Friday 23. September 2016

ZWISCHEN TRAUMA UND VERTRAUEN

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Gut_dass_es_dich_gibt_Sylt_2016Die Mail erreicht mich am Dienstag um 14.22:

 

„Hallo Herr Becker,

 

wir möchten Herrn Interim Manager gerne zum frühestmöglichen Zeitpunkt bis 31.03.2017 engagieren.

 

Wie geht es nun weiter ?

 

Viele Grüße

Kundin“

 

Natürlich freue ich mich über eine solche Nachricht. Denn sie bedeutet vielerlei: Zum Beispiel, dass wir gut vorgearbeitet haben. Oder schlicht: Dass wir unser Kerngeschäft beherrschen.

 

Ich rufe die Kundin an und schildere ihr, dass der nächste Schritt nur noch die Vereinbarung mit dem Interim Manager ist, die sie direkt abschließen kann. Einen Entwurf wird ihr der Interim Manager liefern (Dass ich dem Interim Manager an dieser Stelle unsere Unterstützung anbiete, versteht sich von selbst.)

 

„Wir haben uns für diesen Kandidaten entschieden, obwohl wir im vergangenen Jahr sehr schlechte Erfahrungen mit Interim Managern gemacht haben!“

 

„Wollen Sie mir davon berichten?“

Schlechte Erfahrungen mit Interim Management

 

„Nun wir hatten im vergangenen Jahr eine vergleichbare Situation. Auch da mussten wir einen Krankheits-bedingten Ausfall verkraften. Wir hatten uns damals den Interim Manager über [Providername, den ich aus Höflichkeit verschweige] beschafft. Den ersten haben wir nach zwei Wochen nach Hause geschickt. Dann kam Ersatz: Den haben wir nach weiteren zwei Wochen nach Hause geschickt. Meine Mitarbeiter sind heute noch traumatisiert“

 

„Warum das?“

 

„Beide Kandidaten haben die Aufgabe nicht stemmen können, waren einfach nicht gut genug. Und dabei waren beide von der Papierform, auf der Basis der Unterlagen, sehr gut geeignet. So wie Ihrer auch!“

 

„Der Interim Manager ist nicht nur von der Papierform gut geeignet, der ist auch in der Praxis sehr gut – und: er bringt auch die PS auf die Straße. Ich weiß dass, weil wir bereits ein gemeinsames Projekt mit diesem Interim Manager gemacht haben.“

 

„Ja, ich weiß: Ich mache dieses Projekt, weil ich letztlich Ihnen vertraue…!

 

Das ist die Bandbreite unseres Interim-Geschäftes:

 

Zwischen Trauma und Vertrauen.

 

Friday 16. September 2016

WIE FÜHRE ICH DEN FAIRSTEN INTERIM-PROVIDER VOR

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Ist_das_wirklich_wahr_Offenburg_2016Der Interim Manager registriert sich im Juli – und erhält im gleichen Monat über MANATNET das Mandat seines Lebens: Eine technische Restrukturierung – auf Betreiben der Banken des Unternehmens aus dem produzierenden Gewerbe. Attraktiver Tagessatz, volle Auslastung über sehr weit mehr als die im Interim-Geschäft typischen Laufzeiten.

 

Die Produktion des Unternehmens wird modernisiert nach allen Regeln der Kunst. Der Arbeitseinsatz ist jenseits von Gut und Böse. Doch die Auswirkungen schlagen sich auf allen Ebenen nieder: Lieferfähigkeit, Liefergeschwindigkeit, Warenlager, Einkauf, Qualität – und, natürlich, in der G&V des Unternehmens.

 

Der Interim Manager wirbt mit seinem Projekt und nutzt es als Referenz – bis hin zur lokalen Presse: Zu Recht!

 

Die Banken entspannen sich. Die Restrukturierung wird abgeschlossen, Kreditlinien werden freigeben. Neue Kunden kommen. Und das Unternehmen und der Interim Manager haben derart Gefallen aneinander gefunden, dass der Interim Manager seine freiberufliche Tätigkeit aufgibt, als Technischer Geschäftsführer ins Unternehmen einsteigt und gleichzeitig eine Beteiligung im zweistelligen Prozentbereich übernimmt.

 

Das sind die Mandate, nach denen wir uns alle die Finger lecken! Alle stehen durch die gemeinsame Arbeit besser da als vorher: Der Interim Manager, der Kunde – und natürlich auch wir als Interim-Provider, die mitverdienen, weil wir diesen Traum erst möglich gemacht haben.

 

Ach, Becker! Nicht schon wieder eine dieser „Was-sind-wir-doch-alle-toll!“-Geschichten – in der Hoffnung, bisher abstinente Kunden endlich doch noch fürs Interim Management zu begeistern! Nein, ganz und gar nicht! Denn das ist nur die eine Seite dieser Geschichte….

Ein Traum für Euch – ein Albtraum für mich!

 

Denn dieses Mandat wurde zur schlimmsten Erfahrung, die ich in meinen nun bald 15 Jahren im Interim Management machen musste. Dieses Mandat zeigt, dass es Menschen gibt, die Fairness, Empathie – ja, einfach nur ein ehrlich mitfühlendes und partnerschaftliches Verhalten in einer unfassbar kaltschnäuzigen Art zu ihrem Vorteil zu nutzen suchen.

 

Es begann damit, dass der Interim Manager, unseren Anteil nicht mehr überwies. Ich möchte das an dieser Stelle mal ganz deutlich aussprechen: So etwas ist die absolut krasse Ausnahme in der Zusammenarbeit zwischen den Interim Managern und MANATNET!

 

Für alle Leser, die bei MANATNET nicht registriert sind: Wir arbeiten nach dem Angelsächsischen Modell. Das bedeutet, der Vertrag wird zwischen Interim Manager und Kundenunternehmen direkt abgeschlossen. Der Kunde zahlt an den Interim Manager und der Interim Manager führt unseren Anteil ab auf der Grundlage der mit uns vorab geschlossenen Vereinbarung.”Dreicksverträge”, die ich von Beginn an als unnötig komplex ablehne, entfallen somit.

 

Mein Nachhaken ergibt: Das Kind des Interim Managers ist schwer erkrankt und liegt auf der Intensivstation – weit weg vom Projektort. Zur massiven Arbeit gesellen sich massive emotionale Belastungen und eine massive Fahrerei für den Interim Manager. Es tut mir leid, aber ich bin halt kein Mensch, der dann sagt: „Einzelschicksal! – Ich erwarte …“ Stattdessen habe ich gesagt: „Okay, dann sehen Sie erst mal zu, dass Sie dabei nicht vor die Hunde gehen! Alles andere machen wir dann… Und vor allem, dass Ihr Kind wieder auf die Beine kommt!“

Ist Geld wichtiger als ein Kind auf der Intensivstation?

 

Kommt es nicht. Stattdessen verschlimmert sich der Zustand in den folgenden Wochen. Ich halte die Füße still – meine Außenstände steigen monatlich. Wir hoffen auf Heilung. Vergeblich. Stattdessen erfahre ich von Reanimationen auf der Intensivstation.

 

Nach langer Leidenszeit kann das Kind die Intensivstation verlassen. Ich vereinbare ein Treffen mit dem Interim Manager: „Sie wissen, wie hoch Ihre Außenstände sind?“ „Ja!“ „Ich habe aufgrund Ihrer schweren Situation im persönlichen Umfeld stillgehalten, aber jetzt hätte ich schon gern mein Geld!“

 

„Das geht nicht.“

 

„Wieso nicht?“

 

„Ich habe überraschenderweise eine Gewerbesteuernachzahlung und –Vorauszahlung leisten müssen! Ich habe dafür Ihre Gelder verwendet.“

 

Es gibt nicht viele Situationen in meinem Leben, in denen ich sprachlos bin!

