Friday 22. July 2016

DIE INTERIM-SZENE MUSS NOCH PROFESSIONELLER WERDEN!

MANATNET_Interim_Blog_Foto_J_Becker_Die_Interim_Szene_muss_noch_professioneller_werden„Der Begriff Interim Management ist in der deutschen Industrie verrückterweise eher negativ belegt: Deshalb verwende ich in meinen Akquisitions-Gesprächen nur noch den Begriff „Projektmanagement – auch auf der Führungsebene!“

 

Dieser Satz fiel gestern in einem Telefonat mit einem Geschäftspartner, den ich sehr schätze – und er, der Satz, hat mich zugegebenermaßen sehr nachdenklich gemacht.

 

Nein, wir sollten diesen Satz nicht leichtfertig vom Tisch wischen. Auch wenn ich das schon beinahe wieder verdrängt habe: Erst vor knapp einem Jahr habe ich hier über VORBEHALTE GEGEN INTERIM MANAGER geschrieben und – etwas länger her – vom Kunden berichtet, der im Akquisitionsgespräch entwaffnend konstatierte: „Interim Management? Gottlob sind wir bisher ohne klargekommen!“

 

Lobet den Herrn, denn er schützt uns voll aller Unbill! Nein, das ist bitte nicht als Blasphemie meinerseits zu verstehen! Und natürlich sehen das viele Unternehmen anders und haben die umfangreichen Vorteile des Interim Managements schätzen gelernt. Anders wäre ein Markt von gut 2 Mrd. Umsatz (Quelle: AIMP-Providerumfrage 2016) schlichtweg nicht möglich.

Interim Management ist noch kein Massengeschäft

 

Dennoch zeigte schon damals diese Aussage, die spontan und unvorbereitet erfolgte, wie weit doch das Interim-Geschäft noch entfernt ist von einem ganz normalen oder gar von einem „Massengeschäft“: Aber genau dort wollen wir hin!

 

Deshalb an dieser Stelle die ketzerische Frage: Kann das denn überhaupt gelingen, wenn die Begriffe an sich, Interim Management und Interim Manager(innen), noch weithin tendenziell negativ belegt sind?

 

Im spontanen Reflex antwortet man dann gern: „Oh nein, wohl kaum…!“ und versucht prompt mit alternativen, nun eher positiv belegten Begriffen gegenzusteuern. Die lauten dann zum Beispiel „Experte“ oder – moderner, weil anglophil – „Independent Professional“. Und es gibt weitere…

 

Aus meiner Sicht hilft uns das nicht wirklich aus dem emotionalen Dilemma. Stattdessen schaffen wir ein mannigfaches Begriffs-Wirrwarr, das den Kunden eher verunsichert als bestärkt zurücklässt.

 

Was also ist zu tun?

Provider müssen auf Zeit setzen und auf Qualitätsarbeit!

 

Ich denke, wir müssen zunächst konsequent hochqualitative Arbeit abliefern. Wir, das sind die Interim-Provider und die Interim Manager. Dass wir hier bereinigen und sprichwörtlich die Spreu vom Weizen trennen müssen, steht für mich außer Frage.

 

Und dann werden wir einen langen Atem brauchen. Bis die Menschen auf der Kundenseite, die Interim Management heute emotional ablehnen, altersbedingt weniger und durch andere Menschen ersetzt sein werden, die keine solchen Ressentiments kennen.

 

Ich habe diese Situation mehrfach mit dem Leasing von Autos oder Factoring verglichen:

 

Die Älteren unter uns erinnern sich schmunzelnd an die ersten Jahre im Leasing („Wenn ich nicht mal mehr mein Auto bezahlen kann, dann lass‘ ich’s besser!“) oder im Factoring („Wenn ich schon meine Forderungen verkaufen müsste, dann stünde es aber Zappen-duster um meine Firma!“).

 

Heute soll der Leasinganteil beim BMW 5er, Audi A6 und der Mercedes E-Klasse etwa drei Viertel aller in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge umfassen. Auch in der Klasse darunter (3er, A4 und C-Klasse) soll inzwischen die Hälfte der neuen Fahrzeuge geleast werden.

 

Und der Vollständigkeit halber: „Die Umsätze der Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbandes e.V. stiegen in 2015 erneut um 10,1 Prozent auf 209,0 Mrd. Euro an.“ (Quelle: DFV). Das entspricht etwa einer Vervierfachung des Geschäftes allein in den vergangenen zehn Jahren.

 

Ich habe daher genügend Phantasie, mir ein enormes Wachstum im Interim-Geschäft vorstellen zu können! Wenn wir weiter hart arbeiten, unser Geschäft nicht als Nebenerwerb oder gar als “abfallende” Dienstleistung, sondern als unser Kerngeschäft verstehen, in dem wir stets besser werden wollen. Oder, wie hieß es vor schon vor rund 35 Jahren? “In Search of Excellence”. Und genau hier denke ich: Wir sind noch lange nicht am Ziel! Mit einem Wort:

 

Die Interim-Szene muss noch professioneller werden!

 

Friday 15. July 2016

SOCIAL MEDIA – ODER: WIE FISCHE ICH IM TRÜBEN?

MANATNET_Interim_Blog_Foto_J_Becker_Social_Media_oder_wie_fische_ich_im_TrübenNun, ich denke nicht, dass irgendjemand mir eine übertrieben kritische Einstellung zu allem rund ums Internet attestieren wird. „Rund ums Internet“ schließt selbstverständlich die „sozialen Netzwerke“ ein.

 

Zwar nutze ich nicht alle – aber Facebook, Twitter, Youtube, Xing und (eingeschränkt) LinkedIn durchaus.

 

Soweit das  Interim-Geschäft betroffen ist, werden die „sozialen Netzwerke“ von meinen Provider-Kollegen unisono mit dem Attribut „bringt nichts“ versehen. Ich stimme dem zu – auch öffentlich! Dennoch bin ich davon überzeugt, dass sich das langfristig ändern wird und dass sich Social Media auch auf das Interim-Geschäft auswirken wird.

 

Ich betone: „Langfristig“!

 

In der vergangenen Woche habe ich mich breitschlagen lassen, einem Key Account von MANATNET aus der Automobil-Zulieferindustrie bei der Suche nach Kandidaten für eine Festanstellung zu helfen. Ja, das ist nicht unser Kerngeschäft. Und, ja: Wir haben als auf das Interim Management spezialisierter Internet-Marktplatz keinerlei Kandidaten in diesem Segment.

