INTERIM MANAGEMENT: NICHTSTUN HAT KEINE KOSTENSTELLE!

Auf LinkedIn boomt das Interim Management – zumindest, wenn man den Posts aus der Szene-Blase glaubt. In der Realität dagegen herrscht Flaute. Während die Interim-Szene intoniert, „Gerade jetzt brauchen Unternehmen Interim Manager!“, trifft sie auf die kalte Realität in den Unternehmen: „Gerade jetzt hat der Vorstand Beraterverbot ausgesprochen!“

 

Die deutsche Wirtschaft befindet sich nun seit Jahren in einer Wachstumsschwäche. Die Gründe sind mannigfach und tun an dieser Stelle nichts zur Sache.

 

Wichtiger ist es, wie die deutsche Wirtschaft in der Breite darauf reagiert – einzelne Unternehmen reagieren sicher anders: Aber darum geht es mir nicht.

 

Auf die permanenten Forderungen an die Politik, doch bitte die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen flugs zu verbessern, möchte ich hier ebenso wenig eingehen.

 

Die sonstigen Reaktionsmuster der deutschen Wirtschaft sind:

 

(1) Investitions-Zurückhaltung und Rationalisierung

 

(2) Verlagerung und Diversifizierung der Wertschöpfung / Produktion

 

(3) Fokus auf Effizienz, Kostensenkung und Wandel statt Wachstumsschub

 

Wer mag, findet hier die Details.

Bisherige Königsbranchen auf der Intensivstation

Es kann nicht schaden, an dieser Stelle auf folgenden Sachverhalt hinzuweisen: Seit über 20 Jahren arbeite ich im Interim-Business. Und genauso lange nennt der AIMP in seinen jährlichen Marktstudien die Automobilindustrie, den Maschinenbau und die Chemie stets die „Königsbranchen“. Und gerade diese Branchen liegen auf der Intensivstation: „Geschäftsklima in der Chemie bricht ein„.

 

Wie viel muss ich verdrängen, um hier ein ideales Umfeld für das Interim-Business zu erkennen?

 

Wie rosarot muss meine Brille sein, damit ich annehme, dass die Industrie zig zehntausend Jobs abbaut – dann aber frohgemut auf Interim Manager und Managerinnen zurückgreift? Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Betriebsrat!

 

Keinen Insider wird daher überraschen, dass das Interim-Geschäft derzeit schwierig ist. Sehr schwierig.

 

Erst in der vergangenen Woche hat die Deutsche Interim AG in ihrem Trendbarometer davon berichtet, dass 17% der teilnehmenden gut 630 Interim Manager und Managerinnen angeben, dass sie zu weniger als 20% ausgelastet seien.

 

Ein Interim Manager kommentiert auf LinkedIn entwaffnend offen: „Leider gehöre ich zu den 17% – ohne Sicht auf Besserung!“ Mein ehrlicher Respekt für diese Offenheit – die so ganz untypisch ist für die LinkedIn-Blase …

Ein Parforce-Ritt ohnegleichen

Aus Sicht überraschend vieler Player ist das abwartende Verhalten der Unternehmen seit Monaten der Nährboden für einen Parforce-Ritt ohnegleichen – unter der Maxime: „Wir müssen den Unternehmen klarmachen, dass in den aktuellen Gegebenheiten Interim Management die ideale Lösung ist!

 

Und dann folgen wieder seit Jahren gleichen Litaneien – nur diesmal vorgetragen von deutlich jüngeren Stimmen.:

 

(1) Knowhow: Interim Manager bringen exakt das Knowhow, das genau jetzt fehlt. Heute ganz besonders KI. Klar…

 

(2) Investition statt Kosten: Interim Manager sind eigentlich keine Kosten, sondern Investitionen. Schade, dass Investitionen aktuell nicht unbedingt en vogue sind…

 

(3) Return on Interim Management (ROIM): Interim Manager verdienen im Schnitt gut das 5-Fache – in der Spitze bis zum 100-fachen der eigenen Kosten (!) wieder zurück. Verblüffender Weise lässt sich kaum ein Interim Manager auf ein variables Honorarmodell ein…

 

(4) Transformation und Change: Transformation und Change – schwierig für viele Unternehmen. Alltag hingegen für Interim Manager …

 

(5) Allein können die Unternehmen die aktuellen Themen nicht stemmen: Hierfür braucht´s schon die Elite der Interim Manager. Da wird dann auch schon mal schweres Geschütz aufgefahren: „Die größte Lüge in Unternehmen? ‚Wir schaffen das auch ohne Hilfe.’“ Himmel, schenke mir nur eine Spur dieses Selbstbewusstseins!

 

Derzeit kommt eine Facette hinzu, die nicht so abgedroschen wirkt:

 

(6) Cost of vacancy: Die Szene rechnet den Unternehmen vor, wie viel es kostet, eine Stelle nicht besetzt zu haben – und schafft es damit bis ins ehrwürdige Handelsblatt. Und da werden dann durchaus 130.000 Euro genannt – für einen Buchhalter im Jahr 2023. Merke: Im Jahr 2025 ist alles noch viel schlimmer…!

Die Oberlehrer sind da!

Diese Litaneien, dieses Oberlehrerhafte nerven mich seit Jahren. Und ich bin ziemlich sicher: nicht nur mich! Belegen könnte ich’s – aber das würde hier den Rahmen sprengen.

 

 

Die hohe Schule ist es jedoch, den Oberlehrer dann bei LinkedIn zu mimen! Auf dass sich neben den einschlägigen Claqueuren aus der Interim-Szene („Danke XYZ, für Deinen wertvollen Post: Genau so ist es!“) vielleicht sich auch das eine oder andere Unternehmen auf diesen Post verirren und in der Folge bejubeln möge:

 

„Großartig! Auf diese Information habe ich mein gesamtes Berufsleben gewartet! Endlich sagt´s mir mal jemand! Lass uns unbedingt darüber sprechen, wie Eure Interim Manager und Managerinnen unser Unternehmen endlich retten können!“

Das ist so fern ab vom echten Leben im Unternehmen wie nur eben denkbar.

 

Während auf LinkedIn der große Aufbruch gepredigt wird, sieht´s im echten Leben der Unternehmen eher so aus:

 

(1) Keine Geschäftsreisen. Keine Bewirtung. Ausnahmen nur mit Genehmigung des Vorstands!

 

(2) Berater raus: Und: Keine neuen Berater rein!

 

(3) Alle Projekte auf den Prüfstand: Die Wirtschaftlichkeitsberechnung ist auf der Basis der veränderten wirtschaftlichen Lage neu zu erstellen!“

 

(4) Einstellungsstopp: Ausnahmen nur mit Genehmigung des Vorstands.

 

Willkommen in der Realität!

 

Ich habe vor langen Jahren mal folgendes Gespräch mit einem Vorstand geführt:

 

„Sagen Sie, wenn Sie nur abwarten und nichts tun: Haben Sie dann keine Sorge, dass Sie Wettbewerbsnachteile erleiden?“

 

„Nein. Solange mein Wettbewerb auch abwartet und nichts tut ist alles okay…“

 

„Verstehe. Aber, wenn Sie abwarten und nichts tun, vergeben Sie dann möglicherweise Zukunftschancen für Ihr Unternehmen?“

 

„Mag sein: Aber Nichtstun hat halt keine Kostenstelle…!“

 

Gerade die letzte Aussage begleitet mich seit nunmehr fast 10 Jahren.

 

Natürlich helfen wir auch jetzt Unternehmen mit Interim Managern und Managerinnen – ich eingeschlossen. Aber Hand aufs Herz: Das sind Ausnahmen. Besondere Fälle. Wenn´s wirklich nicht mehr anders geht.

 

Aber einen Wachstumsmarkt, gar einen boomenden Markt kann ich hier beim besten Willen nicht erkennen.