 

Aber wir sind Geschäftspartner, seit langer Zeit – und wir sind gemeinsam einen steinigen Weg gegangen. Das verbindet, versichern wir uns gegenseitig. Wir vereinbaren eine Ratenzahlung über viele Monate.

 

Keine Zahlung erfolgt! Es verstört mich leicht, dass der Interim Manager seine Vereinbarung nicht einhält. Wir treffen uns nach sechs Monaten erneut und vereinbaren einen neuen Rückführungsplan.

 

Keine Zahlung erfolgt! Es verstört mich schwer, dass der Interim Manager erneut seine Vereinbarung nicht einhält.

 

Am 31. Mai, auf dem Rückweg vom Sylt-Urlaub, fahre ich einen Umweg und suche den Interim Manager am Projektort auf – ein letztes Mal, habe ich für mich entschieden: „Ich habe keine andere Wahl mehr als rechtliche Schritte gegen Sie einzuleiten. Ich möchte das jedoch unbedingt vermeiden!“

 

„Ich auch, Herr Becker, unbedingt. Ich habe halt so viel zu tun, ich weiß nicht, wie ich das alles schaffen soll. Ich bin einfach nicht dazu gekommen, zu überweisen [Meine Stirn legt sich in Falten]. Wir haben doch bisher so gut zusammengearbeitet und wir wollen doch noch weitere Interim Manager über Sie beschaffen. Ein Rechtsstreit ist das Letzte, was ich jetzt noch brauche. Ich halte das physisch nicht durch. Sie können sicher sei: Ich bleibe Ihnen nicht einen Cent schuldig!“

 

Wir vereinbaren noch einmal eine Ratenzahlung über mehr als 12 Monate, denn mir ist überhaupt nicht daran gelegen, den Interim Manager “kaputt” zu machen. Und das sage ich ihm auch. Wir geben uns die Hand drauf. Ich aktiviere meinen letzten Rest an Vertrauen. Meine Frau, die neben mir sitzt, glaubt ihm kein Wort.

 

Sie soll Recht behalten….

 

Bis zum 12. September kommt hier nicht ein einziger Euro an. Auf Mails reagiert der Interim Manager nicht mehr. Das Telefon beantwortet er nicht mehr. Auf SMS-Nachrichten und Voicemail: Keine Reaktion! Versuche, über Sekretärinnen oder die Telefonzentrale den Interim Manager, pardon: Geschäftsführenden Gesellschafter, zu erreichen, werden mit dem Alleskönner „Ist im Meeting!“ erstickt.

 

Am Montag dieser Woche habe ich beim zuständigen Insolvenzgericht die Privatinsolvenz für den Interim Manager beantragt. Und fühle mich zum Kotzen.

 

Sicher: Die Außenstände sind deutlich in der oberen Hälfte einer fünfstelligen Summe. Und das findet meine G&V gar nicht witzig – die Finanzbehörden in Baden-Württemberg im Übrigen auch nicht.

 

Viel schlimmer jedoch ist die emotionale Seite! Dass mein Vertrauen in einen (scheinbar) professionellen Partner in einer derartigen Weise verraten wurde. Ich persönlich hätte nicht gedacht, dass so etwas  möglich ist! Ich musste ein neue bittere Lektion lernen. Sie ist im Lernplan des Lebens überschrieben mit:

 

Wie führe ich den fairsten Interim-Provider vor?

 

Friday 09. September 2016

“LASS DOCH” GEHT BEI MANATNET GAR NICHT!

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Komposition_mit_zwei_Fenstern_Gengenbach_2016Der Anruf des Interim Managers kommt am Vormittag: „Haben Sie das aktuelle Heft des SPIEGEL gesehen, Herr Becker?“

 

„Nein, Herr Interim Manager, tut mir leid. Ich lese den SPIEGEL nicht!“

 

„Sollten Sie aber! In der Titelgeschichte „Sie sind entlassen!“ – das hat dieser Typ von der Innovationsschmiede beim letzten AIMP-Jahresforum fast alles erzählt…!“ [Video]

 

„Sie meinen Thomas Huber, den Chef von Cassing, Institut für Absatz- und Produktentwicklung?“

 

„Ja, genau! Lesen Sie das mal!“

 

Und das tue ich dann. Und ich muss dem Interim Manager zustimmen!

 

Also reift der Entschluss, das mit unseren Interim Managern zu teilen – in der “Post Clippings“-Ära muss das natürlich auf elektronischem Weg gehen. Und bei MANATNET ohnehin. Also betrete ich erstmals seit Menschengedenken die SPON-Site….

„Der Hinweis reicht doch auch!”

 

Ich kann das Heft in der Online-Version erwerben. Das ganze Heft. Nicht nur den Leitartikel. Das kann die FAZ besser!

 

Egal. Ich registriere mich, natürlich. Im „Double-opt-in“-Verfahren, natürlich. Ich zahle, natürlich. Und ich erhalte das gesamte Heft als PDF-Datei. Gut 23 MB groß ….

 

Damit steht fest: Als Mail versendest Du das ganz sicher nicht! Also: Auf die MANATNET-Site hochladen! Keine allzu gute Idee, denn wir haben aus mannigfachen Gründen ein Upload-Limit von 10 MB je Datei. Natürlich kann der Chef die Techniker bitten, das dennoch zu tun, jedoch haben die gerade deutlich andere Prioritäten.

 

„Lass doch!“, heißt es aus meinem Umfeld, „der Hinweis reicht doch auch…!“

 

„Nein, ganz sicher nicht!“

 

„Aber die Leute können sich das Heft doch selbst kaufen!“

 

„Natürlich können die das. Aber ich möchte das nicht. Denn, erstens, erwarten die Interim Manager von MANATNET, dass an der Stelle ein Link kommt; und, zweitens, wäre das ein Medienbruch – und das geht ja mal gar nicht: Sie müssten die Online-Welt verlassen und in die analoge Welt eintauchen, um ihren Wunsch nach Information zu erfüllen. Das ist nicht, wie ich ticke, und daher ist das auch nicht diskussionsfähig!“

 

Mitunter bin ich etwas ruppig…

Dropbox-Link für Interim Manager

 

Die Lösung heißt Dropbox. Also, Datei hochladen, freigeben und den Link in meine personalisierte Mail (andere Mails versende ich nicht) einarbeiten.

 

In ein paar Minuten hat Word Steuer- und Quelldatei zusammengeführt, weitere wenige Minuten später sind rund 500 Mails raus. Die Diskussion zum Medienbruch vorhin hat länger gedauert.

 

Es dauert keine fünf Minuten, dann sind die ersten Antworten da:

 

Hallo Hr. Becker,

 

Toller Service!

 

Vielen Dank dafür – ich freue mich auf die Lektüre heute Abend.

 

MfG

 

Interim Manager

 

Oder auch:

 

Lieber Juergen,

 

fuer mich bist Du nicht nur ein ehrenwerter Fuerst der Finsternis, sondern auch ein wirklich kunden- und serviceorientierter Unternehmer!

 

Herzlicher Gruss
Interim Managerin

 

Oder direkt bei SPON am Artikel:

 

Einfach klasse – danke für den Hinweis und den Artikel! Sehr treffend!

 

Ich freue mich über dieses Feedback, ganz ehrlich! Und ganz besonders freue ich mich darüber:

 

Klasse, Herr Becker – gerade die nächsten 5 Jahre sind für uns Interimer / Freelancer hochspannend – vielen Dank hierfür!

 

Sie schrieben in Ihrem letzten Blog

 

MANATNET – der schnellste Interim-Provider!

