CORONA: KRYPTONIT FÜR SUPERMANN?!

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_East_Side_Galery_Berlin_2020In früheren Jahren wäre ich sicher auf den heutigen Freitag, einen dreizehnten, eingegangen. Im Corona-Jahr ist das so nebensächlich wie nur eben denkbar – auch wenn bei Twitter heute der Gag umgeht: „Ist die Infektionsgefahr am Freitag, dem 13ten, höher als sonst?“ (@gallenbitter).

 

Nun geschieht in diesen Tagen so allerlei.

 

Unsere Tage beginnen mit den aktuellen Infektionszahlen – und hören mit den letzten Meldungen zu diesem Thema auf: von wem auch immer. Die Menschen fragen sich kurz nach dem Martinsfest, ob sie wohl das Weihnachtsfest mit ihren Lieben werden feiern können. Ich empfange die ersten Signale, dass diese Hoffnung durchaus trügerisch sein könnte.

 

In den USA wurde ein neuer Präsident gewählt – was der bisherige Präsident nicht zu glauben scheint – und das Thema „Brexit“ gärt schwelend vor sich hin.

 

Und wenn ich auf das Interim-Business blicke, so spüre ich tektonische Verschiebungen

Erste Interim-Provider haben aufgegeben

 

Wir haben das gesamte Provider-Dictionary bei UNITEDINTERIM durchgeklickt und mussten feststellen, dass fünf Provider nicht mehr am Markt tätig sind. Ein kurzer Blick auf https://www.northdata.de/ zeigte in drei Fällen den Status „in Liquidation“.

 

An dieser Stelle ganz deutlich: Ich stelle das ohne jede Schadenfreude und ohne jede Häme fest! Menschen in einer Festanstellung können sich das möglicherweise nicht wirklich gut vorstellen, aber für jeden, der sein eigenes Unternehmen führt, ist das sicher kein Vergnügungssteuer-pflichtiges Unterfangen. Meist geht damit ein spürbarer persönlicher Schaden einher – durchaus auch finanzieller Art.

 

Eins muss ich jedoch auch zugeben: Ich habe mich immer gefragt, weshalb so viele Interim Management-Provider sich freiwillig derart hohe Fixkosten ans Bein binden – während das Projektgeschäft nun einmal erratisch verläuft – zumindest aber verlaufen kann. Im derzeitigen Markt wird das überdeutlich.

Erste Interim Manager haben aufgegeben

Im vergangenen Monat bin ich bereits kurz darauf eingegangen [Die K-Frage im Interim Management]: Es ist zweifelsfrei festzustellen, dass der eine Interim Manager oder die andere Interim Managerin sich jetzt ins Rentnerdasein zurückziehen.

 

„Ich tue mir das nicht mehr an, Herr Becker!“ oder „Aber ich muss gestehen, ich habe mich die letzte Zeit auch nicht mehr 100 prozentig gekümmert. Ich bin ohnehin seit einiger Zeit am Überlegen, demnächst in Rente zu gehen. Und so ist es ganz angenehm, Freizeit zu genießen, auch wenn ich gerne nochmal durchgestartet wäre.“

 

Das ist völlig in Ordnung und daran ist überhaupt nichts Ehrenrühriges!

 

Dennoch legen diese beiden Kommentare offen, dass auch die Interim Manager diese tektonischen Verschiebungen sehr genau registrieren. Für sich ganz persönlich haben sie jedoch entschieden, das Gebiet dieser Verschiebungen zu räumen – und sich nicht mehr mit einem individuellen Stabilisierungsprogramm dagegen zu stemmen.

 

Sicher werde ich das in ferner Zukunft auch so machen.

Andere Interim Manager suchen den Anschluss

Niemanden wird es überraschen, wenn ich bekenne: Wir können die „Digital Skills“ der Interim Manager sehr gut einschätzen – einfach aus den Erfahrungen im Tagesgeschäft der offenen Plattform UNITEDINTERIM. Und wir stellen fest: Es gibt eine Gruppe von Interim Managern und Managerinnen, die hat für sich entschieden, den Anschluss zu finden oder zu halten. Wie richtig das ist, darauf sind wir in unserem heutigen Friday Talk eingegangen: „DACH-Region: Personalbeschaffung bleibt auch nach Corona digital | Wie reagieren Interim Manager?

