allerdings überdeutlich klar geworden, dass ich weder mich, noch UNITEDINTERIM am kleinsten gemeinsamen Nenner ausrichten kann.

 

Wer die modernen Tools jetzt nicht beherrscht, wird sich bereits jetzt schwerer tun als nötig.

 

Wer aber jetzt nicht bereit ist, sich den neuen Tools zu öffnen – vulgo zu lernen – gibt sich und damit seine Zukunftsfähigkeit auf.

 

Quatsch, Becker!

51% sind nicht fit für die Digitale Welt

 

Ich denke nicht. Erst gestern las ich einen Bericht in der Welt (der leider jetzt Abo-pflichtig ist), dass die deutschen Unternehmen 51% ihrer Mitarbeiter als nicht fit für das Arbeiten in einem digitalen Umfeld ansehen. Und dass aus der Sicht der Unternehmen, die Menschen das Lernen verlernt hätten und deshalb zunächst einmal wieder Lernen lernen müssten. Ups!

 

Ich vermute mal stark, dass das in der Interim-Welt, deren Protagonisten eher der zweiten Lebenshälfte zuzuordnen sind, nicht unbedingt besser sein wird.

 

Gleichzeitig wird berichtet [Auf innovativen Wegen zu neuen Mitarbeitern], dass Unternehmen im Recruiting verstärkt auf – Achtung! – Skype-Interviews und – nochmal Achtung ! – auf zeitversetzte Videos setzen: Bewerber, nennen wir sie Interessenten, erhalten ein paar Fragen und müssen sie im Rahmen eines kleinen Videos beantworten:

 

Weiter im Bewerbungsprozess erfährt auch das Video-Vorstellungsgespräch eine Neuerung: Anders als das traditionelle Skype-Interview, das bereits von 50 Prozent der befragten Bewerber und 45 Prozent der Unternehmen angewandt und live durchgeführt wird, geht die Tendenz neuerdings zum aufgenommenen Bewerbungsgespräch per Video hin. Hierbei wird eine Reihe von Fragen an den Bewerber weitergeleitet, die er per Video beantworten soll. Rund sechs Prozent der Unternehmen nutzen schon diese Methode.

 

Wie ich lese, tun sich mit letzterem die Bewerber noch schwer. Noch …!

 

Aber, Becker, Du weißt doch: Überall wird sich das in diese Richtung entwickeln – aber nicht im Interim-Business…

 

Und genau das, meine Leser wissen das, glaube ich eben nie und nimmer!

 

Das haben die drei Konferenzen gestern glashart untermauert.

 

Möchten Sie wissen, auf welche Weise?

 

Nur einer in den drei Videokonferenzen war mit seinen 39 Jahren deutlich unter 50. Einer war über 50, einer 60 und ich halt, als Grufti, 62.

 

Daraus können wir folgern, dass es in der bisher typischen Altersgruppe der Interim Manager (50 bis 70) durchaus Menschen gibt, die auf den neuen Wege mitgehen können.

 

Auf die gilt es sich zu konzentrieren. Auf die werde ich mich, wird sich UNITEDINTERIM konzentrieren

 

Alle anderen sind hier nicht gut aufgehoben!

 

Freitag 05. Juli 2019

MIT ALTEM MÖRTEL BAUT MAN KEIN NEUES HAUS!

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Hausfassade_Westerland/Sylt_2019Vor ein paar Tagen habe ich bei Facebook gepostet: „Mein Leben hat sich dramatisch verändert…!“

 

Ich poste privat meine Fotos bei Facebook, für MANATNET ganz überwiegen meine Blogbeiträge und für UNITEDINTERIM rein gar nichts. Die EuGH-Entscheidung, dass wir für Datenschutz-Verletzungen Dritter haften sollen, hat dafür den Ausschlag gegeben.

 

„Mein Leben hat sich dramatisch verändert…!“

 

Anlass für diese Erkenntnis war, dass ich den seinerzeitigen Tag praktisch mit dem „Postprocessing“ von Videos für den YouTube-Kanal von UNITEDINTERIM verbracht hatte.

 

Nun ist es so, dass ich vor einem halben Jahr davon nicht den Schimmer einer Ahnung hatte…

 

Wie so oft, habe ich mich halt reingebuddelt.