Ich würde hinzufügen: MANATNET – mit Abstand der innovativste Interim-Provider (so wie derzeit Mercedes in der Formel 1).

 

Vielen Dank & alles Gute, Herr Becker.

Bin schon auf Ihren neuen Blog gespannt.

 

Beste Grüße

Interim Manager

 

Da werde ich fast ein wenig verlegen. Und so bin ich dem Hinweisgeber auf diesen Artikel zu besonderem Dank verpflichtet und ich bin heilfroh, dass ich den Medienbruch nicht zugelassen habe! Trotz leichter Konflikte in meiner Umgebung.

 

So bin ich halt geprägt:

 

“Lass doch” geht bei MANATNET gar nicht!

 

Friday 02. September 2016

MANATNET – DER SCHNELLSTE INTERIM-PROVIDER

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Skulptur_Scrat_SyltMein letzter Blogeintrag „SEID WIEDER MUTIG, INTERIM MANAGER!“ war wohl nicht so dolle – wenn ich mir die Zugriffe ansehe.

 

Oder aber, die lähmend dulle Sommerhitze im Ferienmonat August hat sich auch auf mein Blog ausgewirkt – und das Bild des nach all der Mühsal entspannend am Strand liegenden, mein Blog auf seinem Tablet lesenden Interim Managers ist womöglich doch nicht mehr als nur ganz leise tönende Zukunftsmusik.

 

Auch sonst ging in dieser, unserer Wirtschaft im August ja nicht wirklich viel: Sommerzeit, Urlaubszeit. Heiß. Keiner da. Vertretungen gibt es nicht mehr. Telefone beantwortet niemand. Mails beantwortet stumpf und ruppig der Autoresponder „Ihre Mail wird nicht gelesen oder weitergeleitet…!” Manche schreiben ganz krass: “Ihre Mail wird ungelesen gelöscht!”. In der nächsten Evolutionsstufe der Unfreundlichkeit lautet das dann vielleicht: “… Und zur Strafe sende ich Ihnen jetzt einen Trojaner…!”

 

Eins meiner Lieblingsthemen, das ich seit den Anfängen meines Blogs geißele. Selbstverständlich vergeblich [LASST MICH BLOSS ENDLICH IN RUHE!]. Dass so etwas in unserem Land möglich ist, verblüfft mich jedes Jahr aufs Neue.

 

Bastian Schweinsteiger wurde von Manuel Neuer als Kapitän Der Mannschaft abgelöst. Der erste Flügel für ein Passagierflugzeug wurde im Additiven Verfahren (3D-Druck) hergestellt. Da kommt etwas mit brachialer Kraft auf uns zu…

 

Dennoch, in meinem (wie mein Freund, Anselm Görres einmal anmerkte) fast calvinistisch geprägten Leben gab´s zwei bemerkenswerte Erfahrungen in dieser sommerlich, beschaulichen Woche. Für die eine steht ein künftiger Interim Manager, für die andere ein Unternehmen:

Interim Management ist völliges Neuland

 

Der neue Kandidat fürs Interim Management bringt jede Menge Erfahrung mit – hat sich jedoch, wie so gut wie jeder Einsteiger, noch nie selbst „verkaufen“ müssen: USP, Wettbewerbsvorteile, Alleinstellungsmerkmale – oder gar Gründe, weshalb ein Kunde gerade ihn einkaufen sollte und nicht jemanden anderen: Völliges Neuland!

 

Und dann startet etwas, das alle meine professionellen Provider-Kollegen anbieten: Nennen wir´s “Einstiegs-Coaching”…

 

Im Rahmen dieses Einstiegs-Coachings rüsten wir die neuen Interim Manager auf und erhöhen damit die Chancen der meisten Einsteiger deutlich, wenn nicht dramatisch. Für ein Geschäft, das – alle Insider wissen das – zu um die 70 Prozent direkt zwischen Interim Manager und Kunde läuft. Im Klartext: An den Providern vorbei. Wenn man das dann nicht ganz zu Ende denkt, dann kommt man auf die Idee: Wir rüsten unseren künftigen Wettbewerb auf…

 

Und doch tun wir´s – und freuen uns (und das meine ich ganz ehrlich!) über solche Mails:

 

Hallo Herr Becker,

 

ich möchte mich ganz herzlich für Ihre Geduld bedanken und dafür, dass Sie mir auf die Sprünge geholfen haben. Am gestrigen Abend, als ich die ersten Mails in Richtung Interim auf den Weg brachte, dachte ich noch so bei mir, dass es ganz gut wäre, wenn ich einen „Mentor“ hätte, der meinen Blick auf das Wesentliche schärft, was mein Kompetenzprofil und meine Stärken betrifft….und heute wurde dieser Wunsch erfüllt. Trotzdem war es mir etwas peinlich, denn ich hätte auch selber drauf kommen müssen…

 

Natürlich hat es mir aber keine Ruhe bis zum Wochenende gelassen, so dass ich Ihre Anregungen gleich umsetzen wollte.

 

Anbei meine überarbeitete Kompetenzübersicht oder auch Kandidatenprofil. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie nochmals einen kritischen Blick darauf werfen könnten.

 

Ihnen einen schönen Abend und herzliche Grüße,

Interim Manager in spe

 

Muss ihm nicht „etwas peinlich“ sein! Im Telefonat, mit vielen Fragen, habe ich den Kandidaten aus seinen Antworten und Reaktionen recht gut kennenlernen können: Ein offenes Gespräch mit dem „Minister der Finsternis“ ist durchaus nicht jedermanns Sache! Und so weiß ich: Das ist ein Guter!

 

Die überarbeitete Kompetenzübersicht muss er dennoch gehörig überarbeiten. Wie ich ihn kennengelernt habe, wird er das tun.

Vier 3D-Drucker laufen 7/24

 

Es ist Usus, dass ich mit meinen guten Kunden essen gehe. Meist mittags, lieber jedoch abends. Der Kunde sucht aus – ich zahle. Dadurch lerne ich so gut wie immer ein neues Restaurant kennen. Und der Kunde sucht selbstverständlich ein Restaurant aus, in das er gern geht und fühlt sich daher auch so gut wie immer wohl. Dieses Dinner fand in Stuttgart statt – mit dem Technik-Chef der Holding eines Unternehmens mit weltweit rund mehreren tausend Mitarbeitern.

 

Wir haben viel geredet. Aber zwei Themen hallen noch immer nach.

 

„Nutzen Sie bereits die Additive Fertigung im Unternehmen?“

 

„Herr, Becker, wir haben hier vier Drucker: Die laufen 7/24…!“

 

„Donnerwetter! Für die Prototypenfertigung?“

 

„Exakt!“

 

Mir fällt der Flugzeug-Flügel ein – und die vielen Unternehmen, die ich aus der Kategorie kenne: „Mache mer net…!“ Oh, oh….

 

Und dann:

 

„Ich muss Ihnen sagen, Sie sind mein „schnellster“ Kunde. In Deutschland – zumindest ist das mein Eindruck – scheint Schnelligkeit nicht mehr en vogue zu sein. Ich mag jedoch Schnelligkeit, den 24 Stunden-Takt, weil ich so geprägt bin! Und deshalb möchte ich Ihnen dafür heute Abend danken!

 

„Danke, Herr Becker, aber Sie sind der schnellste Provider, den ich kenne: Das ist Ihr Alleinstellungsmerkmal!“

 

Auf der Rückfahrt beschäftigt mich: Die meisten anderen Provider sind ja führend oder erklären kurzerhand selbst sich dazu.

 

Mir reicht dieses Label völlig:

 

MANATNET – der schnellste Interim-Provider!

 

Friday 26. August 2016

SEID WIEDER MUTIG, INTERIM MANAGER!