 

Dennoch will ich dem Kunden helfen:

 

Mein erster Gedanke gilt XING. Also suche ich nach „Automobilbau“. Erste Hürde: Ich kann nur nach „Automobil und Fahrzeugbau“ suchen. Flugzeuge, Raketen, Eisenbahnen und ähnliche Gefährte nützen mir aber nichts…

 

Ich verknüpfe das mit den Linienfunktionen, die ich abdecken möchte. Das Ergebnis bei allen Suchabfragen: Zwischen 500 und 1.100 Treffern!

Hürden ohne Ende bei XING

 

Wer, bitte, soll die alle durschauen? Und weil das so ist, kappt XING die Trefferliste bei 300 Treffern. Ob auf diesem Teil der Trefferliste nun die am besten geeigneten Kandidaten ihren Platz gefunden haben – oder ob sie am hinteren, gekappten Ende auftauchen, das bleibt das Geheimnis von XING und lässt mich unglücklich und unsicher zurück…

 

Ich tue es wirklich: Ich schaue vier Trefferlisten mit jeweils 300 Profilen durch. Gut gemachte, aussagefähige auf der einen Seite. Unterirdische, lieblos hingerotzte auf der anderen Seite.

 

Kandidaten, die aus meiner Sicht grundsätzlich in Frage kommen, schreibe ich an: „Sind Sie offen für eine neue Aufgabe? Für ein weltweit agierendes Unternehmen […] suche ich Mitarbeiter, die diese Aufgabe übernehmen möchten […].“

 

Nach zwanzig solcher individuellen (!) Anschreiben per Plattform-interner Mail lässt XING den Vorhang fallen: “Ihr Limit wurde erreicht. Morgen dürfen Sie weitere Nachrichten schreiben!” Ups….

 

Im Kopf wird schnell überschlagen: 300 Treffer mal 4 geteilt durch 20 gleich 60. Also drei Monate. Aha! Bis dahin sollten die Kandidaten eigentlich an Bord und bereits eingearbeitet sein…

90 Prozent der Kandidaten antworten nicht einmal!

 

Inzwischen habe ich 56 potenzielle Kandidaten angeschrieben. Sechs haben geantwortet: Zwei fühlen sich im derzeitigen Job wohl, zwei sind nicht mobil („Ich bleibe in Oberbayern!“) einer hält sich, ganz bescheiden, für überqualifiziert. Und einer ist interessiert!

 

Sage und schreibe 50 Kandidaten (fast 90 Prozent!) haben sich gutgelaunt in einem Netzwerk für die berufliche Weiterentwicklung angemeldet – und reagieren nicht einmal! Einige davon haben „Hinweisschilder“ am Profil „Suche neue Aufgabe“ (oder geschmeidiger: „Herausforderung“) oder aber „Bin für Angebote offen“.

 

Ich suche eine neue Herausforderung – zeige mich jedoch schon mit der Standard-Kommunikation überfordert! Donnerwetter: Das ist ja mal eine gesunde Basis für eine tolle Karriere!

 

Ich gebe ja die Hoffnung noch nicht auf! Dennoch bleibt heute, am Freitag, dieses Bild hartnäckig vor Augen:

 

Social Media – oder: wie fische ich im Trüben?

 

Friday 08. July 2016

DANN MACHT INTERIM-MANAGEMENT WIEDER SPASS!

MANATNET_Interim_Blog_Foto_J_Becker_Dann_macht_Interim_Management_wieder_SpassIn der Interim Management-Szene kennen sich die meisten Player. Und ein gehöriger Teil kennt sich sogar recht gut und, ja!, vertraut einander. Auf dieser Grundlage wird dann bisweilen recht offen miteinander geredet, ohne dass Kunden- oder Projektgeheimnisse ausgeplaudert würden. Darum geht es ja auch gar nicht!

 

Vielmehr geht es um unser Geschäft als solches, um Entwicklungen, Erlebnisse und Eindrücke jeder Art. Nun werden es mir meine Leser sicher nachsehen, dass ich an dieser Stelle kein Vertrauen verletzen werde (an anderer Stelle im Übrigen auch nicht: Niemals!). Dennoch kann ich folgendes festhalten:

 

Nicht zum ersten Mal sagte in dieser Woche ein geschätzter Provider-Kollege: „Das Geschäft macht keinen Spaß mehr!“ Und ein anderer: „Ich hab´ einfach keinen Bock mehr!“

 

Nun erwarten Interim-Provider keineswegs einen Rücksturz ins Paradies vor dem Sündenfall! Aus meiner Sicht erwarten sie schlicht das, was letztlich alle Unternehmen und die dafür arbeitenden Menschen erwarten: Anerkennung für ihre Arbeit und Fairness, was durchaus bis zum Entgelt reicht.

 

Eine nicht völlig aus der Luft gegriffene Erwartung also.

Fairness als Eckpfeiler im Interim Management

 

Auf die Fairness bin ich in meinem Blog hin und wieder eingegangen: Sie ist ein elementarer Eckpfeiler meines Denken und Handelns und für mein Unternehmen MANATNET. Sie wird mitunter (ausdrücklich: nicht im Regelfall!) gefressen von Egoismus und Egozentrik: Die Ergebnisse dieser Fresserei reichen vom Vorwurf der „Sittenwidrigkeit“ oder „Abzocke“ bis hin zum Betrug, wenn ein Interim Manager unseren Erlösanteil nicht weiterleitet. Und das, selbstverständlich, von Professionals nach eigenem Gusto.

 

Hier haben wir ein Kernproblem, das dem „macht keinen Spaß mehr“ zugrunde liegt. Interim Manager greifen den Interim-Provider an (verbal natürlich), weil er für das Projekt XY dem Kunden nicht vorgeschlagen wurde. Der Hinweis des Providers, dass er, der Interim Manager, die Anforderungen des Kunden nicht abdecke, ja, dass alle KO-Kriterien im CV nicht einmal erwähnt würden, wird dann gern mit einem dieser beiden „Argumente“ vom Tisch gewischt:

 

(1) „Ich habe diese Skills nicht, kann sie mir aber sehr schnell aneignen.“

(2) „Ja, das steht nicht im CV: Ich kann ja nicht alles abbilden…!“

 

Dies zeigt zunächst völlige Unkenntnis der Entscheidungsparameter auf der Kundenseite – und es legt zudem, nicht ungewöhnlich, Unterschiede im Eigen- und im Fremdbild offen.

Spaßbremsen im Interim Management

 

Als weitere „Spaßbremsen“ haben sich „Umgehungsversuche“ und das „Nachverhandeln des Tagessatzes“ während des laufenden Projektes herausgebildet.