 

INTERIM-BUSINESS: 22 JAHRE – UND KEIN BISSCHEN WEISER

INTERIM-BUSINESS: 22 JAHRE UND KEIN BISCHEN WEITER

Sicher: Es hat nicht nur Vorteile, wenn Du seit 22 Jahren im Interim-Business tätig bist!

 

So wirkt es auf Dich, als dass sich in eben diesen 22 Jahren in diesem Business nichts wirklich Neues ergeben hat. Wenn ich mal von UNITEDINTERIM absehe, die vor sieben Jahren mit einem provisionsfreien Modell kamen. Aber hier bin ich sicher befangen.

 

Aber sonst?

 

Noch mehr Provider – oft von Ehemaligen etablierter Provider ins Leben gerufen – mit den ewig gleichen „Claims“:

 

„Unsere Interim Manager und Managerinnen sind handverlesen!“,

 

„Wir kennen unsere Interim Manager persönlich!“ und

 

„Wir (!) wissen, welche Interim Manager unsere Kunden wirklich brauchen!“

 

Im Kern: Wir sind die Besten! Stets! Alle rund 180 in der DACH-Region! Na dann …

 

Gerade den letzten „Claim“, der impliziert, die Kunden könnten das gar nicht allein entscheiden (für Festanstellungen schon, nicht aber im Interim Management …), möchte ich in der Praxis mal erleben:

 

Entscheider: „Lieber Provider, wir favorisieren Interim Manager A!“

 

Provider: „Aber nie im Leben, lieber Kunde! Interim Managerin X ist viel besser für das, was Sie vorhaben. Glauben Sie mir: Wir kennen die genau!“

 

Entscheider: „Okay, lieber Provider, dann nehmen wir halt die!“

 

Sicher, in Deutschland ist inzwischen vieles möglich, was ich mir bislang nicht vorstellen konnte. Aber wenn sich ein Entscheider die Hoheit über seine eigene Entscheidung derart aus den Händen nehmen lässt – dann, liebe Leute, lasst alle Hoffnung fahren!

Das „Provider-Bashing“ ist wieder da!

 

Aus anderen Gründen populär, wenn auch ebenso wenig neu, ist derzeit das „Provider-Bashig“. Heute bei LinkedIn, in alten Tagen vielleicht bei Open BC vulgo Xing, sind auch hier die Inhalte noch immer die gleichen.

 

So wird z. B. unter der Überschrift

 

Feuer unterm Dach: Es brennt im Interim Management – und keiner löscht

 

der Untergang des Abendlandes postuliert – und auf „die Provider“ eingeschlagen, ohne selbstverständlich „die Plattformen“ zu vergessen. [Eine ketzerische Frage an dieser Stelle: Welche Dienstleister bleiben dann noch übrig? Zwei Handvoll Sozietäten – die es dann aber richten sollen?]

 

Die Sätze, die fallen, haben jedoch eine neue, eine bemerkenswerte Qualität:

 

Der Markt für Interim Manager hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Früher war es eine exklusive Domäne hochkarätiger Manager mit nachgewiesener Expertise, heute ist es eine Arena für jeden, der einen LinkedIn-Account hat und sich als „Spezialist“ ausgibt. Qualität weicht Quantität. Unternehmen bezahlen nicht mehr für echte Leistung, sondern für das billigste Angebot.

 

Interim-Provider und Plattformen haben den Markt auf Masse statt Klasse getrimmt. Sie schieben sich als unnötige Vermittler zwischen Unternehmen und Manager, treiben Provisionen in absurde Höhen und drücken gleichzeitig die Honorare der eigentlichen Leistungsträger. Die Rechnung zahlen die Unternehmen mit schlechten Ergebnissen und die Interim Manager mit ruinösen Stundensätzen.

 

Donnerwetter! Da hat sich aber einer ausgekotzt!

 

 

Ja, tatsächlich: Es gibt Provider, die verlangen eine Provision von 40 bis 50 Prozent. Ich habe zwar nie verstanden, weshalb das möglich ist und mich stets gefragt, wer bitte erbringt hier eigentlich den Mehrwert: Der Provider?

 

Aber hierzu gehört eben auch, dass bestimmte Unternehmen (nicht alle!) bereit sind, eine solche Provision gutgelaunt dem eigenen Cash-Outflow aufzusatteln – statt sich die gleichen Interim Manager, wenn auch etwas aufwendiger, selbst zu beschaffen. Wären sie dazu bereit, dann wären diese Provider schon längst vom Markt verschwunden. Oder hätten andere Dienstwagen…

Lasch – trotz erheblicher Sparzwänge

 

Haben sie aber nicht. Und keine Geschäftsführung, kein Vorstand, – obwohl aktuell massiven Sparzwängen ausgesetzt – fordert dieses „selbst Beschaffen“ ein: Von Mitarbeitern, deren Kerngeschäft das „Recruiting“ ist.

 

Kaum zu glauben, dennoch ist es so …

 

Ich teile zudem nicht diese Sicht, ja ich halte sie für ausgesprochen überheblich: „Qualität weicht Quantität. Unternehmen bezahlen nicht mehr für echte Leistung, sondern für das billigste Angebot.

 

Auch im Interim Management treffen wir auf den typischen Mix von „Normal-Leistung“ und „Spitzenleistung“. Wie sollte das auch anders sein, wenn so gut wie alle Interim Manager die gleiche DNA haben? Eine Vergangenheit in Unternehmen, eine Vergangenheit in einer Festanstellung.

 

Stattdessen erlebe ich, dass gute Qualität und gute Leistung möglichst günstig beschafft werden soll. Mal ehrlich: Wenn Sie nur den Hauch einer Ahnung davon haben, wie Unternehmen [derzeit] ticken, dann kann Sie das nicht verwundern: Die Unternehmen handeln auf allen Feldern so! Aber ausgerechnet im Interim Business, ausgerechnet dort sollten sie das nicht tun?

Unternehmen können die Provision sparen – wenn sie es denn wollten

 

Und ich bin fest davon überzeugt, dass die Unternehmen irgendwann darauf einschwenken werden, die im Interim Business typische Provision konsequent einzusparen. Warum? Weil das vergleichsweise leicht ist…

 

Das wird spürbare Auswirkungen auf eine Vielzahl von Interim Managern und Managerinnen haben, die typischerweise viel drauf haben – nur halt nicht im Vertrieb in eigener Sache.

 

Folglich erwarten viele Protagonisten, dass jemand anderer die Vertriebsarbeit für sie übernimmt – und das ist dann der Kern des Geschäftsmodells der Provider.

 

Mit einem kleinen Schönheitsfehler, den ich immer gegeißelt habe, jedoch mit meiner Sichtweise in all den Jahren nicht durchdringen konnte:

 

Wenn ein Dritter die Vertriebsarbeit für mich macht, dann erhält er die kalkulatorischen Vertriebskosten, die mein Tagessatz beinhaltet. Auf keinen Fall kann der Dritte die Kosten, die er für den Vertrieb aufwendet, auf meinen Tagessatz aufgeschlagen dem Kunden in Rechnung stellen. Und damit diese an sich tolle Dienstleistung für das Kundenunternehmen um 40 bis 50 Prozent teurer machen. Siehe oben…

 

Sehen Sie, wie schnell das „Providerbashing“ ein Ende hätte? Wenn der Interim Manager, die Interim Managerin, stets das Gleiche kosten würde – unabhängig vom Vertriebsweg?

 

Aber auch das sehe ich wahrscheinlich falsch…

 

 

Bild: „Stillstand – fünf vor zwölf“ erzeugt von ChatGPT und „woman-6253060_1280“ von www.pixabay.com

 

INTERIM-BUSINESS: KEINE CHANCE MEHR?

„Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass das Produkt Interim Management so wie bisher keine Chance mehr haben wird. „Interim“ wird es nicht mehr wirklich geben – und diese Projekte werden dann sehr wenige sein.“

 

So las ich in den ersten Tagen des neuen Jahres.