Interim_Management_Blog_Foto_Juergen_Becker_Skulptur_Maedchen_schutzsuchend_SyltAb 2002 habe ich mich mit dem Thema Interim Management beschäftigt. Erstmals – das gebe ich offen zu. Bis dahin kannte ich diese besondere Dienstleistung im Rahmen der Personalbeschaffung nicht. Als CEO und Geschäftsführer von Firmen mit immerhin rund 250 Mitarbeitern kannte ich also Interim Management nicht.

 

Daher habe ich grundsätzlich sehr viel Verständnis für andere CEOs und Geschäftsführer, die Interim Management auch nicht kennen. So ein ganz klein wenig schwingt bei diesem Verständnis jedoch ein „Jungs und Mädels: Inzwischen sind wir 15 Jahre weiter!“ mit.

 

Damals lernte ich, dass es mannigfache Gründe für Interim Management gibt, vor allem aber Schnelligkeit und Offenheit.

 

Gerade das Argument „Schnelligkeit“ hatte mich bereits damals überzeugt – und ich hatte mich im Nachhinein gefragt, weshalb wir Europe Online und Unamite in der Start-up-Phase nicht auch mit Interim Managern (und Freelancern) ausgestattet haben – statt einen Irrsinns-Aufwand in das Rekrutieren von Festangestellten zu stecken, um sie dann 12 oder 24 Monate später wieder zu feuern…

 

Das Argument „Offenheit“ hatte seinerzeit für mich persönlich keine allzu große Bedeutung: Karl Heinz Achinger, debis-Vorstand und Chef des debis Systemhauses, forderte Offenheit ein – und wir waren dann auch offen. Ein „Herr Achinger, ich rate Ihnen ab von der Fusion des Unternehmens a mit dem Unternehmen x von Herrn Middelhoff“ haust Du nicht mal eben so raus, wenn Du Dein Gegenüber nicht einschätzen kannst. Inzwischen bin ich mir sicher: Diese Schule des „Sag was Du denkst und laber nicht ‘rum!“ hat die Grundlagen gelegt für meinen AIMP-internen Ruf als „Minister der Finsternis“.

 

Aber ich wusste, dass das durchaus nicht in allen Unternehmen so war und daher galt „Offenheit“ auch für mich als überzeugender Vorteil im Interim Management, weil ein Interim Manager (gleiches gilt für Interim Managerinnen) im Kunden-Unternehmen keine Karriere machen möchte. Und folglich keine Rücksicht auf Ressentiments nehmen muss – also offen und ehrlich sein kann: Genau meine Welt also!

Gefährliche Entwicklung im Interim Management

 

Heute, 15 Jahre später, hat sich die Welt gewandelt – auf Seiten der Unternehmen und auf der Seite der Interim Manger auch. Ich halte beides für gefährlich für unser Interim Management-Geschäft.

 

Ich erlebe das im Tagesgeschäft und ich bin an dieser Stelle mehrfach darauf eingegangen – und meine AIMP-Kollegen erleben das auch: Die Entscheidungsprozesse beim Kunden werden immer länger. Zwar sind die Interim Manager typischerweise in einer Woche, spätestens jedoch in zwei Wochen verfügbar – alles andere sind Ausnahmen…

 

Aber – wieder typischerweise – sind die Kunden nicht so schnell. Wie oft hören wir, „Wir müssen noch einmal einen Abstimmungsprozess durchlaufen“, „Herr oder Frau X ist in Urlaub/geschäftlich unterwegs/krank und deshalb müssen wir bis zum kommenden Monat warten“ oder „Das muss durch den Aufsichtsrat – und der tagt erst wieder in acht Wochen…!“

 

Ich kenne einen mittelständischen Kunden, der suchte einen Leiter Vertrieb. Bis der Kandidat in Festanstellung an Bord sein würde, sollte ein Interim Profi den Vertrieb schon mal auf Vordermann bringen. Da hat sich dieser Prozess über acht Monate hingezogen – lange genug, um dann den festangestellten Leiter Vertrieb zu finden. Auf Vordermann gebracht wurde zwar nichts – und auch sonst war der Vertrieb ohne Führung: Aber das war offenbar kein Problem für das Unternehmen. Merke: Nichts tun hat keine Kostenstelle!

 

Auf den Punkt gebracht: Derzeit zerschellt die Schnelligkeit der Angebotsseite oft an der Langsamkeit der Nachfrageseite! [FREITAG ANGEFRAGT – DIENSTAG ANGEFANGEN]

Schadet Ehrlichkeit meinem Interim-Blog – und damit mir?

 

Weit mehr Schwierigkeiten habe ich mit dem Wandel auf dem Feld „Offenheit“!

 

Hier in meinem Blog spreche ich offen Dinge an, die mir gefallen – vor allem aber Dinge, die mir nicht gefallen. Je offener ich über Missstände schreibe und je genauer ich den Finger in die Wunde lege, umso mehr Zugriffe erhält der jeweilige Blog-Post.

 

Besonderer Beliebtheit erfreuen sich meine Blogeinträge zum Thema Projektabsagen [SO GEHT´S HALT NICHT WEITER IM INTERIM PROVIDING].

 

Ich erhalte dann auch viel Zustimmung für jene Blogeinträge („Endlich mal einer, der´s ausspricht!“), jedoch telefonisch und per Mail – entre nous, sozusagen. Nicht jedoch als Kommentar direkt im Blog. Ich hake dann mitunter nach und dann ergeben sich schon einmal kleine Korrespondenzen wie diese:

 

„Hallo Herr Becker,

 

ich suche seit 4 Monaten neue Projekte – und wenn ich für jeden “Sorry, wir haben nun doch eine interne Lösung gefunden”-Anruf einen Tagessatz bekommen hätte, würde ich jetzt in Urlaub fliegen. Tröstlich zu lesen, dass nicht nur ich mit dieser Standardlüge abgespeist werde!“

 

***

 

„Das liegt sicher nicht an Ihnen, [INTERIM MANAGER]!

 

Im Augenblick gehen wieder tolle Sachen ab im Markt. Tagessatz 600 Euro all in gehört auch dazu….  Never give up!”

 

PS: Auch dafür schreibe ich mein Blog! Denn manchmal denkt unsereins, man wäre allein mit solchen Erfahrungen – und fühlt sich entsprechend miserabel!

 

PS2: Wenn Sie Ihren Kommentar an meinen Blogeintrag hängen, dann fühlen sich vielleicht noch mehr Leidensgenossen etwas besser…“

 

***

 

„Hallo Herr Becker,

 

ich hätte das auch kommentiert – nur leider lesen hier auch ein paar potentielle Mandanten mit, da kann ich meiner … Ader leider nicht den Lauf lassen.“

 

***

 

„Verstehe, [INTERIM MANAGER],

 

meinen Sie, meine Art Blog zu schreiben, wird mir auch schaden?“

 

***

 

„Sie sind Provider – Sie haben da einen ganz anderen Status, Herr Becker.“

 

Mein Status erlaubt mir nach dieser Einschätzung, die Dinge offen auszusprechen. Der einzelkämpfende Interim Manager, mit im Umkehrschluss weniger Status, kann das heute anscheinend nicht mehr, ohne Schaden zu nehmen: Denn das ist nicht das erste Mail, das ich mit dieser Kernaussage erhalten habe! [JEDER HAT DAS RECHT, MEINE MEINUNG FREI ZU ÄUSSERN!]

 

Wie arm ist doch diese Welt geworden!