 

Ich möchte nicht sagen, dass ich nun das Thema beherrsche, jedoch bin ich jetzt fitter in diesem Thema als viele andere – ganz sicher fitter als wohl alle meine „Peers“. Dennoch habe ich weiterhin von vielem keine Ahnung.

 

Und mir wird das auch bedauerlicherweise regelmäßig vor Augen geführt. Und regelmäßig versuche ich, den Grad meines „Nicht-Wissens“ zu reduzieren. Zumindest ein wenig – auch, wenn das recht viel Zeit kostet! Aber wenn ich als „Wissensarbeiter“ nicht hier, nicht in mein Hirn, investiere: Wo denn bitte dann…?

 

So habe ich mir am Mittwoch, dank des Hinweises in dem tollen Blogbeitrag von Dr. Bodo Antonic [„Künstliche Intelligenz – Künstliche Verblödung“], einen Vortrag von Prof. Dr. Markus Gabriel angesehen: „Was ist eigentlich eine Künstliche Intelligenz?

 

Ein Video eines Philosophie-Professors! Ich! Knapp eine Stunde, wenn ich die Begrüßung mitrechne! Ja tatsächlich!

Wir können nicht mehr alles wissen!

 

Dieser Vortrag hat mir recht krass vor Augen geführt, wie wenig ich weiß – und mir den Tag ruiniert! Mehrfach habe ich mich während des Vortrags von Prof. Gabriel gefragt:

 

„Könntest Du das jetzt auch so machen?“

 

Ausnahmslos lautete meine Antwort, kleinlaut, wenn auch ehrlich: „Nein!“

 

Ich denke inzwischen, dass wir Menschen dieses „Weiß ich nicht!“ nicht mehr loswerden werden – zumindest, wenn wir ehrlich gegenüber uns selbst sind.

 

Eine fatale Geschichte für die Interim-Welt, die im Selbstverständnis alles weiß – befeuert von Ritter-, Retter-, Feuerwehr-Bildern in der Presse. Zumindest besser als ihre Kunden in den Unternehmen.

 

Nicht, dass wir uns missverstehen: Es gibt viele Asse in der Interim-Szene – und ich kenne durchaus eine nennenswerte Anzahl dieser Leute.

 

Aber, ich habe doch öfter als mir lieb ist den Eindruck, dass es Interim Manager gibt, die erstaunlich wenig über ihre eigene Situation reflektieren.

 

Ich habe öfter als mir lieb ist den Eindruck, dass solche Interim Manager der Meinung sind, sie könnten ihr Wissen von vor 5 Jahren dauerhaft (teuer) am Markt verkaufen.

 

Ich habe öfter als mir lieb ist den Eindruck, dass solche Interim Manager – vollkommen entspannt – der Meinung sind, dass sie ohne massive Weiterbildung zukunftsfähig bleiben werden. Und ich meine „massiv“…

 

Mal ehrlich: In einer Welt, die sich derart dramatisch ändert – nennen wir nur beispielhaft die Themen Klima, Automobil, Additive Fertigung (3D-Druck) und Robotik: Wie kann man da als Interim Manager auch nur im Ansatz glauben, ein „Weitermachen wie bisher“ reichte aus, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

 

Wie können Interim Manager diese Lücke schließen, wenn sie nicht – wie fest angestellte Manager – vom arbeitgebenden Unternehmen und auf dessen Kosten regelmäßig und als Pflichtveranstaltung weitergebildet werden?

 

Ganz einfach: Die Interim ManagerInnen müssen das selbst tun. Und – Achtung! – sie müssen das auch noch auf eigene Kosten tun! Ein für erstaunlich viele Interim Manager hochgradig irritierender Gedanke…

 

Vielleicht erklärt es sich dadurch, dass Weiterbildungsprogramme für Interim Manager außerhalb der EBS kaum mit dem Elektronen-Mikroskop zu finden sind – und dass auch die EBS seit Jahren nicht unter einer Flut von Anmeldungen zusammenbricht.

 

Wenn ich aus meiner ganz persönlichen Sicht auf diese Zeiten schaue, dann – man möge mir das verzeihen! – habe ich den Eindruck, dass mehr Interim Manager dabei sind, den Anschluss zu verlieren als man glauben mag.