 

Ich hoffe, Sie haben nicht darüber hinweggelesen: Ich habe das gelesen – nicht geschrieben …!

 

Und bemerkenswerter Weise schrieb das ein Interim Manager aus der ersten Liga: Wie erfrischend – zumindest aus meiner Sicht!

 

„Interim Manager werden immer gebraucht!“ würde die reflexartige Antwort der Lemminge lauten, wenn ich denn diese Aussage z. B. bei LinkedIn zur Diskussion stellte.

 

Von Interim Managern, Interim Managerinnen und auch von diversen Interimern.

 

Denn, soweit ich das beurteilen kann, sind Interim Manager in der Breite mit vielen Eigenschaften gesegnet, nicht jedoch mit ausgeprägter Selbst-Reflexion oder gar Selbstkritik. Aber, ich mag mich täuschen…

Der Charme eklatanter Fehleinschätzungen

 

Es ist müßig, darüber zu streiten, ob diese Aussage des Interim Managers richtig oder falsch ist. Wissen werden wir´s ohnehin erst in einigen Jahren.

 

Mich beschäftigt jedoch viel mehr die Frage: „Was, wenn denn das richtig sein sollte?!“ – eine Frage, mit der sich der Mensch an sich traditionell schwertut.

 

Erstes Beispiel: „Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten – allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren!“ (zugeschrieben Gottlieb Wilhelm Daimler)

 

Beispiel 2: „Dieses Telefon hat zu viele Schwächen, als dass man es ernsthaft für die Kommunikation in Erwägung ziehen kann.“ (Internes Memo von Western Union, 1876).

 

Und das letzte Beispiel: „Es gibt keinen Grund, warum jeder einen Computer zu Hause haben sollte.“ (Ken Olsen, Gründer der Digital Equipment Corporation (DEC), 1977).

 

Sicher gibt es noch mehr solcher Beispiele eklatanter Fehleinschätzung. Es steht mir nicht zu, das ex post zu belächeln oder sonst in irgendeiner Weise abschätzig auf diese Menschen herabzublicken.

 

Es ist halt ausgesprochen schwer, das Potential einer Entwicklung richtig einzuschätzen: Ganz besonders dann, wenn das Umfeld spürbar kritisch geprägt ist.

 

Und das ist in Deutschland in der Breite und typischerweise der Fall. Natürlich gibt es Ausnahmen! Aber eben nicht in der Breite – und Ausnahmen definieren halt kein „typischerweise“. In Deutschland. Wo mich seit dem Platzen der Dotcom-Blase ein „Das brauche mer net!“ sehr viel enger begleitet als das davor übliche „Das probieren wir jetzt mal. Und wenn´s nix is, dann lasse mer´s halt! Und probieren etwas anderes…“

 

Ich glaube, dass diese drastisch andere Einstellung in Deutschland zu einem großen Teil dafür verantwortlich ist, dass das gesamte Land ins Mittelmaß abgerutscht ist. Die politischen Verfehlungen haben das dann gutgelaunt verstärkt.

Wat is en Interim Manager?

 

Diese eher nach hinten – in die Vergangenheit – gerichtete Denkwelt ist nach wie vor ein mächtiges Hindernis für den wirklichen Durchbruch im Interim Business. Nur so kann ich es erklären, dass Urgesteine im Interim Business wie AC Alphamanagement bemerkenswerte Jubiläen feiern, der Markt jedoch noch immer meint, die Basics des Interim-Business erklären zu müssen.

 

Frei nach Heinrich Spoerl´s „Feuerzangenbowle“: „Wat is en Interim Manager. Da stelle mehr uns janz dumm. Und da sage mer so: En Interim Manager, dat is ene [Platzhalter] …“

 

Und nun füllen Sie den Platzhalter nach Belieben!

 

Das ist in meiner Denkwelt ein absolutes Unding – und legt gleichzeitig die Schwächen dieses Marktes offen. Probe: Wann hat Ihnen zum letzten Mal die Anbieterseite die Vorteile des Leasings oder von Mietwagen erklärt? Sehen Sie…!

 

Aus meiner Sicht steht Deutschland vor einer Zeitenwende, die in alle Bereiche ausstrahlen wird.

 

Hier möchte ich mich auf die Demografie beschränken. Wir wissen, dass in Deutschland bis 2050 die Anzahl der Senioren (über 67-Jährige) um etwa 5 Millionen steigen wird. Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter von 20 bis 66 Jahren soll demgegenüber um 7 Millionen sinken.

Rentner zurück aus der Rente!

 

Das wird deutliche Auswirkungen auf das Rentensystem haben – aber auch, und darum geht es mir: Das wird deutliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass eine Regierung – welcher Prägung auch immer – nicht umhinkommen wird, Rentner aus der Rente zurückzuholen. Ganz besonders früh verrentete Menschen …

 

Dieses Zurückholen wird nicht über Zwang erfolgen können, sondern über Anreize, die Menschen, die sich selbst nicht „zum alten Eisen“ zählen, dann auch gern wahrnehmen werden.

 

Solche Anreize werden auf neuen Programmen basieren: finanziell attraktiv und unbürokratisch. Sind sie es nicht, dann bleibt die Zielgruppe dann doch zuhause.

 

Die neuen Programme werden zunächst die Angebotsseite im Interim Management spürbar reduzieren: Alle, die sich nach dem Ausscheiden aus ihrem Unternehmen bislang dem Interim Management zuwenden, brauchen diese Option dann nicht mehr, die zudem typischerweise (also: nicht immer) als ausgesprochen sperrig empfunden wird: Verlangt sie doch tatsächlich Vertrieb in eigener Sache! Geht´s noch …?!

 

Und alle Insider wissen, dass dies ein gehöriger, wenn nicht der größte Teil des „Interim-Nachwuchses“ ist – während die Generation, die gemeinsam mit mir ins Interim Business eingestiegen ist, sich nun langsam aber deutlich sichtbar aus dem Markt verabschiedet. Deutlich oberhalb der 70 wird´s dann doch schwierig, Fans für die eigene Leistung zu finden – es sei denn, Sie heißen Mick Jagger, David Gilmour oder Ritchie Blackmore!

 

 

Ein kleiner, noch immer überraschend unbekannter, vielleicht auch ungeliebter Markt, wird so unter erheblichen Druck geraten.

 

Wohl eine Fehleinschätzung: „Mehr Selbständigkeit!“

 

Auch das, was wir vor noch kaum 10 Jahren gehört haben, „Die Entwicklung geht hinzu mehr Selbständigkeit – und weg von der Festanstellung“ könnte nicht länger valide sein: Zumindest in Deutschland nicht, wo Festanstellungen sowohl im Genom der Unternehmen als auch der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fest verankert sind.

 

Merke: Wenn wenig junge Menschen auf den Arbeits-Markt kommen und auf eine gleich hohe, wenn nicht höhere Nachfrage der Unternehmen treffen – dann können sie nach klassischer Lehre von steigenden Preisen i.e. Gehältern profitieren.

 

Was die Selbstständigkeit – im Volksmund gern als „Du arbeitest selbst – und das ständig“ beschrieben – einiges vom Rest ihrer verbliebenen, kümmerlichen Attraktivität nehmen könnte. Und somit auch Interim Manager und Managerinnen dazu verführen könnte, zurück in die vermeintlich kuschelige Wärme der Festanstellung zu flüchten.

 

Wunderbarer Nebeneffekt: Viele Unternehmen haben panische Angst davor, dass ihnen die Verträge mit Interim Managern auf die Füße fallen! Weil die klammen Sozialversicherungsträger aufgrund von erklärter, nicht tatsächlicher „Scheinselbständigkeit“ Sozialabgaben einfordern sowie – natürlich – Strafen verlangen könnten.