 

Noch in dieser Woche habe ich irgendwo den so gar nicht neuen Satz gelesen: „Es gibt nichts Schlimmeres als Ja-Sager ringsum“. Auch erinnere ich mich an den Spruch aus alten Tagen: „Wenn Dein Mitarbeiter Dir immer zustimmt, ist einer von Euch überflüssig!“

 

Ich denke, so geht das nicht – denn unsere Welt hat zu viele weichgespülte Ja-Sager! Es ist mehr denn je an der Zeit für ein breiteres Kreuz im Interim Management. Also:

 

Seid wieder mutig, Interim Manager!

 

Friday 19. August 2016

SCHNELL UND VERNETZT: MIT EXTERNEN PROJEKTMANAGERN!

MANATNET_Interim_Management_Blog_Foto_J_Becker_schneller_und_vernetzt_mit_ProjektmanagernSicher ist dieses Bild jedem meiner Leser geläufig: Es geistert seit Jahren durch das Internet und zeigt drei Fische, hintereinander im Wasser schwimmend, das Maul aufgerissen und bereit, sich gegenseitig fressen.

 

Allerdings: Die Reihenfolge der Fische entspricht so gar nicht der Darwinistischen Lehre! Vielmehr jagt der kleine Fisch verwegen den mittleren, sein Mäulchen aufgerissen soweit es eben geht, während der mittelgroße Fisch sein Maul aufreissend sich anschickt, den riesigen Fisch zu fressen – dabei leichtfertig die Lebensgefahr missachtend, in der er selbst schwebt.

 

Ein Internet-Klassiker, der bereits vielfach als Illustration eingesetzt wurde – meist unter Überschriften wie „Der Schnelle frisst den Langsamen“, „Change Management“ oder neuerdings „Disruption“.

 

Diese Illustration soll heute – in Zeiten von Digitalisierung, Web 4.0 und Fabrik 4.0 – zeigen, dass tatsächlich der Träge, der sich nicht den neuen Gegebenheiten Anpassende, durch den Agilen vom Markt verschwinden könnte. Die starke Position des kleineren über den großen Marktteilnehmer liegt hierbei in seiner Wendigkeit und seiner Schnelligkeit begründet.

Schnell sein war schon immer „in“

 

Schnell zu sein. Dies und ein eng aufeinander abgestimmtes, vernetztes Arbeiten haben mich so gut wie mein gesamtes Berufsleben hindurch geprägt:

 

Chase Manhattan Bank: Nie hatte ich das Glück, einen Kunden betreuen zu dürfen, der mir gesagt hätte: „Herr Becker, keine Eile: In drei Monaten werden wir das Projekt A starten und wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn es Ihnen möglich wäre, uns bis dahin eine Linie zur Verfügung zu stellen…“

 

Stattdessen wurde ich konditioniert von Kunden wie diesem: „Herr Becker, wir brauchen übermorgen 25 Mio. US-Dollar als Linie bei Ihrer Muttergesellschaft in New York, denn wir haben für ein Grundstück geboten und müssen diese Summe übermorgen hinterlegen. Können Sie uns eine Linie vor Ort bereitstellen? Ach ja, blanko natürlich!“

 

Seufzend nahm ich zur Kenntnis, dass dieser Anruf um 16.50 Uhr einging. Der dann ablaufende Routineprozess: Ehefrau informieren, den Survival-Shop gegenüber heimsuchen (warum bloß hatte der diesen Standort?) und eine Flasche Bier und ein Käsebrötchen holen, die Nacht im Büro durcharbeiten, gegen 7.00 Uhr den Kreditantrag dem Vorstand als morgendlichen Gruß auf den Tisch legen, zum Duschen heimfahren – und rechtzeitig zur Sitzung des Credit Approval Commitees zurücksein. Nachmittags ging die Bestätigung an den Kunden heraus. „Danke, Herr Becker!“

 

Burda: Das Verlagsgeschäft ist in dieser Hinsicht vergleichsweise einfach, denn die Zeitungen und Zeitschriften haben einen festen Erscheinungstermin. Nicht zuletzt die Druckereien mit ihren 3,28m Cerrutti-Tiefdruckrotationen waren eine starke treibende Kraft hinter einer absoluten Termintreue. Darüber hinaus gab es eine weitere Kraft: In all meinen Jahren ist es niemals vorgekommen, dass einer beim Verleger anklopfte mit einer Nachricht wie dieser: „Übrigens, Herr Dr. Burda, die Zeitschrift Elle kommt nicht rechtzeitig auf den Markt, weil….!“

 

„In time, in Budget and above customer expectation“

 

Nach dem Alptraum-Intermezzo Europe Online, das die Shareholder als Wettbewerb zu AOL mit fliegenden Fahnen vor die Wand setzten, erfolgte sicherlich meine tiefste Prägung:

 

Debis Systemhaus Ein “Power-House”! 24 Stunden-Taktung vom Vorstand abwärts. Keine Rückmeldung innerhalb dieser 24 Stunden führte zwangsläufig zu einem Anruf: Das hast Du genau einmal gemacht….!

 

Darüber hinaus Arbeitsteilung über Unternehmen und Länder hinweg. Plan-Build-Run: So ziemlich alles an unterschiedlichen Standorten. Projektmanagement wurde folglich überragend wichtig – vernetztes Arbeiten der Standard. Noch heute kann ich im Schlaf das Debis-interne Ziel für alle Projekte runterbeten: „In time, in Budget and above customer expectation“!

 

Ein Unternehmen, das dies nicht beherrschte, hatte existenzielle Probleme. Und doch wurden bereits damals von einigen Unternehmen die eigenen Hochglanz-Marketingbroschüren in schier unglaublichem Umfang verraten.

 

Wie zum Hohn hatten zur gleichen Zeit, also kurz vor der Jahrtausendwende, Forscher wie z. B. Forrester erhoben, dass kaum 25 Prozent aller IT-Projekte aus Kundensicht die Projektziele erreicht hätten und somit als erfolgreich eingeordnet worden wären. Umkehrschluss: 75 Prozent verfehlten die Projekt-Ziele krachend.

Pokemons mit Interim Mandaten im Gepäck

 

Nun war seinerzeit ich der festen Überzeugung, dies sei der Überbeanspruchung der Mitarbeiter durch drei „Mega“-Themen geschuldet: (1) Internet mit dem neu aufkeimenden E-Commerce, (2) Euro-Einführung und (3) Jahrtausendwende.

 

Mir scheint, ich habe das völlig falsch eingeschätzt, denn aus meiner ganz persönlichen Sicht klappt das vernetze, schnelle Arbeiten heute, fast 17 Jahre nach jenen „Mega”-Themen, schlechter denn je! Und im Ergebnis werden wir langsamer. Inzwischen fällt auf, dass das doch recht viele Gesprächspartner bestätigen.

 

Wenn mein Gegenüber mir sagt, er ruft mich an, tut er es in aller Regel nicht: Ich rufe dann an.

 

Wenn mein Gegenüber selbst (!) eine Deadline vorgibt, hält er sie so gut wie immer nicht ein: Ich rufe dann an.

 

Wenn mein Gegenüber Informationen oder Unterlagen zusagt, liefert er sie im Regelfall nicht: Ich rufe dann an.

 

Auf meine entsprechende Frage wird dann in aller Regel geantwortet: „Ich hatte so viel zu tun!“, was auf liebevolles Verständnis auf meiner Seite trifft, renne ich doch täglich gut 10 Stunden durch die Ortenau auf der Jagd nach virtuellen Pokemons mit fetten Interim Mandaten im Gepäck…

 

Maximal verdichtet lautet die Kernaussage also: „Zu viel Arbeit verhindert schnelles, vernetztes Arbeiten!“

 

Der guten Ordnung halber: Es gibt Ausnahmen hiervon – und ich bin diesen „Ausnahme-Gegenübern“ aufrichtig dankbar! [FREITAG ANGEFRAGT – DIENSTAG ANGEFANGEN!]