Ein Test in der digitalen Welt

 

Gehen Sie mit mir mal in die digitale Welt und fragen Sie einmal:

 

Wer nutzt aktiv Xing – und wartet dort nicht nur opportunistisch auf eine Kontaktaufnahme?

 

Wer nutzt aktiv LinkedIn – und wartet dort nicht nur opportunistisch auf eine Ansprache?

 

Wer nutzt aktiv UNITEDINTERIM – und wartet selbst dort nicht nur opportunistisch auf eine Projektanfrage?

 

Wer hat eine eigene Website – und füttert sie laufend mit „relevantem Content“ und analysiert dann, wie sie sich im Wettbewerb schlägt?

 

Wer hat ein Account bei Twitter – und twittert tatsächlich Zielgruppen-relevante Informationen und nicht nur Kaffee-Tassen mit einem gutgelaunten „Guten Morgen“?

 

Wer schreibt ein Blog – regelmäßig, mindestens monatlich?

 

Wer hat auch nur ein einziges Video bei YouTube veröffentlicht?

 

Lassen Sie das mal sacken!

 

Und dann fragen Sie sich, ob es das ist, was Sie ganz persönlich von „Ritter-, Retter- und Feuerwehr“-Jungs und Madeln aus der ersten Reihe erwarten. Oder, weniger presse-bombastisch: Von „Machern“, „Leadern“ oder – auf den Punkt gebracht – von professionelle Interim ManagerInnen…

 

Ich denke ganz persönlich: Wer nicht mindestens fünf dieser Fragen mit einem „Aber sicher!“ beantwortet, wird massive Schwierigkeiten bekommen.

 

Und Instagram sowie Snapchat habe ich nicht einmal angesprochen – TikTok auch nicht.

 

Ebenso wenig wie Raphael Knuths „Wie kann ich mich als Interim Manager digital transformieren?

 

Es gibt Interim Manager, die sagen mir offen: „Herr Becker, davon habe ich keine Ahnung!“ Ich respektiere solche Menschen zutiefst – und versuche, ihnen zu helfen.

 

Und es gibt andere. Die sind mit einem unerschütterlichen Selbstbild gesegnet und haben auf so gut wie alle diese Fragen zwei stereotype Antworten:

 

(1) „Das mag ja alles richtig und wichtig sein: Aber ich als Interim Manager brauche das alles nicht!“

 

(2) „Ich muss das alles nicht machen, denn ich habe mein persönliches Netzwerk, das mich trägt!“

 

Ich frage mich dann jedes Mal: Wenn dann das persönliche Netzwerk diese Interim Manager tatsächlich zum Kunden gespült hat, was passiert dann?

 

Was passiert, wenn ihnen dann ein neugieriger Mensch gegenübersitzt. Vielleicht gar so einer wie ich – wohl mit das Schlimmste, was passieren könnte…

 

Und der sie dann zum Beispiel so ins Gespräch einsteigt:

 

„Wissen Sie, wir haben zwei große Problemfelder:

 

Unser Service ist nicht mehr zeitgemäß: Wir denken deshalb daran, neue Wege zu gehen – z. B. an einen eigenen Twitter-Kanal als Service-Line für unsere Kunden und an Chatbots.

 

Und dann: Wir brauchen dringend neue Kunden – aber wir erreichen nicht mehr alle unsere Zielgruppen. Hierzu gehören die jungen Leute der Generation Y und Z. Es sieht so aus, als brächen uns die Kunden weg: Ganz schlimm!

 

Mal so ganz grundsätzlich: Wie denken Sie darüber?“

 

Möglicherweise ist das Gespräch dann ganz schnell zu Ende!

 

Und der Kunde sagt mir dann im Feedbackgespräch: „Wissen Sie, Herr Becker, nach 10 Minuten war klar: Der isses nicht! Da war klar, ich würde unser Gespräch exakt nach einer halben Stunde beenden und bis dahin Allgemeinplätze austauschen. Aber auch nur aus Höflichkeit!“

 

Deshalb – und, auch wenn ich mich zigmal wiederhole [„Interim Manager – werdet endlich neugierig!“]:

 

Zukunft baut man nicht mit altem Mörtel!