 

Zudem hilft ein Blick über den Atlantik: Dort stehen ganz offensichtlich radikale Änderungen an, die – ich schließe das nicht aus – den Druck auf Europa und damit Deutschland in einem solchen Ausmaß erhöhen könnten, dass auch hier schonungslos alles in Frage gestellt werden muss.

 

Hier könnten dann die Totenglocken fürs Interim Business läuten – wie wir‘s heute kennen. Könnten – müssen aber nicht.

 

Dennoch sollten wir uns mal mit der Frage beschäftigen: „Was wäre, wenn…?“

 

Schaden kann´s sicher nicht…

 

 

Bilder: „woman-6253060_1280“ und „man-8559258_1280“ von www.pixabay.com

DAS ERWARTE ICH VOM INNOVATIONSFÜHRER DER INTERIM-SZENE

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Kirschbluete_Ribeauville_(F)_2018Tatsächlich hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich einmal über geschlagene vier Wochen mein Blog aussetzen würde.

 

Mein Blog, das mir heilig ist! Und auf das eine treue Leserschaft freitags wartet. Sie hat viermal vergeblich gewartet. Das tut mir leid – und ich bedauere das aufrichtig!

 

Nun habe ich mir ebenso wenig vorstellen können, dass einmal ein Virus in unser Leben in einer Art und Weise einschlagen könnte, wie dies COVID 19 – umgangssprachlich: „Corona-Virus“ – getan hat.

 

Und zum ersten „Shutdown“ in der Deutschen Geschichte führen würde. Mit Auswirkungen, die wir noch nicht einmal ansatzweise abschätzen können.

 

Mir steht es nicht zu, den „Shutdown“ zu bewerten oder gar zu kritisieren: Dafür fehlt mir das Spezialistenwissen auf diesem Feld! Aber ich muss für mich – als Mensch und als Unternehmer – bewerten, was das für mich und mein Umfeld bedeutet – zumindest bedeuten kann.

 

Und selbstverständlich bin ich zusammengezuckt, als der Begriff „Ermächtigungsgesetze“ fiel! Und selbstverständlich muss ich verstört zur Kenntnis nehmen, wie leicht derzeit Grundrechte kassiert werden können, ohne dass es auch nur eine Spur eines nachhallenden Protestes gibt. Wenn ich von einzelnen Kämpfern, denen meine Sympathie gilt, einmal absehe…

Was bedeutet die Corona-Krise fürs Interim-Business

 

Ganz besonders, wen wird das wundern?, treibt mich die Frage um: „Was bedeutet das alles fürs Interim-Business?“

 

Um es kurz zu machen: Nichts Gutes!

 

Wenn wir auf der Grundlage der allgemeinen Einschätzung, die Corona-Krise würde die Wirtschaft heftiger treffen als die Finanzkrise 2008, dann müssen wir uns wohl oder übel auf folgendes einstellen:

 

(1) Das Brutto-Inlandsprodukt dürfte zwischen 7 und 19 Prozent absacken, je nachdem, wie lange der Shutdown andauern wird.

 

(2) Die Masse der deutschen Unternehmen sitzt in einer derartigen Krise ganz breitbeinig auf der Kasse und stellt die „Heiligen Drei Könige der Ausgaben“ auf „Null“: Dienstreisen, Weiterbildung und Berater – und Interim Manager zählen in der Kostenartenrechnung als Berater. Warum tun die Unternehmen das? Diese Entscheidung ist unmittelbar „Cash-wirksam“ (im Sinne von: Es fließt kein Cash aus dem Unternehmen ab) und kein Mitarbeiter wird deswegen kündigen. Das haben die Unternehmen stets so gemacht – und ich erwarte in der gegenwärtigen Gemengelage unseres Landes nicht, dass sich das ändern wird. Vergessen wir zudem nicht: Nichts tun hat keine Kostenstelle…!

 

(3) In der Folge wird das Interim-Business auf breiter Front zurückgehen. Dass in einzelnen Bereichen das Geschäft möglicherweise sogar zunehmen kann (vielleicht im Segment Restrukturierungen) ändert an dieser Großwetterlage nichts. Zum Vergleich: Im auf die Bankenkrise folgenden Jahr 2009 war das Interim-Business laut AIMP-Providerstudie von 1,60 Mrd. Euro auf 1,25 Mrd. Euro – also um satte 22 Prozent – eingebrochen. Auf der Grundlage vorsichtiger Kaufmanns-Tradition sollten wir dies als Benchmark verwenden – für unsere Planungen in diesem und im nächsten Jahr.

 

(4) Ich erwarte, dass dies ein neuerliches Nachdenken im Interim-Business zur Folge haben wird – und über sein seit gut vierzig Jahren unverändertes und damit überaltertes Geschäftsmodell. Ganz besonders gilt dies für die formidablen Ineffizienzen – und hierzu gehört vornweg der bürokratische Irrsinn der dezentralen Pools – jeder für sich führend, handverlesen und super-dooper. Vor gut einem Jahr bin ich bereits in meinem Video darauf eingegangen: Ein eigener Pool ist kein Wettbewerbsvorteil mehr.

 

(5) Der Shutdown hat die Menschen dazu gezwungen, neue und vor allem digitale Wege zu beschreiten. Glauben Sie nicht? Dann versuchen Sie mal, eins der populären Micros zu bekommen, die für z. B. Zoom-Konferenzen empfohlen werden. Hier bin ich der festen Überzeugung: There will be no way back! Es wird keinen Weg zurück mehr geben! Dienstreisen, Vielfliegerkarten und Übernachtungen werden davon betroffen werden – mit all den daraus folgenden Auswirkungen auf die jeweiligen Branchen.

Wie kommuniziert die Interim-Szene, wenn alle analogen Foren entfallen?

 

(6) Alle Events der Interim-Szene sind bis Ende August dieses Jahres abgesagt: Das Forum des DÖIM in Salzburg sowie das AIMP-Jahresforum auf Burg Schwarzenstein fielen dem zum Opfer – und wenn wir alle Pech haben, dann wird es auch noch den DDIM-Kongress im November erwischen. Die Kommunikation untereinander, der so wichtige gegenseitige Erfahrungs-Austausch der Interim Manager entfällt somit – zumindest bis nach dem Sommer.

 

Als das AIMP-Jahresforum abgesagt wurde, war es für UNITEDINTERIM klar:

 

Wir müssen die erste digitale Fachtagung für das Interim-Business bringen!

 

Und wenn wir den populären Termin, 25. April, der für das AIMP-Jahresforum vorgesehen war, nutzen wollten, dann hatten wir gerade mal 5 Wochen zur Verfügung! 5 Wochen, um die Fachtagung komplett neu aufzusetzen – inhaltlich und technisch! Ein Gewaltmarsch durch weite, unberührte Lande, dem mein Blog zum Opfer fiel, ja nachgerade fallen musste.

 

Aber, wir haben es geschafft: Das Programm steht und die Technik auch – so dass wir die nächste Woche für´s Testen verwenden können. Am kommenden Samstag sind wir dann soweit…

 

Sind wir stolz darauf? Ein wenig schon, denke ich.

 

Auf der anderen Seite denke ich aber auch:

 

Das erwarte ich vom Innovationsführer der Interim-Szene!

 

WENN NICHT JETZT, WANN DANN?

Inte-rim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Kirschblueten_vor_Fussgaengerschild_Gengenbach_2017Ich muss schon tief in meinen persönlichen Annalen buddeln, um mich an eine Zeit zu erinnern, die auch nur im Ansatz vergleichbar mit der vergangenen Woche war:

 

Wenn ich mir die Verluste an den Börsen anschaue, dann kann ich mit viel gutem Willen die Zeit nach dem 11. September nennen oder aber das Platzen der dotcom-Blase und die Bankenkrise.

 

Redakteure, die das genau recherchiert haben, sprechen vom schlimmsten Börsencrash seit 1987.

Online-Unterricht: geht nicht?