 

Das ändert jedoch nichts daran, dass wir in der Breite eine strukturelle Schwäche in Deutschland zu haben scheinen: Schnelles, vernetztes Arbeiten! Und ich bin davon überzeugt, dass sich diese Schwäche als fatal erweisen wird angesichts einer (wohl noch weiter zunehmenden) internationalen Arbeitsteilung. Unter dieser Überschrift wundert es mich nicht, dass die meisten Anfragen, die in den vergangenen sechs Monaten hier aufgeschlagen sind, Projektmanager jeder Couleur betrafen. Und ich glaube ganz persönlich, erste Anzeichen von Engpässen im Markt zu erkennen…

 

Natürlich klingt das nicht so sexy wie Sanierer und Restrukturierer. Und natürlich sind die Tagessätze niedriger – aber offenbar braucht der Markt derzeit dieses Knowhow.

 

Langfristig ist sicher mehr zu tun für die Unternehmen – und vielleicht ersetzen sie sogar irgendwann dieses unsägliche „teamfähig“ in den Stellenanzeigen durch „fähig, schnell und vernetzt zu arbeiten“.

 

Zurzeit jedoch ist das wohl eine gute Strategie der Unternehmen:

 

Schneller und vernetzt: Mit Projektmanagern!

 

Friday 12. August 2016

EIN GIGANTISCHES POTENTIAL FÜR INTERIM MANAGER!

MANATNET_Interim_Management_Blog_Foto_J_Becker_Ein_gigantisches_Potential_für_Interim_ManagerLetztlich bin ich es den Interim Managern von MANATNET schuldig – und deshalb macht mein Unternehmen seit jeher Kaltakquisition. Ich denke, daran führt kein Weg vorbei in unserem Interim-Geschäft, das durch steigenden Wettbewerb gekennzeichnet ist.

 

Sich hier auf opportunistische Wege zu verlassen, halte ich langfristig für gefährlich – auch, weil durchaus eine Fluktuation in den Personalabteilungen festzustellen ist! Also: Zielkunden identifizieren und anrufen – mit einem Brief vorab, aber auch durchaus ohne: Immerhin hat MANATNET einiges zu bieten und einer stetig steigenden Zahl von Kunden gefällt das ganz offensichtlich.

 

So werden wir – sofern uns nicht der Himmel auf den Kopf fällt – in diesem Jahr ein Rekordvolumen im Interim-Geschäft erzielen. Und nein: Ich halte das, anders als ein Wettbewerber vor kurzem, nicht einer Pressemitteilung für würdig!

 

Aber, dass wir in einer Woche gleich drei Mandate besetzen: Das ist schon ungewöhnlich! So etwas ist in der nun bereits fast 15-jährigen Firmengeschichte von MANATNET noch nie vorgekommen. Freuen wir uns also ein wenig…

Maximale Marge ist nicht alles

 

Jedoch: In einem Fall mussten wir mit dem Kunden ein sehr knapp kalkuliertes Modell rechnen, anderenfalls hätte das Budget des Kunden nicht ausgereicht. „Da müssen Sie sich bewegen, Herr Becker, sonst schaffen wir das intern nicht!“ Nun: Der Interim Manager hat sich bewegt und wir haben uns bewegt: sehr weitgehend bewegt…

 

Dafür hat sich der Interim Manager am Dienstag vorgestellt – und am Donnerstag seine Arbeit aufgenommen. Ich liebe so etwas! [FREITAG ANGEFRAGT – DIENSTAG ANGEFANGEN]

 

Dass wir dramatisch weniger verdienen als die im Markt kolportierten Provider-typischen 33 Prozent (MANATNET nimmt ohnehin maximal 25 %): Sei´s drum! Das Problem des Kunden ist gelöst – und mein Unternehmen wird schon nicht den Bach ´runtergehen, auch wenn ich mich [erneut] dem Vorwurf aussetzen werde, ich würde den Markt kaputtmachen. Mache ich nicht, sicher nicht. Stattdessen kommt ein Projekt zustande, das anderenfalls nicht zustande gekommen wäre – ebenso sicher nicht!

 

Zudem wollen wir nicht übersehen: Ein neuer Kunde ist zufrieden, und ich muss ihn nicht mehr (kalt) akquirieren! Auch das zählt in meiner Welt:

 

„Danke für Ihre spontane Unterstützung, Herr Becker!“

Wenig erfreuliche Kaltakquise

 

In der Kaltakquisition hingegen gibt es traditionell wenig Erfreuliches – und das ist exakt der Grund, weshalb sich die meisten Menschen davor scheuen – selbst erfahrene und erfolgreicher Vertriebler: „Alles, nur keine Kaltakquise!“ Ich verstehe das, denn man braucht schon ein überdurchschnittliches Selbstvertrauen, ja, einen gewissen Hang zur Selbstkasteiung, um solche Telefonate durchzustehen:

 

Unternehmen: „Wir halten nichts von Interim Managern! Aber Sie können mir ja mal Ihre Unterlagen zusenden.“

 

MANATNET: „Verstehe. Wollen Sie mir berichten, welche Erfahrungen Sie mit Interim Managern gemacht haben? Die waren ja offenbar nicht so toll!“

 

Unternehmen: „Wir haben hier noch nie mit Interim Managern gearbeitet. Zudem gibt es eine Grundsatzentscheidung, dies auch in Zukunft nicht zu tun.“

 

MANATNET: „Ah, okay! Ist es denn dann überhaupt sinnvoll, wenn ich Ihnen unser Info-Paket zuzusende?“

 

Unternehmen: „Das überlasse ich Ihrer Entscheidung“.

 

MANATNET: „Verstehe! Ich danke Ihnen für das Telefonat und auf bald.“

 

Um dieses Gespräch einordnen zu können, sollten meine Leser wissen, dass dieses Telefonat keineswegs mit einer Dönerbude geführt wurde. Stattdessen hatten wir den Personalchef eines etablierten Unternehmens an der Strippe, mit fast 1.500 Mitarbeitern an weltweit einem Dutzend Standorten und den Begriffen „Weltmarktführer“ sowie „innovativ“ und „Innovation“ auf der Homepage.

 

Ich kann mir nicht helfen: Aber das verblüfft mich jedes Mal aufs Neue. Nun bin ich den Kinderschuhen im Vertrieb seit langem entwachsen und ich erwarte daher keinesfalls ein „Prima, dass Sie anrufen! Gerade hat sich unser CEO beim Skifahren einen komplizierten Schienbein-Bruch zugezogen. Können Sie uns bitte morgen früh einen entsprechenden Interim Manager senden?“

 

Jedoch bin ich ebenso davon überzeugt: Solange wir solche Telefonate führen und solange bedeutende Unternehmen sich entscheiden, eine Option zur Personalbeschaffung von vornherein nicht einmal in Betracht zu ziehen – und sich obendrein selbst auch noch als überlegen sehen: Solange ist Interim Management in Deutschland längst noch nicht angekommen.

 

Die gute Nachricht lautet jedoch:

 

Ein gigantisches Potential für Interim Manager!

 

Friday 05. August 2016

DER KLASSIKER HALT: SELBST SCHULD, BECKER!

MANATNET_Interim_Management Blog_Foto_J_Becker_Der_Klassiker_halt_selbst_Schuld_BeckerDen Interim Manager hatte ich neu bei MANATNET aufgenommen im Januar dieses Jahres. Er kam über die Empfehlung einer langjährigen, guten Geschäftspartnerin: Beide hatten ein paar Jahre in einem Unternehmen als Kollegen auf der Geschäftsführungsebene zusammengearbeitet. Dieses Unternehmen wurde nun veräußert, dann restrukturiert und der ehemalige Kollege verlor seinen Job. Der Klassiker halt!