 

Während „Umgehungsversuche“ aus meiner Sicht einem Diebstahl entsprechen (Der Interim Manager stiehlt dem Interim-Provider den ROI auf seine Vertriebsinvestitionen in eben diese Kundenverbindung), sind die Versuche, den Tagessatz nachzuverhandeln ein Armutszeugnis, mit einem Drall ins Erbärmliche:

 

Der Interim Manager möchte ein höheres Honorar. Typischerweise, weil „das Projekt sich viel umfangreicher darstellt als abgesprochen!“

 

Bemerkenswerter Weise ist das so etwas wie der Standard-Weg eines Interim Management-Projektes. Zumindest aus meiner Erfahrung…

 

Gute Verträge beschreiben daher die Aufgaben des Interim Managers (und natürlich, wie immer: der Interim Managerin!) sehr genau. Und sie enthalten die Klausel: „Zusätzliche Aufgaben können übernommen werden, sofern beide Seiten dem zustimmen.“ Und ein fairer Kunde (und das sind die meisten!) wird das mit einem etwas höheren Tagessatz entgelten.

 

Hier aber sind wir im Netz der von mir so gar nicht geliebten Dreiecksverträge, denn daraus folgt: Der Interim Manager geht mit seinem Ansinnen an den Interim-Provider, seinen Vertragspartner. Sein Ansinnen „höherer Tagessatz“ muss somit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus der Marge des Providers finanziert werden: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Interim-Provider an seinen Kunden geht mit dem Satz: „Was halten Sie davon, wenn wir ab morgen dem Interim Manager mehr zahlen…?“

 

Im direkten Vertragsverhältnis wie wir es bei MANATNET anwenden, wird so etwas viel seltener vorkommen, weil der Interim Manager seinen Wusch direkt mit dem Kunden besprechen müsste: Entweder, der Kunde hat diesem erweiterten Projektumfang samt Prämie im Tagessatz zugestimmt – und dann gibt es nichts mehr zu besprechen. Oder aber, auch dieser erweiterte Umfang findet sich nur im Eigenbild des Interim Managers wieder – und nicht im Fremdbild des Kunden: Auch dann gibt es nichts zu besprechen.

 

Und dann: Dass die „Leads“ und „Deals“ sich bei vielen Interim-Providern inzwischen in grotesken Quoten gegenüberstehen, erwähne ich nur der Vollständigkeit halber. Dass das nicht gutgehen kann auch!

 

Was also sagt uns das alles?

 

Ich denke, statt ständig dieses mich scheinbar als modern charakterisierende „Win-Win“-Geblubber widerzukäuen, ist es an der Zeit, dass sich der eine oder andere Marktteilnehmer – durchaus nicht nur im Interim-Geschäft – mal wieder mit den scheinbar altbackenen Begriffen „Partnerschaft“ und „Fairness“ auseinandersetzt. Dies schließt ausdrücklich den einen oder anderen Interim-Provider ein!

 

Ich bin zutiefst davon überzeugt:

 

Dann macht Interim-Management wieder Spaß!

 

Friday 01. July 2016

DIE 1,99 EURO-HÜRDE IM INTERIM MANAGEMENT

MANATNET_Interim_Blog_Foto_J_Becker_Die_1_99_Euro_Hürde_im_Interim_Management„Also, Herr Becker: Dieses meine-verfuegbarkeit.de, das Sie mir da vor einiger Zeit vorgestellt haben, das ist ja ganz gut. Aber das ist nicht mehr kostenlos! Da mache ich nicht mehr mit!“

 

Nun, für alle meine Leser, die diese Dienstleistung nicht kennen: Meine Verfügbarkeit ist ein schlanker Online-Dienst, über den Interim Manager einmal (!) ihr Verfügbarkeitsdatum und ihr CV hochladen und an alle angeschlossenen Provider, die also an dieser Stelle ähnlich denken wie MANATNET, in einem Rutsch weiterleiten können. Fertig. Thema erledigt.

 

Sogar ein enorm wichtiges Thema ist somit für die Interim Manager vom Tisch!

 

Denn: Meine Leser wissen, dass ich in fast regelmäßigen Abständen die von vielen Interim Managern miserabel gepflegten Verfügbarkeitsdaten bei MANATNET geißele [FREITAGS ANGEFRAGT – DIENSTAGS ANGEFANGEN] – weil sie mir die Arbeit zur Hölle machen. Und ich meine „Hölle“!

 

Daher kann es nicht weiter verwundern, dass ich ein großer Fan von Norbert Tank und seiner Idee bin. Und daher zahle ich als profitierender Interim-Provider auch meinen jährlichen Obolus.

Meine Arbeit ist ein Vermögen wert – Deine aber nix!

 

Ganz offenbar tut sich der eine oder andere Interim Manager damit erheblich schwerer!

 

Interim Manager: „Aber das ist nicht mehr kostenlos!“

 

Ich: „Aha? Und was kostet Sie das nun?“

 

Interim Manager: „Einen Euro neunundneunzig…! Im Monat!“

 

Selten ist der Minister der Finsternis konsterniert!

 

Ich: „Welchen Tagessatz haben Sie eigentlich bei MANATNET hinterlegt? Soll ich mal schnell nachschauen?“

 

Interim Manager: „1.250 Euro plus Spesen!“

 

Ich: „Und da wollen Sie mit mir tatsächlich über einen Euro neunundneunzig diskutieren?“ Das mir auf der Zunge liegende „Wollen Sie mich eigentlich verarschen…?“ habe ich natürlich in gebotener, professioneller Höflichkeit heruntergeschluckt…

 

An dieser Stelle gebe ich zu: Für diese Denke habe ich schlichtweg kein Verständnis! Und folglich lasse ich mich auf die darauf aufsetzenden Gespräche nicht mehr ein – breche sie ab: Wie dieses hier.

 

Aber glauben Sie mir: Ich muss mich selbst inzwischen zur Ordnung rufen, denn mein Hirn scannt derzeit alle Preise, über die ich in meinem idyllischen Offenburg stolpere, und vergleicht sie mit 1,99 Euro.

 

Fast alles ist teurer – nur der Sprit nicht. Derzeit nicht.

 

Die Chips für das Viertelfinale heute Abend: 1,99 Euro. Du nimmst drei Tüten, weil auch am Samstag und am Sonntag werden Viertelfinals gespielt….

 

Mein Hirn signalisiert: Du verfrisst allein beim Fußball drei Monate „Meine Verfügbarkeit“! Ich muss dringend an mir arbeiten…

 

Möglicherweise stimmt aber auch manchmal einfach der Maßstab nicht!

 

Oder gibt es sie tatsächlich?

 

Die 1,99 Euro-Hürde im Interim Management.

 

Friday 24. June 2016

EIN INTERIM MANAGER IST EIN INTERIM MANAGER

MANATNET INTERIM MANAGEMENT BLOG - EIN INTERIM MANAGER IST EIN INTERIM MANAGERUnser Interim-Geschäft ist ja nicht weit weg vom Geschäft der Unternehmensberater.