 

Aber ich kann mich nicht erinnern, dass Veranstaltungen in dieser Weise abgesagt wurden oder dass, wie gerade bekannt gegeben, in den ersten europäischen Ländern und deutschen Bundesländern ab der kommenden Kitas, Schulen und Universitäten geschlossen wurden.

 

Die FDP nutzt die Chance und weist bei Twitter wieder auf Versäumnisse ihrer „Lieblingsfeindin“ hin:

 

„Jetzt rächt sich, dass Digitalisierung jahrzehntelang verschleppt wurde: Schulen sind nicht gerüstet, um bei Schulschließungen Online-Unterricht zu machen. Karliczek muss ein Notprogramm aufsetzen, das schnell Online-Bildungsangebote bereit stellt.“

 

Und schließlich, jenseits aller Vorstellungen, soll nun sogar des Deutschen wohl immer noch liebstes Kind – der Fußball! – einfach ausfallen. Es geistert die Idee durch die Stadien, die Bundesliga für beendet zu erklären. Man stelle sich vor!

 

Ich denke, ohne Übertreibung können wir das als Ausnahmezustand bezeichnen.

 

Selbstverständlich fragen wir uns: Was bedeutet das für uns alle, für unser Land, für die Wirtschaft und schließlich für unseren Mikrokosmos Interim-Business.

 

Zum Mikrokosmos haben wir die Welt mit einen Blogbeitrag beglückt „Corona – Brandbeschleuniger einer Umbruchs – Was für Interim Manager jetzt ansteht“.

 

Das Feedback war typisch breit gefächert für unsere digitalen Zeiten – von „Cooler Text! Aber viel Arbeit dahinter.“ und „Sie haben den Finger in die Wunde gelegt!“ bis zu den Highlights samt Orthografie-Fehler bei Xing: „Banalitäten!“ und „Das sind ja Bahnbrechende Informationen….. Da wäre sicherlich keiner draufgekommen 😂!“

 

Tränen vor Lachen – und ich halte noch immer die Augen auf nach einem Text zum gleichen Thema, auf den ein beliebiger Anderer aus der Interim-Szene gekommen wäre. Fehlanzeige! Letztlich verwundert mich das dann aber doch nicht…

Home-Office: Geht nicht?

 

Und die Unternehmen? Ich denke, sie tun in Sachen Corona, was sie nur eben können!

 

Hier kommen aber die dollsten Sachen an – z. B. „Externe haben keinen Zutritt mehr zum Firmengelände! Das gilt auch für Interim Manager!“

 

Oder: „Die Unternehmen sollten jetzt zulassen, dass die Mitarbeiter weitgehend vom Home Office aus arbeiten: Aber die wissen gar nicht, wie das geht!“

 

All das sind Zeichen für eine Ausnahmesituation – auf die wir alle nicht vorbereitet sind. Ich stelle eine vielleicht rhetorische Frage: Kann man auf eine solche Situation vorbereitet sein? Ich denke ganz persönlich: Ja, das kann man sehr wohl.

 

Und, wenn ich mich nicht sehr irre, dann gelten Panik und irrationales Handeln (wie jetzt an den Börsen IMHO) durchaus nicht als die besten Ratgeber. Stattdessen sind die Menschen gefragt, die mit einem kühlen Kopf an die Ausnahmesituation herangehen – womit ich keineswegs die diplomierten „Wird schon wieder!“-Verdränger meine.

 

Aber es gibt durchaus Menschen, die sich mit den Themen Home-Office und E-Learning richtig gut auskennen.

 

Auch das Interim Management kommt nicht ohne blaue Flecken davon: Die Konferenz Interim Management des DÖIM, geplant für dieses Wochenende, wurde abgesagt. Nach meinen – noch unbestätigten! – Informationen das AIMP-Jahresforum im April auch. Man stelle sich vor!

 

Seitdem macht sich der eine oder andere Interim Manager verstärkt Gedanken: Wie überlebe ich, wenn mein persönliches Netzwerk ausfällt? Und landet zwingend beim digitalen Netzwerk – erschaudernd, weil er typischerweise erkennen muss, dass er hier, in der digitalen Welt noch vollkommen unterbelichtet ist: „Wer digital nicht sichtbar ist, kann auch kein Interesse wecken!“

 

Ich empfehle, Quarantäne-ähnliche Tage dafür zu nutzen, um hier nachzurüsten:

 

Wenn nicht jetzt, wann dann?

 

DIE HABEN HALT NICHT BEI UNITED INTERNET GESUCHT!

Inte-rim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Ensemble_Aussenwand_Toepferei_Guarda_2019Mein Blogeintrag vom vergangenen Freitag „Irgendwann haut mir mal einer aufs Maul!“ hat einen neuen Rekord für dieses Jahr aufgestellt.

 

Klar: Der Titel war etwas reißerisch und im ersten Satz fanden sich aktuell wohl sehr viele Interim ManagerInnen wieder.

 

Meine Leser mögen es mir nachsehen, dass ich es heute etwas ruhiger angehen lasse – auch wenn mich gestern, vergraben in einer ellenlangen Mail, diese Information erreichte:

 

Zitat-Anfang

 

„Was soll man von ‚Kollegen‘ halten, die sich über Provider und deren (neue) Geschäftsmodelle arrogant abwertend, ja primitiv äußern, ohne dass diese eigene Performance dem entgegensetzen können. Übrigens sind UNITEDINTERIM und Sie persönlich davon nicht verschont [Anmerkung von mir: UNITEDINTERIM ist kein Provider!].

 

Leute, von denen ich persönlich weiß, dass diese noch nie mit Ihnen kooperiert haben, erblöden sich zu Geringschätzungen und unverschämt arroganten Äußerungen „weil sie ja da etwas gehört haben und schon so lange in der Branche sind…“.

 

Letzte Woche erhielt ich eine selbsterklärende E-Mail von einer Netzwerkveranstaltung:  „…. Erfahrungsaustausch zu Digitale Plattformen wie United Internet u.a.“

 

Schmunzeln & Kopfschütteln. Mit „United Internet“ ist tatsächlich UNITEDINTERIM gemeint. Naja, jeder blamiert sich so gut er kann! Schlimm ist nur, dass es kaum jemand merkt, aber alle mitklatschen.“

 

Zitat-Ende

 

Na ja, da kann man sich ja schon einmal vertun – mit diesem ganzen neumodischen Kram, während man weiter tapfer versucht, die Risse in seinem ehrwürdigen, aber verwitternden Netzwerk zu flicken.

 

Ist heute auch nicht mehr so wichtig, dass man weiß, wovon man redet. Ist auch nicht mehr so wahnisnnig populär, einfach mal nachzufragen, wenn man nicht genug weiß.

 

Oder aber: Einfach mal eben jenes Maul halten, das ich in der vergangenen Woche für mich als hochgradig gefährdet angesehen habe…

 

Oder dass man mal ein wenig reflektiert – nur ein ganz klein wenig und vorsichtig tastend.

 

Womöglich über diese beiden Aussagen aus der zu Ende gehenden Woche:

 

Interim Manager: „UNITEDINTERIM ist definitiv der beste und zukunftsorientierteste Weg für Interim Manger, sich am Markt zu positionieren.“

 

Provider: „Wir haben heute das erste Mal UNITEDINTERIM genutzt und waren positiv überrascht ob der relativ vielen Rückmeldungen seitens der Kandidaten.“

 

Ich muss allerdings fairerweise zugeben:

 

Die haben halt nicht bei United Internet gesucht!

 

FREUDE SCHÖNER GÖTTERFUNKEN!

Inter-im_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Lady_in_Red_visiting_David_Florenz_2018Das letzte Quartal dieses Jahres hat begonnen – und ich fühle mich so gut, wie seit gefühlt ewigen Zeiten nicht mehr!

 

Ich schreibe diesen Beitrag am Tag der Deutschen Einheit.