 

Diese Interim Manager und Managerinnen haben meinen vollen Respekt! Sie stellen sich den neuen Herausforderungen. Sie akzeptieren, dass auch sie lernen müssen (ja, tatsächlich!) und sie tun es – auch und obwohl das keineswegs einfach ist. Chapeau!

 

Diese Gruppe ist – Gottlob! – groß. Wenn´s anders wäre, wäre unsere „Digital Toolbox“, die wir gemeinsam mit Dieter Puganigg anbieten, die reine Verschwendung von Zeit und Ressourcen. Ein Akt, mit dem ich mich traditionell recht schwertue.

Einige Interim Manager haben sich an die Spitze der Bewegung gesetzt

Ich möchte sie hier nicht alle nennen – auch, weil ich am Freitagnachmittag sicher einen oder eine vergessen und damit dem oder derjenigen bitter Unrecht tun würde. Jedoch wird der geneigte Leser diese Menschen sofort erkennen, sobald er sich professionell in der Digitalen Welt bewegt – bei YouTube, Twitter, Xing und LinkedIn.

 

Diese Interim Manager und Mangerinnen werden jeden Kunden überzeugen, wenn´s um digitale Skills geht. Dass kein Kunde heute mehr in Beifallsstürme ob eines „Ich bin digital affin!“ ausbricht, dürfte sich spätestens seit Professor Singers erstem Kapitel im Fachbuch „Karriere-Handbuch für Interim Manager“, auf das ich unten verlinke, herumgesprochen haben.

 

In der Vergangenheit hat die Presse gern das Bild vom „Supermann“ benutzt, um die Interim Manager Leser-wirksam zu beschreiben. Dies war schon immer ein Zerrbild – und alle Insider wussten das. Aber sehr viele gefielen sich auch in diesem Bild – natürlich, ist es doch überragend positiv belegt. Und: Wer würde da schon über Preise reden…

 

Ich muss grinsen, wenn in dieser Bilderwelt mein Hirn assoziiert:

 

Corona: Kryptonit für Supermann?!

 

 

 

Weitere Informationen

 

Bestellen

 

DIE K-FRAGE IM INTERIM MANAGEMENT

Inte-rim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Selbstportrait_mit_Fachbuch_vor_Leonardo_von_Gaetano_GrossWir haben die 2. Virtuelle Fachtagung Interim Management überschrieben mit

 

Interim-Business mit Corona“.

 

„Mit“ Corona – nicht „nach“ Corona! Auch wenn wir das alle im April insgeheim gehofft, wenn nicht gar erwartet hatten.

 

Ich habe diesen Frühjahrs-fröhlichen Erwartungen, die deutsche Wirtschaft würde in „V“-Form aus der Corona-Krise herauskommen, von Beginn an sehr skeptisch gegenübergestanden.

 

Nicht, weil ich so helle bin. Sondern weil ich als „alter weißer Mann“ – Achtung! – die in der Vergangenheit typischen Verhaltensmuster der deutschen Unternehmen kenne. Zwar ist mir bewusst, gerade heute!, dass die Vergangenheit nicht zwingend die Blaupause für die Zukunft sein muss:

 

Doch fällt es mir schwer zu glauben, dass die deutsche Wirtschaft das auch so sieht – in der Breite, versteht sich: Es gibt – wie stets – Ausnahmen, die mich ebenso stets aufbauen.

 

September 11 (2001) und sieben Jahre später die Banken- und Finanzkrise haben gezeigt, wie die deutschen Unternehmen in Zeiten der Unsicherheit agieren: Sie halten ihr „Pulver trocken“! Das ist absolut nachvollziehbar – und daran ist rein gar nichts Ehrenrühriges!

Unternehmen halten ihr Pulver trocken

 

Gemeint ist damit, dass sie – bildlich gesprochen – auf der Kasse sitzen und konsequent alle variablen Kosten auf Null herunterfahren. Solange ich denken kann, gehören hierzu Reisekosten, Weiterbildung und Berater: Und in diese letzte Kategorie fallen aus der Sicht der Unternehmen auch alle Interim Manager. In jüngerer Zeit wird darüber hinaus gern einmal Marketing und Werbung zu Ader gelassen.

 

Wer nun würde ernsthaft bestreiten, dass das durch die Coroa-Krise bestimmte Umfeld hochgradig durch Unsicherheiten geprägt ist?

 

Daraus folgt zunächst einmal ganz pragmatisch, dass wir Einbrüche in der Wirtschaft zumindest in Höhe der Rezessionen in den Jahren 2001 und 2008/2009 erwarten mussten. Wäre da nicht die Politik gewesen, die davon sprach, dass Deutschland von der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte stünde.