 

Auch für mich ist das eine Tatsache.

 

Und folglich ziehen Interim Manager alternativ oder zusätzlich das Werbe-Banner hoch mit der Aufschrift „Berater“ – und die Berater bieten, selbstverständlich, ihren Kunden alternativ oder zusätzlich Dienstleistungen als Interim Manager an. Je nach Großwetterlage und auch daran orientiert, vorbildliche Kundenorientierung, was aktuell, was „en vogue“ ist.

 

Derzeit, so mein Eindruck, ist dies im direkten Vergleich das Interim Management.

 

Auf Seiten der Kunden wird aus meiner Sicht sprachlich und auch betriebswirtschaftlich weit weniger differenziert – was wir nicht zuletzt daran erkennen, dass Interim Manager in der Regel aus dem Budget für Beratungsleistungen honoriert werden. Völlig anders sieht das aus, wenn wir uns die Aufgabe im Kunden-Unternehmen und daraus folgend die Erwartungshaltung des Kunden an den externen Spezialisten ansehen…

Ein Interim Manager kann doch auch beraten!

 

Es gibt Provider-Kollegen, die deutliche Überschneidungen zwischen Aufgabe und Tätigkeit eines Interim Managers und denen eines Beraters sehen („Ein Interim Manager kann doch auch ein Konzept machen!“). Und es gibt andere, die für eine weitaus schärfere Trennung eintreten. Ich gehöre zur zweiten Gruppe.

 

Gute Argumente gibt es, wie so oft, für beide Positionen.

 

Bemerkenswerter Weise bin ich in 14 Jahren, die ich jetzt als Interim-Provider tätig bin, ausnahmslos mit Kunden in Kontakt gekommen, die einen Interim Manager suchten – und dann auch tatsächlich einen Interim Manager bekommen wollten. Und eben keinen Berater.

 

In den Anfängen von MANATNET habe ich nachweisbar Geschäft verloren, weil der Kunde die Interim Manager als „zu beraterlastig“ eingeordnet – und deshalb erst gar nicht zum Gespräch eingeladen hatte.

 

Um diese Situationen zu vermeiden, empfehle ich Kandidaten, die neu bei MANATNET ihre Dienstleistung als professioneller Interim Manager anbieten möchten (oder als professionelle Interim ManagerIN, natürlich!): Nehmt den Begriff „Berater“ konsequent aus Eurem Lebenslauf heraus!

 

Andere Interim-Provider sehen das weit weniger kritisch. Und auch das ist völlig okay, so: In unserem Kulturkreis darf man eine eigene Meinung haben – na ja: Grundsätzlich darf man das („JEDER HAT DAS RECHT, MEINE MEINUNG FREI ZU ÄUSSERN!“).

Der Berater „macht“ einfach nicht!

 

Und doch habe ich es erst in dieser Woche leider wieder erleben müssen, dass meine Einschätzung so falsch nicht sein kann:

 

Ein klasse Interim Manager, Spezialist in seinem Thema. Die Laufzeit des Vertrages geht zu Ende und das Projekt soll für weitere sechs Monate verlängert werden. Überraschend erfolgt der Rückzieher des Kunden kurz vor Vertragsunterzeichnung.

 

Selbstverständlich hake ich dann beim Kunden nach: Ich bin ein ausgeprägt lernwilliger Mensch….

 

„Es hat sich herausgestellt, also hier im Projekt, dass der Interim Manager eher ein Berater ist! Er hat enormes Fachwissen, das uns bisher auch weitergebracht hat. Jedoch hat er sicher keine ausreichenden Führungsfähigkeiten – und er „macht“ einfach nicht. Wir aber brauchen in der jetzigen Phase einen solchen Macher – einen, der kraftvoll handelt, der die Dinge vorantreibt und erledigt!“

 

Tilt! Game over!

 

Machen – führen – die Dinge vorantreiben. Und eben nicht mit Rat an der Seite stehen.

 

Ein schönes Mandat führt nun ein anderer weiter. Die finanziellen Auswirkungen schlagen sich beim Interim Manager und bei MANATNET nieder – nicht beim Kunden, der seinen Cashflow für diese Projekt-Arbeit in andere Kanäle lenkt.

 

Deshalb, meine Kollegen mögen es mir nachsehen!, bleibe ich bei meiner Ausrichtung:

 

Ein Interim Manager ist ein Interim Manager!

 

 

 

 

PS: Ich gebe zu, ich habe darüber nachgedacht, diesen Blogeintrag zu verschieben und mich dem Thema „BREXIT“ zu widmen: Ich habe mich dagegen entschieden.

 

Inzwischen habe ich den Eindruck, jeder – ob wissend oder unwissend – meint, sich äußern zu müssen – was sein gutes Recht ist (siehe oben), aber mein gutes Recht ist es eben auch, zu sagen: „Mir reicht´s jetzt!“

 

Ich möchte dennoch an dieser Stelle vier Aussagen treffen:

 

Emotionale Ebene: Die Entscheidung der Briten macht mich traurig.

 

Humanistische Ebene: Ich respektiere die Entscheidung der Briten – und das ohne jede Einschränkung.

 

Wirtschaftliche Ebene: Ich glaube nicht, dass man sich in der heutigen Welt durch Spaltung stärken kann.

 

Politische Ebene: Ich hoffe, die Entscheidung der Briten ist ein Weckruf für die Politiker in Europa und der Startschuss für etwas, das heute jemand als „Europa reloaded“ bezeichnet hatte! Offenbar gilt auch hier: Weitermachen wie bisher geht nicht mehr….!

 

Friday 17. June 2016

INTERIM MANAGER, EUER LEBENSLAUF IST EINE QUAL!

Lebenslauf im Interim ManagementMein Blog hat als ältestes Interim Management-Blog in Deutschland ja schon einige Jahre auf dem Buckel. Mittunter gehe ich mal alte Blogeinträge durch – meist nur, um zu schauen, was und worüber ich inzwischen schon geschrieben habe. Auch, um Wiederholungen weitgehend zu vermeiden.

 

Nicht weiter verwunderlich habe ich mich an dieser Stelle mehrfach mit König Fußball und seinen Europa- und Welt-Festspielen beschäftigt (INTERIM MANAGEMENT: ZWISCHEN FUSSBALL UND BRÜCKENTAG). Fast hätte ich geschrieben „beschäftigen müssen“, denn aus meiner unmaßgeblichen Sicht wird durchaus ein Stück Dynamik aus den Büros und Hallen deutscher Unternehmen in individuelle oder kollektive Fan-Aktivitäten umgeleitet. Und erstaunlich: Es gibt mehr Menschen als ich dachte, die sich für die Europameisterschaft Urlaub genommen haben…!