 

Ein Glas überragenden Rotweins begleitet mich. Möglicherweise werden es zwei werden…

 

Die Videokonferenz mit meinem Partner, Dr. Harald Schönfeld, am heutigen Feiertag liegt hinter mir.

 

Ebenso, wie das Treffen mit einem unserer „Early Stage“-Investoren am Kaiserstuhl.

 

Der Wein ist sensationell – auf die Cohiba verzichte ich: Wir wollen´s ja nicht übertreiben…

 

„Was für´n Zeugs hast Du dann geraucht, Minister der Finsternis…?!“

 

Nichts, nein: überhaupt nichts!

 

Letztlich ist es ganz einfach: Wir haben am 1. Oktober den Schluss-Stein gesetzt in der Kuppel von UNITEDINTERIM.

 


Wir haben die „Case-Studies“ der Interim Manager live geschaltet


 

Planung: 6 Monate

 

Bauzeit bis Schluss-Stein: 34 Monate

 

Nach insgesamt mehr als drei Jahren, von der ersten Idee nach dem historischen Strategie-Meeting der Interim-Szene im Juni 2016 auf dem Pilatus südlich von Luzern am Vierwaldstätter See, über ungezählte Gespräche daran anschließend, die ersten Skizzen, das erste Pflichtenheft, den Launch im April 2017 und den Relaunch nach rund zwei Jahren bis hin zum abschließenden Stein jetzt in der Kuppel.

Wir bauen die erste offene Plattform fürs Interim-Business

 

Natürlich sind wir an unsere Grenzen gegangen – und darüber hinaus!

 

Ich bin davon überzeugt: Niemand wird meine emotionale Lage nachvollziehen können, der nicht etwas Vergleichbares hinter sich hat!

 

Und nun steht das Ding: Die einzige offene, auf das Interim-Business spezialisierte Plattform,

 

(1) die auf Provisionen verzichtet: Wer möchte und weiß, was er oder sie tut, kann folglich hier richtig Geld sparen!

(2) die strikt qualitätsgesichert ist und kuratiert wird: Hier wird folglich erst gar kein Schrott zugelassen!

(3) die die Aktualität der Daten sicherstellt und selbst Aktualisierungen qualitätssichert: Hier bleibt folglich die Qualität der Informationen dauerhaft hoch!

(4) die nachfragenden Unternehmen das komplette Paket an Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung stellen kann: Die Entscheidung für oder gegen das Erstgespräch mit einem Interim Manager oder einer Interim Managerin ist folglich maximal abgesichert!

 

Dieses Paket besteht aus:

 

4a. CV

4b. Bild

4c. Video

4d. PSA (Überprüfbare und vergleichbare Softskills auf der Basis eines „Diagnostic Tools“)

4e. Case-Studies;

 

(5) die Videos und Case-Studies der Interim ManagerInnen aktiv und mit offenen Kontaktdaten bewirbt;

(6) die Interim ManagerInnen für alle sechs Zielgruppen sichtbar macht und

(7) die von Beginn an die Nachfragemacht aller Interim ManagerInnen auf der Plattform gebündelt und so spürbare Preisvorteile für alle Interim ManagerInnen verhandelt hat.

 

Und so ganz nebenbei haben wir den größten Video-Kanal der Interim-Szene bei YouTube aufgebaut – wenn wir die Anzahl der Videos und die der Abonnenten als Maßstab anlegen.

 

Heute ist der Tag der Deutschen Einheit. Die Hymne dieses Tages könnte besser nicht zu meiner Gemütslage passen:

 

Freude schöner Götterfunken!

 

CIO UND CRO GESUCHT!

Inte-rim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Plastikmensch_von_Thomas_Rees_Offenburg_2019Vergangenen Freitag, 15.32 Uhr. Also exakt 32 Minuten nach dem (eigentlich) turnusmäßigen Erscheinungstermin meines Blogs schlug die Nachricht des befreundeten Interim Managers via Twitter auf:

 

„Bei Dir muss ja wirklich „Land unter“ sein, wenn es seit 2 Wochen keinen Blogpost mehr gibt.“

 

Touché!

 

Und tatsächlich! An zwei Freitagen hintereinander kein Blog: Das gab´s in über zehn Jahren Blogschreiben noch nicht.

 

Der Grund ist ganz einfach – und ich hab´s bisher hier mitunter angedeutet: Das Arbeitsvolumen für UNITEDINTERIM ist derart absurd hoch, dass der willige Geist nicht länger in der Lage war, seine Macht über das schwache Fleisch auszuüben.

 

Der herbeigerufene Halbgott in Weiß und der unter flammendem Schwert flankierende Erzengel namens Gattin waren sich einig: „Jetzt reichts!“

 

Und es reichte tatsächlich – nicht jedoch für ein restliches Jota an Kreativität, das mein Blog nun einmal braucht. Über allem Anderen breiten wir feinfühlig den Mantel des Schweigens …

 

Wieder an der Oberfläche fallen Artikel auf, die offenbar darauf abzielen, mir die Auszeichnung „Minister der Finsternis“ streitig zu machen:

 

So etwa vor knapp zwei Wochen Stefan Aust in der Welt „Deutschland außer Betrieb“ oder aber vorgestern Thomas Andrae an gleicher Stelle: „Das System Deutschland kommt an sein Ende“.

 

Heissa, klingen die Schalmaien: „Das ist ja gut fürs Interim Management!“

 

Wenn ich davon absehe, dass es die Restrukturierer tatsächlich freuen wird und dass inzwischen Restrukturierer für die Automotive-Industrie tatsächlich schwer zu finden sind:

Interim-Markt schwieriger

 

Das Interim Management spürt das schwierige Umfeld durchaus:

 

(1) Die Ausschreibungen in den einschlägigen Interim-Gruppen bei XING sind inzwischen deutlich über 30 Prozent abgesackt verglichen mit den „normalen“ Monaten März und Mai. Woher ich das weiß? Ich halte jede einzelne nach.

 

(2) Die Anzahl der Interim Manager, die sich im gleichen Umfeld als „Bin verfügbar“ melden, hat sich mehr als verdreifacht. Woher ich das weiß? Ich halte jede einzelne nach. Der guten Ordnung halber: Diese Nachrichten landen so gut wie ausschließlich in den E-Mail-Eingängen der Interim-Kollegen, denn von 19.552 Gruppenmitgliedern (Stand heute; 11.10 Uhr) haben nur gut 20 (in aller Regel Provider) im August ein Projekt ausgeschrieben.

 

(3) Von Outplacement-Spezialisten weiß ich, dass sich das Auftragsvolumen (gemessen an der Stückzahl) vervierfacht hat. Ein nennenswerter Anteil dieser Manager in ehemaliger Festanstellung wird ins Interim-Business einsteigen.

 

Kleines VWL-Einmaleins gefällig? Das Nachfragevolumen sinkt – das Angebot steigt: In der Folge werden Auslastung und dann die Preise sinken.

 

Nein, nein. Im Interim Management natürlich nicht … !

 

Provider mögen das gar nicht, weil den hochgradig volatilen Erlösen aus dem Projektgeschäft sprungfixe Kosten gegenüberstehen. Im Klartext: Wenn Dir Dein Volumen einbricht, hast Du die Kosten für Deine Leute immer noch. Und Dein Büro. Und Deine Infrastruktur. Und für Deinen Pool – der längst kein Wettbewerbsvorteil mehr für Dich ist (IMHO).

 

Dem gegenüber stehen unter dem Banner „Die Provider verdienen an mir ohnehin genug!“ Heerscharen von Interim Managern, die folglich der festen Überzeugung sind, dass sie selbstverständlich auch sämtliche Leistungen von UNITEDINTERIM kostenlos in Anspruch nehmen könnten.

 

Ich persönlich habe vor einiger Zeit für mich entschieden: Im Business mache ich nichts mehr unentgeltlich. Auch keine Vorträge mehr beim AIMP, der DDIM oder sonst wo.