 

Der ehemalige Kollege musste sich neu orientieren und entdeckte Interim Management als attraktive Option für sich und meine Geschäftspartnerin empfahl ihm daraufhin, sich mit mir in Verbindung zu setzen – auf dass ich ihm beim Einstieg ins neue Interim-Geschäft helfe. Der Klassiker halt!

 

Ich mache das gern, obendrein ist das mein Job. Zudem, hier bin ich doch noch sehr altmodisch, empfinde ich eine Empfehlung als Verpflichtung – und damit hatte der neue Interim Manager meine volle Aufmerksamkeit. Wir investierten in zahlreiche Telefonate und E-Mails, in den Lebenslauf, natürlich, und in ein paar nachgelagerte Dinge. Der Klassiker halt!

 

Dann hatte ich die Daten des neuen Interim Managers zum Ende Januar freigeschaltet und das neue Profil bei MANATNET im Februar beworben – ein ganz normaler Regelprozess. Für die Anfrage I-16-06 aus dem Mai hatte unsere Datenbank dann den neuen Interim Manager bereits als Kandidaten vorgeschlagen, jedoch gab mir der neue Interim Manager zu verstehen, dass er nicht verfügbar sei – natürlich: anders als in seinen Stammdaten kommuniziert: Der Klassiker halt!

Interim Manager braucht Interim Manager

 

Dennoch war ich beeindruckt! Offenbar war die Entscheidung des neuen Interim Managers richtig und das Interim Management für ihn ein vielversprechendes Betätigungsfeld.

 

Dann kam der Anruf:

 

„Herr Becker, wir brauchen einen Betriebsleiter hier bei XYZ. Können Sie da helfen?“

 

„Klar, Herr Interim Manager, danke für Ihren Anruf! Einen Betriebsleiter – zusätzlich zu Ihnen, denn das ist doch Ihr Thema…?“

 

„Nein, ich bin jetzt Geschäftsführer von XYZ.“

 

„Glückwunsch! Wie lange läuft Ihr Mandat?“

 

„Das ist eine Festanstellung!“

 

„….“

 

„Bevor wir jetzt weiterreden: Dann nehmen wir besser Ihre Daten vom Marktplatz, nicht wahr? Da sind schon die tollsten Dinge vorgekommen, weil jemand in abhängiger Beschäftigung öffentlich seine Dienstleistung auf selbständiger Basis angeboten hat….!“

 

„Ja, da haben Sie Recht: Machen Sie das!“

 

„Gut, betrachten Sie das als erledigt! Nun zum Betriebsleiter….“

 

Ich frage nach allem, was ich wissen muss. Mache die Datenbankabfragen und identifiziere sieben Kandidaten. Sende dem Ex-Interim Manager und nun Geschäftsführer die Links auf die anonymen, fachlichen Profile dieser Interim Manager mit der Bitte, eine Vorauswahl zu treffen, für die ich dann die Verfügbarkeit (leider) verifizieren müsste.

Nur kurz Interim Manager und alles vergessen

 

Keine Antwort kommt innerhalb meiner eigenen Taktung. Nicht ungewöhnlich heutzutage.

 

Ich nutze die Zeit und bitte die sieben Kandidaten schon mal, mir kurz ihre Verfügbarkeit zu bestätigen: Zwei lehnen ab, weil sie sich die Aufgabe letztlich nicht zutrauen. Zwei sind nicht verfügbar, einer davon hat gerade gestern ein Mandat angenommen. Der ewige Schenkelklopfer bei MANATNET!

 

Die anderen drei sind verfügbar und haben Interesse an diesem Mandat. Ich sende dem Ex-Interim Manager und nun Geschäftsführer die Unterlagen dieser Kandidaten. Zudem habe ich ein Briefing für die Kandidaten entworfen und füge es bei mit der Bitte um Freigabe oder Ergänzung. Der Klassiker halt!

 

Keine Antwort. Eine ganze Woche lang nicht. Dann rufe ich an – und lande auf der Mailbox. Hinterlasse die Nachricht, dass ich doch nun gern sein Feedback hätte, weil die Kandidaten darauf warten würden: Er als ehemaliger Interim Manager würde das sicher verstehen…

 

Abends kündet Outlook vom Eingang dieser Mail mit einem freudigen Klingeln:

 

Hallo Herr Becker,

 

vielen Dank für die Profile der Kandidaten.

 

Wir haben uns jetzt für eine interne Lösung entschieden für die Übergangszeit und suchen einen Betriebsleiter in Festanstellung.

 

Beste Grüße

 

Ex-Interim Manager und nun Geschäftsführer

 

Da hat sie mich doch wieder erwischt, die interne Lösung! Im August. Sieben Monate konnte ich sie in einem heroischen Abwehrkampf auf Distanz halten – durch den Retainer oder durch beinhartes Nachhaken, das durchaus der eine oder andere als ruppig empfinden mag.

 

Beim „eigenen“ Interim Manager – mit einer starken Referenz als Bindeglied – habe ich erstmals wieder darauf verzichtet und bin sofort auf die Nase gefallen.

 

Der Klassiker halt: Selbst schuld, Becker!

 

Friday 29. July 2016

VERTRAUEN GEHT AUCH JEDEM UNTERGANG VORAUS

MANATNET_Interim_Blog_Foto_J_Becker_Vertrauen_geht_auch_jedem_Untergang_vorausTatsächlich gibt es noch mehr in meinem Leben als Interim Management. Und so jogge ich jeden Morgen eine Stunde lang durch die schwarzen Wälder – mitunter etwas mehr. Hierfür gibt es zwei wesentliche Gründe:

 

Als engagierter Koch und Feinschmecker habe ich eine Schwäche für gutes Essen (und guten Wein) – eine Eigenschaft, die Kalorien schafft und auf Dauer den Körper schlafft. Regelmäßiges Joggen kurbelt die Verbrennung ebendieser Kalorien an – und bringt, wie beruhigend!, Inflow und Outflow ins Gleichgewicht.

 

Mindestens gleich wichtig: Der Kopf hat Ruhe und wird frei in der Natur, das Hirn erhält eine Sauerstoff-Dröhnung – und die wiederum regt die Leistungsfähigkeit des Hirns an, bei mir sogar in der kreativen Ecke. Daher wird mich niemand mit Ohr- oder gar Kopfhörern durch den Wald rennen sehen…

 

Ich gebe es gern zu: Ich nehme tatsächlich Aufgabenstellungen, ja Probleme mit zum Joggen! Und bemerkenswerter Weise komme ich in aller Regel – ermattet zwar – aber doch mit einer Lösung, zumindest aber mit einem Lösungsansatz heim.

 

Derzeit beschäftigt mich sehr die eher negative Schwingung im Begriff „Interim Manager“, auf die ich in meinem Blog vom vergangenen Freitag eingegangen bin [DIE INTERIM-SZENE MUSS NOCH PROFESSIONELLER WERDEN]. Und ich habe tatsächlich hier noch keine Lösung – soweit auch die Füße tragen!

 

Und so beschäftigt mich dies:

 

In dieser Woche habe ich ausführlich mit einem mittelständischen Unternehmer gesprochen, der sein Unternehmen in zweiter Generation durch die Jahre ab 2003 führen musste. Die Bankenkrise also mitgemacht hat und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Automobilindustrie und damit sein eigenes Unternehmen.