 

Selbst in unserer überschaubaren Interim-Szene ist der Einfluss der Fußball-Europameisterschaft unübersehbar: So weist der AIMP im Programm für das kommende AIMP-Regionalforum am 6. Juli in Stuttgart darauf hin: „Ab 21.00 Uhr bei Teilnahme der Deutschen Fußballnationalmannschaft am Halbfinale Übertragung des Spiels“.

 

Na, dann wünschen wir unseren Jungs mal das Beste – und dem AIMP-Regionalforum, an dem ich sicher teilnehmen werde, viele Gäste! Dann kann ich am Freitag darauf vielleicht vom ersten Private-Public-Viewing des AIMP berichten: Hatten wir meines Wissens auch noch nie!

 

Ich_war_gerade_im_GartenNeben dem Fußball beschäftigt das grottenmäßige Wetter die Menschen – die zum kollektiven Frustabbau sehr lustige Tweets in die Welt senden wie z. B. diesen hier: “Ich bin froh, habe ich diesen Sommer bereits meine Bikinifigur, die Leute schauen schon ganz neidisch, wenn ich zum Supermarkt schwimme.” (Robot Redford @lucky_mushroom) Oder aber Bilder in die Welt senden – vorwiegend bei Facebook, wie zum Beispiel dieses hier (in der stillen Hoffnung, dass ich keine wie auch immer gearteten Rechte verletze).

 

Im Schutz der vom Himmel stürzenden Wassermassen hat tatsächlich ein Gentleman namens Akindele M. Elias versucht, mein Unternehmen zu betrügen und 38.450,20 Euro (in staunenden Worten: achtundreißigtausendvierhundertundfünfzig) aus meinem Vermögensbereich auf sein Konto in UK umzuleiten. Der Versuch ist in den engmaschigen Sicherheitsnetzen meiner Bank hängengeblieben, der ich deshalb ehrlich zu tiefem Dank verpflichtet bin. Zwar hat das auf beiden Seiten unnötige Arbeit verursacht, aber dafür konnten wir einen Betrugsversuch abwehren – der, wäre er erfolgreich gewesen, sicher weitaus größere Anstrengungen nach sich gezogen hätte.

 

Dass Anzeige erstattet wurde, versteht sich von selbst. Dass das nichts bringen wird, auch. Das stört mich jedoch nicht wirklich: Mir ist es sehr viel lieber, wenn die Jungs sich mit wichtigerem beschäftigen und z. B. Terroristen jagen…

 

Und im Kerngeschäft – im Interim Management?

Interim Management? Da stellemer uns ma janz dumm…!

 

Nun, derzeit melden sich wieder viele Interim Manager, die bei MANATNET mitmachen möchten: Neueinsteiger und alte Hasen. Den Grund hierfür kenne ich nicht.

 

Aber, was ich in dieser Woche an Lebensläufen erhalten habe, das geht auf keine Kuhhaut – und das durchaus nicht nur von Neulingen im Interim Management!

 

Manchmal muss ich dann an Bömmel aus der Feuerzangenbowle denken: „Wat issen Interim Management? Da stellemer uns ma janz dumm…!“ Und dann intoniere ich mit Engel-reinem Klang immer wieder die gleichen Strophen aus der „Ode an den Lebenslauf“:

 

Nein, niemanden interessiert Deine Grundschule!

Nein, niemanden interessiert Dein Geburtsort!

Nein, niemanden interessiert der Geburtsname Deiner Ehefrau!

Nein, niemanden interessieren Deine Grundkenntnisse in Französisch, während andere genau darin fließend sind!

Nein, niemanden interessieren Deine Hobbies, denn Dein Mandat wird Dir genau dafür jede Zeit rauben!

 

Aber, dass ein Interim Manager, der seit fast 20 Jahren im Geschäft ist, seinen Kunden nur genau diese Information mit auf den Weg geben will – untermauert mit ein paar Zeilen „Bullet Points“ unter der Logik „Ich biete…“: Das ist schon krass! Und ganz besonders, wenn die Zeiten, die mehr als 20 Jahre zurückliegen, im Detail beschrieben werden.

 

Das ist so weit weg vom wirklichen Interim-Leben wie nur eben möglich!

Für Interim Manager ist der Lebenslauf ein Verkaufsprospekt

 

Ich möchte wirklich niemandem zu nahe treten. Ganz und gar nicht! Nein, keinesfalls – denn letztlich sind wir Provider ja auch dafür da: Als Sparrings-Partner, als Coach für die Interim Manager.

 

Dennoch: Ich finde schon, jeder Interim Manager, ob neu oder erfahren, sollte sich schon fragen: „Was genau kann ich gut, ja besser als andere?“ Sich dann gedanklich einmal auf die Seite des Kunden versetzen und versuchen, die Frage zu beantworten: „Warum sollte ein Kunde das kaufen wollen, und dann noch bei mir?“

 

Eine ganz offensichtlich nur scheinbar offensichtliche Übung!

 

Vielleich ist es eine gute Idee, wenn ich bei Gelegenheit mal einen eigenen Blogeintrag dem Thema Lebenslauf/Profil eines Interim Managers widme unter der Logik:

 

Der Lebenslauf ist der Verkaufsprospekt in eigener Sache.

 

Und dann verlinke ich in den ersten Mails mit den jeweiligen Interim Managern darauf, statt mir den Mund fusselig zu reden.

 

Bis dahin jedoch gilt, nicht für alle, doch noch immer für erstaunlich viele:

 

Interim Manager, Euer Lebenslauf ist eine Qual!

 

Friday 10. June 2016

SO GEHT´S HALT NICHT WEITER IM INTERIM-PROVIDING!

 

MANATNET_Interim_Blog_Fotograf_J_Becker_Titel_So_gehts_nicht_weiter_im_Interim_ProvidingAm vergangenen Freitag fand das Branchen-Treffen der Interim-Provider für die DACH-Region samt Vertretern der jeweiligen Verbände statt – zum zweiten Mal. Und wieder auf dem Pilatus am Vierwaldstätter See. Möglicherweise bildet sich hier ein weiterer Jour Fixe für die Interim-Branche heraus…

 

Bei atemberaubend schlechtem Wetter hatte der Pilatus uns in ein allumfassendes Grau gehüllt – und die Aussicht auf so ziemlich alles unterbunden. Ein Albtraum für Touristen – eine Chance vielleicht für uns! Zwang uns dieses unterirdische Wetter in überirdischen Gefilden doch dazu, uns auf unsere Themen zu konzentrieren – und nichts konnte uns ablenken.