 

Das machen wir inzwischen auch bei UNITEDINTERIM so.

 

Der eine Interim Manager oder die andere Interim Managerin zeigt sich darob zutiefst erschüttert: So be it. Dann trennen sich unsere Wege halt. So lange, bis ich auf neue Heerscharen von Interim ManagerInnen treffe, die mir sagen: „Tagessatz? Natürlich arbeite ich ohne! Jederzeit gern …“

 

Mein Netzwerk stirbt mir weg

 

Mitunter treffe ich auf bizarres Gedankengut unter den Interim Managern: So erkennt der eine oder andere, dass sein „Netzwerk ausstirbt“ vulgo „in Rente geht“. Diesen Prozess erkennen aufmerksame Beobachter durchaus auch unter den Interim Managern, die dann doch im Alter zwischen 65 und 70 aus dem Projektgeschäft aussteigen.

 

Interim Manager, deren Netzwerk wegbricht, frage ich dann gern einmal, wie sie das auffangen möchten.

 

„Wollen Sie ein neues Netzwerk aufbauen?“

 

„Muss ich wohl…“

 

„Kostet Sie viel Zeit und Geld neben Ihrem Projektgeschäft, das Sie zudem binden wird. Wie wollen Sie das machen?“

 

„Ich hab´ ja grad kein Projekt. Und ich gehe natürlich zu den DDIM-Veranstaltungen!“

 

„Aber da treffen Sie auf Kollegen, nicht auf Kunden!“

 

„Vielleicht helfen die mir ja!“

 

„Selbst, wenn das so wäre: In nächster Zeit werden Ihre Kollegen wohl erst einmal an sich selbst denken!“

 

„….!?“

 

„Und außerhalb der analogen Welt?“

 

„Ich bin in allen Gruppen bei Xing!“

 

„Aha. Aber das sind alles Gruppen für Interim Manager! Da treffen Sie somit wieder auf Ihre Kollegen!“

 

„Ja, aber da werden auch Projekte ausgeschrieben!“

 

„Stimmt! Aber von Providern, mit denen Sie doch ohnehin zusammenarbeiten. Ich habe in vier Jahren keinen einzigen Endkunden dort gesehen!“

 

„Aber die Provider finden mich dort vielleicht eher! Und dann habe ich noch meine Website!“

 

„Das ist gut: Immerhin hat rund die Hälfte der bei UNITEDINTERIM registrierten Interim Manager keine eigene Website!“

 

„Sehen Sie…“

 

„UNITEDINTERIM bietet ab Oktober einen Quick-Check für die Websites der Interim Manager an. Wenn wir das für Ihre Site mal machen, dann erhält Ihre Site nur 11,47 von 100 möglichen Punkten!“

 

„Meine Homepage wurde ja auch seit 10 Jahren nicht aktualisiert!“

 

„Das bedeutet, Sie haben akuten Handlungsbedarf. Und Sie brauchen einen langen Atem, bis zum Beispiel Google Ihrer Homepage auch nur durchschnittliche Bedeutung beimisst – nach Ihrem Dornröschenschlaf!“

 

„Na ja, dieser digitale Kram bringt doch sowieso nichts!“

 

„Vielleicht ordnen Sie das aber auch völlig falsch ein: Allein in dieser Woche gab´s diese beiden Abfragen bei UNITEDINTERIM:

 

CIO und CRO gesucht!“

 

AUCH IM NÄCHSTEN JAHR GIBT´S EINE KRÄUTERWEIHE FÜR DICH!

Inte-rim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Frau_nach_Weihe_ihres_Kräuterbüschels_Gengenbach_2018Da hat´s aber gerauscht, gestern. Als Sascha Lobo seine gestrige Spiegel online-Kolumne überschrieb mit: „Nichts Neues bitte, läuft doch auch so“.

 

Der Artikel ist Lobo-typisch: Fakten, Meinung und gute Schreibe.

 

Und diese beiden Aussagen bleiben sicher hängen – zumindest diese beiden:

 

„Deutschland hat sich tatsächlich abgeschafft – digital“

 

„Jeder digitale Wirtschaftserfolg beginnt zwingend mit einer anständigen digitalen Infrastruktur.“

 

Na also: Geht doch!

 

Iich hätte mich somit genüsslich zurücklehnen können in der absoluten Gewissheit: „Zumindest im Interim-Business haben wir uns nicht digital abgeschafft. Denn eine anständige digitale Infrastruktur hast Du ja mit UNITEDINTERIM aufgebaut – auch wenn der (bisherige) Schlussstein erst Anfang Oktober gesetzt werden wird.“

 

Da habe ich sehr gern sofort die Kameras greifen wollen, um auch in diesem Jahr wieder Fotos von der Kräuterweihe in Gengenbach zu machen. Ich begleite sehr gern mit der Kamera dieses christlich verwurzelte, farbenprächtig duftende Spektakel in meiner Heimatstadt. (Für meine Leser mit Facebook-Account gibt’s hier die Bilder aus dem vergangenen Jahr.)

 

Habe ich aber nicht.

Es gibt keinen Grund, sich auszuruhen. Keinen einzigen!

 

Gern gebe ich zu: Auch mich hat der Artikel von Sascha Lobo recht nachdenklich gemacht. So war mir z. B. in diesem Ausmaß der Rückstand der deutschen Wirtschaft in Sachen Forschung und Entwicklung nicht bewußt.

 

Auch habe ich die Misere der kommunalen Finanzierung so nicht gesehen – bis zum Artikel von Jens Südekum, Professor für internationale Volkswirtschaftslehre am Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie (DICE) „Wo und wie Deutschland seine Infrastruktur ruiniert hat“.

 

Nicht, aber auch rein gar nicht überrascht hat mich der Titel „Nichts Neues bitte, läuft doch auch so.“ Ausrufezeichen.

 

Das ist mir in einer fast familiär anrührenden Art vertraut aus ungezählten Gesprächen mit Interim Managern aus der „Brauche mer net!“-Fraktion.

 

Beeindruckt hat mich hingegen folgender, aus meiner Sicht, messerscharfe Satz – und ich bin ein wenig neidisch darauf, dass ich ihn nicht geschrieben habe, sondern eben Sascha Lobo:

 

„So erfolgreich zu sein, dass der Druck, sich zu wandeln, praktisch auf null sinkt, das ist das große deutsche Luxusproblem. In Zeiten der Digitalisierung ist das gleichbedeutend damit, von der eigenen Substanz zu leben.“

 

Aber diese Zeiten scheinen gerade krachend ihrem Ende entgegenzugehen: Auch im Interim Management. Womöglich gerade im Interim Management…

 

Ich denke deshalb, wir stehen vor aufregenden Zeiten – und, ja, ich vermeide bewusst das Attribut „spannend“, das in so ziemlich jede erwartungsfrohe Denkwelt von Job-, Projekt- oder Mandat-Suchenden Einzug gehalten hat:

 

„Bin ab 1.9. für spannende Projekte verfügbar.“

 

„Suche ab sofort spannende Herausforderungen.“

 

Jesses!

 

Das aus meiner unmaßgeblichen Sicht einzig Spannende wird sein, zu beobachten, wie die in einer rund eine Dekade dauernden Schönwetterperiode geprägten, derzeitigen Wirtschafts-Kapitäne mit einer deutlich anderen Großwetterlage umgehen werden.

 

Wir beruhigend ist es da, zu wissen:

 

Auch im nächsten Jahr gibt´s eine Kräuterweihe für Dich!

 

HABEN SIE EINE DIGITALE IDENTITÄT – ODER SIND SIE EIN NIEMAND?

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Holzfigur_Keitum_Sylt_2019Ganz selten, aber umso deutlicher spürbar:Ich lese oder höre einen Begriff – und im Hirn hallt ein Schlag nach, als hätte der 600-Kilo-Klöppel die 24 Tonnen des Dicken Pitter mit brachialer Wucht getroffen.