 

Spätestens dann war klar, der absteigende Schenkel des „V“ würde geschichtemachende Ausmaße annehmen.

 

Was war dann für den aufsteigenden Schenkel zu erwarten?

 

Mag ja gut sein, dass ich nur einer innerhalb eines kleinen Häufchens gewesen bin. Selbst wenn ich mein Hirn nicht, sondern einfach die öffentlichen Zahlen zur Rate ziehe (Quelle: Statista), dann wird sichtbar, dass ein Absturz über fünf Monate (April bis August dieses Jahres; seit September gibt es erste Erholungstendenzen) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht in den folgenden fünf Monaten ausgeglichen werden kann.

 

Ein Verlauf, den auch jeder Aktionär kennt, der mal einen Crash mitgemacht hat…

 

Damit war für mich ganz persönlich das „V“-Modell tot!

 

Auf all die anderen durch Buchstaben visualisierten Modelle, die kluge Köpfe ersonnen hatten (wie „W“, „U“ oder „L“), möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, weil sie nichts zur Sache tun. Stattdessen ist mir in der vergangenen Woche ein bemerkenswertes, neues Modell untergekommen: Das „K“-Modell.

In der Krise – zwischen Erfolg und Absturz

 

Das „K“-Modell erwartet, dass aufgrund der epochalen Veränderungen, die im Sog der Corona-Krise derzeit stattfinden, einige Unternehmen von der Krise unterm Strich profitieren und noch stärker werden. Der aufsteigende Arm des „K“ also – und mir fallen hier spontan zumindest Amazon und das eine oder andere Unternehmen aus der „Life-Science“-Indistrie ein.

 

Andere Unternehmen jedoch werden sich nie mehr so ganz erholen. Ich halte das für durchaus denkbar, wenn ich z. B. an Messen, Hotels oder Airlines denke.

 

So ist es für Carsten Spohr, den Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa fraglich, ob sein Unternehmen jemals wieder die Umsätze der Jahre 2017 bis 2019 erreichen könne.

 

Nun, was bedeutet das für Interim Manager und Managerinnen – abgesehen davon, dass wir, in der Breite, vor ungemütlichen Zeiten stehen?

 

Ich bin davon überzeugt – man möge mich steinigen –, dass dieses „K“-Modell auch hier gilt:

 

Einige werden von der Krise unterm Strich profitieren, und noch stärker werden. Einige davon habe ich sofort vor meinem geistigen Auge. Sie nutzen die modernen Möglichkeiten für ihr Geschäft – vornweg Videos, Blogs und Case Studies. Sie arbeiten konsequent an ihrer eigenen Marke, ihrer eigenen, eindeutigen Positionierung. Und sie erhalten auch in diesen Zeiten Anfragen neuer (!) Kunden. In einem für mich durchaus überraschenden Ausmaß. Der guten Ordnung halber möchte ich erwähnen, dass das gemeinhin mit spürbarer Arbeit auf Seiten der Interim Manager einhergeht. Hierzu gehört zwingend, dass sich diese Interim Manager und Managerinnen in diese neuen Themen eingearbeitet haben – um nicht zu sagen: eingebuddelt haben!

 

Und eben andere werden sich nie mehr ganz erholen. Der eine Teil erkennt das bereits – und steigt aus dem Geschäft aus. Aus Altersgründen – was völlig in Ordnung ist. Einer ergänzte: „Das tue ich mir nicht mehr an, Herr Becker!“

 

Der andere Teil baut strategisch auf ein „Weitermachen wie bisher“, während die Welt um uns herum sich genau davon verabschiedet hat. Ich bin fest davon überzeugt – wie stets, hat jeder das Recht, das völlig anders zu sehen! – dass diese Strategie des „Ich bin wieder verfügbar – und hier ist mein aktueller CV!“ nicht mehr erfolgreich sein wird.

 

Gefühlt sind sehr viele Interim Manager und Managerinnen aus der ersten Gruppe bei UNITEDINTERIM dabei. Und wir und alle anderen Marktteilnehmer sehen ganz klar, „was die drauf haben“ – im CV und vor allem: Darüber hinaus! Und das ist jede Menge!

 

Unabhängig davon stellt sich für jeden Interim Manager und jede Interim Managerin derzeit:

 

Die K-Frage im Interim Management.

 

 

 

 

Weitere Informationen

 

Bestellen