 

Die eine Arbeitsgruppe widmete sich dem Thema „aktuelle Rechtliche Situation im Interim Management“; die andere der „aktuellen Marktsituation im Interim Management“. Ich habe der zweiten Gruppe angehört – auch, weil ich mich seit dem Studium in längst vergangenen Zeiten mit juristischen Themen ausgesprochen schwer tue. Welch ein Glück, dass ich im AIMP mit Bodo Blanke einen Juristen an meiner Seite habe!

Nehmen Unternehmen die Provider nicht ernst?

 

In der Arbeitsgruppe „Markt“ haben wir uns auch mit der Frage beschäftigt: Weshalb nehmen nicht mehr Unternehmen Interim Management in Anspruch? Und es war schon – im positiven Sinne! – bemerkenswert, welche Antworten knapp ein Dutzend Teilnehmer beisteuern konnten: 12 Köpfe sind halt besser als einer – so gut wie immer!

 

Ein Kollege meinte in diesem Zusammenhang: „Wir Provider werden von den Unternehmen nicht ernst genommen!“ Und untermauerte seine Einschätzung durch den Vergleich z. B. mit Personalberatern: „Hier weiß der Kunde, wenn er einen Auftrag vergibt, hat das eine Rechnung zur Folge…“

 

Anders beim Interim-Provider: Hier ist der Kunde landläufig der Meinung, er könne mal eben anrufen, die Maschinerie anwerfen und auf erhebliche Vorinvestitionen samt Insiderwissen zugreifen – und dann nonchalant absagen mit der nur scheinbar beim Provider Freude entfachenden, weil demnächst ein Mandat verheißenden, jedoch hohlen Floskel „Gern kommen wir demnächst bei Bedarf wieder auf Sie zu!“

 

Fünf Kundenanfragen, sieben, mitunter zehn kommen auf einen Auftrag. Die anderen versanden – allein die Hälfte davon fällt der dann doch noch ganz überraschenden „internen Lösung“ oder aber dem „Projektstopp“ zum Opfer. Seit Jahren weist die AIMP-Providerumfrage diese Missstände nach.

 

Regelmäßig geißele ich dieses Verhalten – nicht nur hier, in meinem Blog: EIN ÜBERLAUFBECKEN FÜR MEHR EFFIZIENZ oder – vor sage und schreibe sechs Jahren! – UND EWIG LEIDEN DIE PROVIDER.

Der Retainer als Königsweg im Interim-Geschäft?

 

Und doch ändert sich nichts!

 

Oder doch, wenn ich´s genau sehe: Wenn ich meinen AIMP-Kollegen zuhöre, dann wird das offenbar immer schlimmer…

 

Nun sind doch viele Menschen betriebswirtschaftlich nicht völlig unbeleckt. Sie werden wissen, dass mannigfaches Arbeiten für die Tonne sich nicht in einem gesunden Geschäft niederschlagen kann. Und sie werden – wenn sie ehrlich sind – mir zustimmen, wenn ich sage: Das kann wirtschaftlich nicht gut gehen – und das wird wirtschaftlich nicht gut gehen!

 

Nach wie vor mache ich mich stark für das Modell des Retainers – sofort rückzahlbar an das Unternehmen bei Auftragserteilung an den Interim Manager! Wenn das jedoch vom Markt nicht akzeptiert werden sollte, dann werden auf absehbare Zeit eben einige Interim-Provider vom Markt verschwinden, weil die Erlöse aus den realisierten Mandaten die Kosten für die zahlreichen Luftmandate nicht mehr abdecken können.

 

Möglicherweise ist auch das Retainer-Modell nicht die beste Lösung. In diesem Fall bin ich begierig darauf, die bessere Lösung für das Problem kennenzulernen. Aber eins ist aus meiner Sicht absolut sicher:

 

So geht´s halt nicht weiter im Interim-Providing!

 

Friday 03. June 2016

EINE CHRONIK DES SCHEITERNS

MANATNET_Interim_Blog_Fotograf_J_Becker_Titel_Eine_Chronik_des_ScheiternsMein Blog ist überschrieben: „Anmerkungen zum Interim Management aus persönlicher Sicht – unterhaltsam und kritisch“.

 

So ist mein Blog von Beginn an aufgesetzt – und nur für eine solche Ausrichtung bin ich bereit, wöchentlich diesen Aufwand zu erbringen und die entsprechenden Zeitbudgets zur Verfügung zu stellen. Für weitere Belanglosigkeiten aus der Interim Welt unter der Überschrift „Wir sind die Größten, die Tollsten und die Besten – sowie, natürlich, führend!“ bin ich nicht zu haben.

 

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass mein Interim-Blog nur zwei Arten von Lesern kennt: Die einen lieben es und läuten damit zum Teil sogar ihr Wochenende ein. Und das freut mich ganz ehrlich.

 

Und die anderen finden es viel zu kritisch, finster gar oder – ja, wirklich! – zu ehrlich („So etwas kann man denken, aber nicht öffentlich schreiben!“ – [JEDER HAT DAS RECHT, MEINE MEINUNG FREI ZU ÄUSSERN]). Ich habe gelernt, damit umzugehen – und ich trage meinen Spitznamen „Minister der Finsternis“ mit Vergnügen.

 

Mag sein, dass das exzentrisch oder in bester britischer Tradition sogar spleenig ist. Und ich verlange auch nicht, dass das jeder Leser goutiert, denn auch das empfinde ich auf der Basis des gegenseitigen Respektes als völlig in Ordnung.

 

Nicht in Ordnung finde ich es, wenn mir jemand (privat – nicht etwa hier als öffentlichen Kommentar!) schreibt:

 

„Aus Ihren Berichten und Blogs entnehme ich nur eine Chronik des Scheiterns.“

 

Ein persönlicher Angriff – hingerotzt, allgemein gehalten und durch nichts belegt! Wodurch mir zudem die Möglichkeit genommen wird, darauf einzugehen. Hab ich dann auch nicht gemacht…

Humanistc Helpful and Perfectionistic

 

Ein paar Hintergründe zum Autor dieses Blogs:

 

Ich bin humanistisch und kritisch ausgebildet worden. Gleichzeitig habe ich eine Prägung als „Helfer“, was gern einmal ausgenutzt wird und was – ich weiß das seit Mitte der Achtziger – ein Widerspruch in sich und damit ein potenzieller Stressfaktor für mich persönlich ist, den ich jedoch inzwischen recht gut im Griff habe.

 

Grundsätzlich glaube ich nichts, ich hinterfrage alles und gleiche das mit anderen Informationen ab. Und: Ich suche stets nach den Motiven meines Gegenübers: AGE – Angst, Gier oder Eitelkeit.