 

Einer der vielen Artikel zur Digitalisierung, den ich gelesen habe. Pflichtlektüre für mich halt.

 

„Digitale Identität“ – so hieß der Begriff in dieser Woche

 

Ich weiß nicht einmal mehr – und ich bitte meine Leser, mir dies nachzusehen –, wo ich diesen Satz gelesen habe:

 

„Die Mehrzahl der Mitarbeiter weiß nicht, wie sie die eigene Digitale Identität aufbaut – geschweige denn, wie sie die eigene Digitale Identität pflegt!

 

Ich erinnere mich auch, dass sich die Personalfachleute darüber beklagt haben, dass Mitarbeiter zu wenig „Lernbereitschaft“ (!) mitbrächten und wieder „lernen müssten zu lernen“.

 

„Digitale Identität“

 

Bisher hatte ich diesen Begriff stets mit einer Art „digitalem Personalausweis“ assoziiert.

 

Jetzt weiß ich, dass zumindest die Personal-Spezialisten unter Digitaler Identität etwas anderes verstehen. Und das kann ich sehr gut nachvollziehen…

 

Personaler verstehen unter „Digitaler Identität“ die Antwort auf die einfache Frage: „Du bist wer in der analogen Welt – aber wer bist Du in der digitalen Welt?“

 

BANNNNGGG!

 

Diese Frage ist so dramatisch einfach – und legt jedoch das ganze Dilemma offen – auch, ja vielleicht besonders, im Interim Management.

Wer bist Du in der digitalen Welt?

 

In der analogen Welt – meine Leser mögen nicht vergessen: in dieser bin ich aufgewachsen! – hat man jemanden, den man kannte, gefragt, wenn man etwas über einen anderen, den man nicht kannte, wissen wollte: „Sag mal, Ferdinand, kennst Du die Brunhilde?“

 

Und Ferdinand antwortete entweder mit einem „Nö!“ oder aber, Ferdinand gab sein Wissen preis:

 

„Ja, dat Brunhilde kenn‘ ich. Dat wohnt inne Kirchgasse 9, gleich neben den Metzger Raukamp. Dat Brunhilde is verheiratet mit den Borschert Paul, den beim Grundig im Lager schafft. Wat man so hört, is die Ehe nich glücklich. Aber dat Brunhilde, dat is ne ganz nette!“

 

Heute würde man womöglich anders vorgehen. Ganz sicher jedoch gehen die Unternehmen anders vor, wenn sie erste Informationen über einen potentiellen Mitarbeiter beschaffen möchten. Oder einen Interim Manager, den sie möglicherweise beauftragen möchten.

 

Sie fragen Google! In unserem Fall: Anführungsstriche oben Brunhilde Boschert Anführungsstriche oben.

 

Und Google spuckt in einer für mich nach wie vor atemberaubenden Geschwindigkeit alles aus, was das Netz über Brunhilde weiß.

 

Gegliedert in aller Regel nach: Alle Informationen, News, Videos und Shopping

 

Oder über potentielle Mitarbeiter.

 

Oder über Interim Manager.

 

Ich gehe stets genauso vor, wenn ein neuer Interim Manager seine Dienstleistung bei UNITEDINTERIM anbieten möchte: Ich gebe seinen Namen bei Google ein…

 

Jetzt müssen wir unterscheiden in Neueinsteiger (ja, ich weiß: Ein Einsteiger ist immer neu…!) und bereits am Markt tätige Interim Manager, die sich für UNITEDINTERIM interessieren.

Neueinsteiger – altersabhängige Verhaltensmuster

 

Machen wir´s kurz: Der eine oder andere wurde mal in einer Pressemitteilung seines Arbeitgebers erwähnt oder im Rahmen einer sonstigen, nach außen gerichteten Tätigkeit wie z. B. einem Vortrag. Darüber hinaus gibt es ein Profil bei XING und/oder bei LinkedIn – als Angestellter. Twitter und YouTube sind typischerweise unbekanntes Terrain – und Facebook (oohhh, Datenschutz!) und Instagram werden, wenn überhaupt, privat genutzt.

 

Ich empfinde das als inzwischen ganz normal und ich kritisiere das in keiner Weise.

 

Auf dieser Grundlage steigen Menschen heute ins Interim Management ein. Ein roßer Teil erkennt, dass diese Basis auf keinen Fall in der digitalen Welt ausreichen kann, um erfolgreich zu sein. Je jünger diese Menschen sind, umso sicherer ist diese Erkenntnis.

 

Sie setzen sich folglich systematisch damit auseinander, wie sie z. B. UNITEDINTERIM, XING, LinkedIn sowie Twitter und YouTube für sich nutzen können. Und sie lernen.

„Alte“ Hasen – Digital Immigrants

 

Der andere Teil, älter, oftmals Menschen, die kurz vor 60 das Unternehmen verlassen haben, erkennt das spürbar weniger – und stellt damit seine „zweiten Karriere“ von Tag eins an auf wackeligen Boden!

 

Digital Immigrants werden in der Szene als „vor 1980 geboren“ eingeordnet. Die jüngste Interim Managerin bei UNITEDINTERIM wurde 1979 geboren, der zweitjüngste 1977. Somit zählen ausnahmslos alle (!) Interim ManagerInnen bei UNITEDINTERIM zu den Digital Immigrants.

 

Der Vollständigkeit halber: Die größte Gruppe bei UNITEDINTERIM wurde zwischen 1956 und 1966 geboren – ich im Übrigen auch (1957) – also 14 bis 24 Jahre vor 1980! Und sie hat dennoch den Weg in die Digitale Welt gefunden! Respekt!

 

Viele andere haben das nicht! Viele dieser anderen gehören zur „Brauche-mer-net!“-Fraktion.

 

Ich kann das durchaus nachvollziehen, wenn Sie zu meinem Jahrgang gehören und sagen: „Das tue ich mir nicht mehr an! Ich mach nicht mehr lange, dann hör´ ich ohnehin auf – und bis dahin werde ich schon noch das eine oder andere Mandat über mein Netzwerk erhalten!“

 

Das ist nachvollziehbar und ehrlich und ist deshalb völlig in Ordnung – auch, wenn ich vollkommen anders drauf bin…

 

Nicht nachvollziehbar ist es, wenn ich noch fünf bis 10 Jahre vor mir habe (ich halte ganz persönlich ein Rentenalter von 70 Jahren für völlig realistisch): Dann muss ich mich mit diesen Dingen beschäftigen! Denn – Achtung (!) – meine Kunden tun es auch.

 

Und meine potentiellen Kunden werden sich über mich im Internet informieren: Oder glauben Sie tatsächlich, dass ein Kunde Ihren Lebenslauf auf dem Tisch hat – über welchen Kanal auch immer – und das war´s dann?

 

Im Leben nicht!

 

Sie können mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unterstellen, dass „Sie gegoogelt werden“!

 

Was nun wird dieser potentielle Kunde an weitergehenden und ihn weiterbringenden Informationen über Sie finden?

 

Blogbeiträge, Fachbeiträge, Videos und vielleicht Bilder – so wie die Bilder, die ich hier für meinen Freitag-Blog mache? Was übrigens auch Zeit und Geld kostet – und für alle, die dies möglicherweise verdrängen möchten: Allein für die Investitionen in meine Ausrüstung könnte ich UNITEDINTERIM über 25 Jahre lang nutzen…

 

Versetzen Sie sich mal in die Rolle Ihres potentiellen Kunden – nur spielerisch. Nur zum Spaß – und ohne dass es ein Dritter mitbekommt ….

 

Googeln Sie sich mal selbst! Was zeigt Ihnen Google dann als Ergebnis? Und wie ordnen Sie dieses Ergebnis für sich ganz persönlich ein?

 

Haben Sie eine Digitale Identität oder sind Sie ein Niemand?