 

Wenn aber mein Gegenüber dann mein Vertrauen gewonnen hat, dann hält das praktisch ewig und ist nur durch „Verrat“ zu erschüttern. Leider ist mir das (trotz allem) ein paar Mal passiert – und hat im Parallelflug meine Welt erschüttert.

Mein Credo: Gegenseitiger Respekt

 

Folglich bin ich bedauerlicherweise in meinem Leben schon richtig auf die Fresse gefallen! Und – natürlich – wieder aufgestanden. Anderenfalls gäbe es dieses Blog nicht…

 

Zwar stehe ich unverändert für gegenseitigen Respekt und deshalb wird man mich auch kaum in „Tratsch-Runden“ finden. Ich kann sehr gut damit umgehen, wenn jemand eine komplett andere Meinung vertritt als ich. Tatsächlich habe ich einige Freunde, die so geprägt sind. Und ich höre ihnen immer gut zu!

 

Im Gegenzug erwarte ich kecker Weise, dass man auch meine Sicht der Dinge respektiert. Mehr nicht.

 

Des Weiteren muss ich zugeben: Meine Maßstäbe haben sich im Laufe der Jahre deutlich verschoben: Das ist ganz eindeutig!

 

So ist heute für mich Geld nur noch ein Hygienefaktor – aber keine Karotte, hinter der ich herrenne. Daraus abgeleitet beeindrucken mich „neue Umsatzrekorde“ überhaupt nicht mehr – auch nicht in unserer kleinen Interim-Welt. Und so sehe ich für mich ganz persönlich rein gar keinen Sinn darin, dem letzten unausgegorenen Projekt oder dem letzten Prozentpunkt an Provisionen hinterher zu hecheln. Und so ist es für mich vollkommen wurscht, ob MANATNET eine Million jährlich umsetzt – oder zwei oder gar zehn. Solange die „Bottom-Line“ stimmt – und der gilt folglich meine ganze Aufmerksamkeit!

 

Aber in E-Mails untergehen? In Telefonaten absaufen? Unfassbare Zeit in Meetings verbrennen? Den Kalender zukleistern, um von einem Termin zum nächsten zu hetzen?

 

Meine Güte, das habe ich doch alles hinter mir! Ich war doch zu Zeiten von Dr. Burda, Dr. Schwarz-Schilling, Dr. Schremmp oder Middelhoff genauso bekloppt! „If you don´t miss one out of three flights, you´re not efficient!“ lautete unsere wirre Maxime – gefährlich dicht am Irrsinn, am Kollaps und an der Scheidung.

 

Mal ganz ehrlich: Wer braucht denn so was?

 

Und wie bescheuert müsste man sein, das dann auch noch im eigenen Unternehmen zu tun – unter der kruden Logik: Ich mache mich kaputt – und stelle auch noch das Eigenkapital dafür zur Verfügung, damit mir das auch gelingen kann!“

 

Auch wenn ich noch immer als harter Arbeiter gelte: Nicht jeder wird diese Sicht der Dinge teilen – und ich respektiere das. Sogar, wenn er eine solche Einstellung offen (!) geißelt und von mir aus einordnet als:

 

Eine Chronik des Scheiterns.

 

Friday 27. May 2016

YOUTUBE BLOCKT MANATNET-BLOG

MANATNET_Interim_Blog_Fotograf_J_Becker_Titel_YouTube_blockt_MANATNET_BlogKleinlaut und zerknirscht gebe ich zu: Ja, ich habe am vergangenen Freitag keinen Blogeintrag geschrieben!

 

Und: Ja, ich hatte nicht bedacht, welche Folgen diese leichtfertige Entscheidung haben könnte – ganz besonders im Lichte meines Blogeintrags vom Freitag davor (DAS INTERNET DER ZEIT-EXPANSION).

 

Und so ergab sich am Montag diese kleine Korrespondenz bei XING (!) mit einem von mir sehr geschätzten Interim Manager, dessen Freundin ich unbekannterweise noch heute dankbar bin:

 

„Kein Blog mehr am Freitag?!

 

Guten Morgen, Herr Becker,

 

meine Freundin hat mich am vergangenen Freitag um 20:00 Uhr davon abgehalten, Sie noch anzufunken, deshalb erst heute und ganz offiziell meine Frage: Ist der ausgefallene Blog die Konsequenz aus dem vorherigen (“Zeitfresser”) oder ist etwas Ernsthaftes passiert?

 

Mit leicht besorgten Grüßen aus Hamburg,

 

Interim Manager“

 

„Wie nett, Herr Interim Manager,

 

weder noch! In der Tat habe ich mit mir gerungen, ob ich einen Blogeintrag schreiben sollte oder nicht. Ich hab´s dann nonchalant verworfen, weil ich – ja, tatsächlich – auf Sylt in Urlaub bin.

 

Also, ganz im Gegenteil: Alles gut – eine bisschen faul vielleicht….!

 

Gruß von Deutschlands schönster Insel

 

Ihr Jürgen Becker“

 

Damit war klar, dass heute ein Blogeintrag kommen musste!

 

Nun bieten Tage auf Sylt mannigfach schillernde Impulse, die sich für einen Blogeintrag eignen: Von der Nachrichten-Sprecherin, die man abends in der Wein Bar kennenlernt (wo sonst sollte ich sein…?), über den Freund, der nach gefühlten 20 Jahren wieder Fisch probiert und souverän gleich eine Scholle meistert bis hin zur ganz privaten Probe ausgewählter Whisky-Tropfen im Sylter Fäßchen.

Tragische Auswirkungen einer Prozess-Störung

 

Lesenswert, alles – aber nichts für ein Blog zum Interim Management!

 

Aber ich habe ja noch den vergangenen Freitag – und damit die tragischen Auswirkungen einer Prozess-Störung …!

 

Meine Planung sah vor, dass ich vor meinem Urlaub die Videos vom AIMP-Jahresforum 2016 hochladen würde. „Hochladen“, für alle, die sich an dieser Stelle nicht so auskennen, bedeutet in diesem Fall einen dreistufigen-Prozess:

 

  1. Zunächst muss der Kameramann die Dateien in die Cloud hochladen. Danach sendet er mir für jedes Video einen Link auf die jeweilige Datei.

 

  1. Ich muss das Video dann aus der Cloud auf meinen Rechner herunterladen (ja, ich fahre eher ohne Badehose in den Urlaub ….!) – und nutze dafür die lokal verfügbare Downloadgeschwindigkeit.

 

  1. Schließlich muss ich jedes Video in den AIMP-Kanal bei YouTube hochladen – ebenso auf der Grundlage der vor Ort verfügbaren Upload-Geschwindigkeit.

 

Alles kein Thema im Büro von MANATNET mit 100 Mbit rein und 5 Mbit raus.

 

Dann jedoch kam die Nachricht vom Kameramann, dass er eine Woche für einen Dreh nach New York fliegen müsse. Klar, unser Projekt wird dadurch stocken, aber wer steht schon einem Durchbruch auf dem amerikanischen Markt im Wege – womöglich sogar Hollywood!?

 

Somit verschob sich die komplette Down- und Uploaderei in meinen Urlaub.

 

Nun ist es so, dass sich auf Sylt die Domizile traditionell so gut wie ausschließlich über die Lage, Ausstattung, Schwimmbad und Sauna im Wettbewerb positionieren. Nicht jedoch über eine maximale Leistungsfähigkeit der WLAN-Netze: Eine echte Marktlücke, vielleicht…

 

Folglich trugen die lokal vorhandenen knapp 3 Mbit (Down) und 0,356 Mbit (Up) (was Ladezeiten von durchschnittlich 2 Stunden und in der Spitze 5 Stunden entspricht) maßgeblich zur strategischen Ausrichtung meines Urlaubs auf „Entschleunigung“ bei.

 

Auch die Tatsache, dass der Rechner-seitig voreingestellte Stromsparmodus die Arbeit einer ganzen Nacht heimtückisch aus der Dunkelheit heraus sabotieren kann, ist ein willkommener Erkenntnisfortschritt.

 

Inzwischen sind wir fertig, kommunizieren werden wir das jedoch erst in der kommenden Woche – nach meinem Urlaub. Doch soll sich das Lesen meines Blog sich ja lohnen und daher ist hier heute schon der Link auf alle neuen Videos für meine Leser: https://www.youtube.com/channel/UCl6OueT19Vk-SUfhzAuiOxQ

 

Diese Datenschaufelei mit dem Teelöffel in Richtung YouTube also war der wirkliche Grund für den Ausfall am vergangenen Freitag. Für weitere Uploads stand schlicht keine Bandbreite zur Verfügung. Oder mit einem Wort:

 

YouTube blockt MANATNET-Blog

 

Friday 13. May 2016

DAS INTERNET DER ZEIT-EXPANSION

MANATNET_Interim_Blog_ Fotograf_J_Becker_Titel_das Internet_der_Zeit_ExpansionNiemand wird mir attestieren, ich hätte Berührungsängste mit dem Internet und allem, was dazugehört!

 

Wie auch? Ich habe bereits an „Internet-Themen“ gearbeitet, als die meisten Menschen in Deutschland das Wort „Browser“ eher mit dem Entfernen von buntem Herbstlaub durch überlaute Blaser in den Händen städtischer Bediensteter assoziierten als mit dem World Wide Web.

 

Ich habe mich in die unsinnigen Diskussionen eingebracht, ob denn das Geschäft im Internet nun Internet-Commerce, Electronic Business, Internet Business, Web Business oder sonst wie heißen sollte – bis IBM auf einer CeBIT (im Jahr 1999, glaube ich; bin mir aber nicht sicher) mit einem unfassbaren Genie-Streich (wohl finanziert durch unfassbare Budgets: damals ging das noch!) den Begriff E-Business etablierte. Unter anderem durch den Aufdruck auf übergroßen Tüten, die dann so ziemlich jeder der fast 700.000 Besucher der CeBIT (man stelle sich vor!) durch die Hallen trug.

 

Ich habe es erlebt, dass das (unter anderem von BroadVision) propagierte Konzept des „One-to-One“-Marketings vom deutschen Markt äußerst kritisch beäugt und von den Datenschützern in heute kaum vorstellbaren Prozessionen gegeißelt wurde.

 

Ich habe seitdem vieles kommen und auch einiges gehen sehen – mit dem (aus meiner Sicht) Höhepunkt der Rollercoaster „Second Life“ samt „Linden-Dollars“ – an die sich in Deutschland anscheinend kaum noch jemand erinnern kann. Natürlich habe ich mir das alles anschauen müssen: Als Betreiber eines Internet Marktplatzes führt kein Weg daran vorbei, selbst wenn die Ausrichtung auf das Interim Management eine sehr spezialisierte ist.

Testen – sonst kannst Du nicht mitreden

 

Und so habe ich die großen Neuerungen stets getestet: Blog, XING, LinkedIn, YouTube, Twitter und Facebook. Nicht zuletzt aufgrund eines subtilen Drucks von Google unter dem Motto: „Google findet es gut, wenn Deine Site [Platzhalter] macht und „rankt“ solche Sites höher.

 

Was haben diese Namen alle gemeinsam? Sie verursachen Arbeit auf meiner Seite. Und wenn ich alles addiere, dann verursachen sie nennenswerte Arbeit.

 

Und wenn ich das dann alles kritisch betrachte, dann komme ich zu dem Ergebnis, dass ich durchaus zugemüllt werde. Besonders empfinde ich das so bei:

 

XING: Wer dort alles wirbt,  was dort alles angeboten wird und auf welche wichtigen Themen ich unbedingt hingewiesen werden muss, das ist schon ganz erstaunlich!

 

Twitter: Ich habe heute ganze 269 Follower und ich folge 274 Twitter Accounts. Damit bin ich ein Niemand in der Twitter-Welt! Dennoch finden sich an meiner Timeline (so heißt das dort) täglich im Schnitt 180 Tweets wieder.

 

Und schließlich Facebook: Für mich persönlich die Bunte für die Digital Natives – und die Bunte habe ich noch nie gemocht!

Folgeproblem: Digitale Zeitfresser

 

Was tue ich also dagegen, dass mir solche Dienste die Zeit rauben? Ich rufe Twitter und Facebook kaum noch auf – beide Dienste laufen nur noch nebenher. Und ich kenne mich: Das ist der Anfang vom Ende.

 

XING nutze ich nach wie vor intensiv und der Dienst bescheinigt mir prompt auf die digitale Schulter klopfend einen Aktivitätslevel von 100 %. Der Attraktivitätslevel, den ich im Gegenzug an XING vergebe, ist in der jüngeren Vergangenheit kontinuierlich abgesackt – und folglich steht der Dienst auf meiner ganz persönlichen Watch-List, die überschrieben ist mit: Zeitfresser!

 

Gerade hat ein Blog die 10 Phasen des Internet beschrieben – darunter als letzte Phasen das „Internet der Sensorik“ und das „Internet der Values“. Mehr und mehr wünsche ich mir eine „11te Phase des Internet“, die wir idealerweise vorziehen sollten:

 

Das Internet der Zeit-Expansion.