400.000 Euro für Berater versenkt

 

Diese zwei Stunden werde ich nicht so schnell vergessen: Auf Druck der Banken mussten erst der eine, dann der andere Berater an Bord geholt werden – die halt berieten – gegen fettes Salär (sogar Unternehmensanteile standen im Raum: auf Drängen der Banken!) –, jedoch nichts „machten“ [EIN INTERIM MANAGER IST EIN INTERIM MANAGER].

 

Am Ende wurden gut 400.000 Euro cash an die Berater überwiesen: Fast das Vierfache des Jahresgehaltes des Eigentümerunternehmers und ein Betrag, bei dem so mancher Mittelständler in die Knie gegangen wäre. Dieser halt auch – und in diesem Sog der Eigentümer gleich mit: Er musste Privatinsolvenz anmelden. Die Berater nicht…

 

Vier Jahre später hat er sich davon noch immer nicht erholt – auch wenn mein Gegenüber einen bemerkenswert gelassenen und positiv gestimmten Eindruck auf mich gemacht hat.

 

Ich weiß: Ich habe nur die eine Version der Geschichte gehört – und sicher hat die andere Seite auch eine andere Sicht auf dieselbe Entwicklung.

 

Dennoch, und auch wenn es immer unbewiesen bleiben wird: Ich bin der festen Überzeugung, dass es in jener Situation mit einem Restrukturierungs- und Banken-erfahrenen Interim Manager gelungen wäre, dieses Schicksal abzuwenden. Allein der Begriff „Bankenhaftung aus Quasi-Geschäftsführung“ hätte zu hochinteressanten Diskussionen geführt.

 

Aber es ging noch weiter:

 

Das Unternehmen kam nach der Insolvenz wieder auf die Beine. Auf wackeligen Beinen und zitternd zwar und unter anderem Namen sowie mit dem bisherigen Eigentümer als angestelltem Geschäftsführer an Bord – mit einem Gehalt leicht oberhalb der Pfändungsfreigrenzen.

Aus nach Dekaden des Erfolgs

 

Das Unternehmen entwickelte sich leidlich positiv und sollte dann an einen Investor verkauft werden. Auch das entwickelte sich positiv: Zu Beginn dieses Jahres fand das Unternehmen über eigene Kanäle (!) einen Investor und stellte ihn den Key Accounts persönlich vor, während das Team seiner Anwälte das Unternehmen auseinandernahm. Auf die Frage der Kunden, was denn noch schiefgehen könnte, antwortete der Investor überzeugend mit einem souverän schlagfertigen „Dass ein anderer mehr bietet als ich…!“.

 

Nach gut drei Monaten packten die Anwälte ein und verließen mit einem Gruß zum Wochenende das Unternehmen – nicht ohne darauf hinzuweisen, dass im Übrigen die Verhandlung jetzt zu Ende wäre: Der Investor hätte es sich anders überlegt und würde nicht einsteigen….

 

Der anschließende Anruf beim Investor unter der Überschrift „So geht´s aber auch nicht!“ lief ins Leere.

 

Von „Break up-Fees“ oder Penalties hatte der Mittelständler ganz offensichtlich nie gehört. Nach Dekaden des Erfolgs wird das Unternehmen zum Ende dieses Monats nunmehr geschlossen.

 

Tilt! Game over!

 

Ich habe nicht vor, an dieser Stelle in das „Berater-Bashing“ oder „Heuschrecken“-Geblubber einzustimmen. Ich frage mich, weshalb ein Mittelständler wie dieser nicht viel mehr fragt – und sei´s nur, um seine eigene Entscheidung „übungshalber“ mal gemeinsam mit einem Dritten in Frage zu stellen. Oder mal seine XING-Kontakte durchzuschauen (wofür habe ich die eigentlich?), ob da nicht jemand dabei ist, der solche Aufgabenstellungen kennt und vielleicht mit Rat, wenn schon nicht mit Tat, zur Seite stehen kann.

 

Es tut mir leid: Ich begreife das einfach nicht. Auch nicht nach 33 km Jogging! Aber mir kam beim Laufen ein Bonmot von Erhard Blanck (deutscher Heilpraktiker, Schriftsteller und Maler) in den Sinn:

 

Vertrauen geht auch jedem Untergang voraus.

 

Friday 22. July 2016

DIE INTERIM-SZENE MUSS NOCH PROFESSIONELLER WERDEN!

MANATNET_Interim_Blog_Foto_J_Becker_Die_Interim_Szene_muss_noch_professioneller_werden„Der Begriff Interim Management ist in der deutschen Industrie verrückterweise eher negativ belegt: Deshalb verwende ich in meinen Akquisitions-Gesprächen nur noch den Begriff „Projektmanagement – auch auf der Führungsebene!“

 

Dieser Satz fiel gestern in einem Telefonat mit einem Geschäftspartner, den ich sehr schätze – und er, der Satz, hat mich zugegebenermaßen sehr nachdenklich gemacht.

 

Nein, wir sollten diesen Satz nicht leichtfertig vom Tisch wischen. Auch wenn ich das schon beinahe wieder verdrängt habe: Erst vor knapp einem Jahr habe ich hier über VORBEHALTE GEGEN INTERIM MANAGER geschrieben und – etwas länger her – vom Kunden berichtet, der im Akquisitionsgespräch entwaffnend konstatierte: „Interim Management? Gottlob sind wir bisher ohne klargekommen!“

 

Lobet den Herrn, denn er schützt uns voll aller Unbill! Nein, das ist bitte nicht als Blasphemie meinerseits zu verstehen! Und natürlich sehen das viele Unternehmen anders und haben die umfangreichen Vorteile des Interim Managements schätzen gelernt. Anders wäre ein Markt von gut 2 Mrd. Umsatz (Quelle: AIMP-Providerumfrage 2016) schlichtweg nicht möglich.

Interim Management ist noch kein Massengeschäft

 

Dennoch zeigte schon damals diese Aussage, die spontan und unvorbereitet erfolgte, wie weit doch das Interim-Geschäft noch entfernt ist von einem ganz normalen oder gar von einem „Massengeschäft“: Aber genau dort wollen wir hin!

 

Deshalb an dieser Stelle die ketzerische Frage: Kann das denn überhaupt gelingen, wenn die Begriffe an sich, Interim Management und Interim Manager(innen), noch weithin tendenziell negativ belegt sind?

 

Im spontanen Reflex antwortet man dann gern: „Oh nein, wohl kaum…!“ und versucht prompt mit alternativen, nun eher positiv belegten Begriffen gegenzusteuern. Die lauten dann zum Beispiel „Experte“ oder – moderner, weil anglophil – „Independent Professional“. Und es gibt weitere…

 

Aus meiner Sicht hilft uns das nicht wirklich aus dem emotionalen Dilemma. Stattdessen schaffen wir ein mannigfaches Begriffs-Wirrwarr, das den Kunden eher verunsichert als bestärkt zurücklässt.

 

Was also ist zu tun?

Provider müssen auf Zeit setzen und auf Qualitätsarbeit!

 

Ich denke, wir müssen zunächst konsequent hochqualitative Arbeit abliefern. Wir, das sind die Interim-Provider und die Interim Manager. Dass wir hier bereinigen und sprichwörtlich die Spreu vom Weizen trennen müssen, steht für mich außer Frage.

 

Und dann werden wir einen langen Atem brauchen. Bis die Menschen auf der Kundenseite, die Interim Management heute emotional ablehnen, altersbedingt weniger und durch andere Menschen ersetzt sein werden, die keine solchen Ressentiments kennen.

 

Ich habe diese Situation mehrfach mit dem Leasing von Autos oder Factoring verglichen:

 

Die Älteren unter uns erinnern sich schmunzelnd an die ersten Jahre im Leasing („Wenn ich nicht mal mehr mein Auto bezahlen kann, dann lass‘ ich’s besser!“) oder im Factoring („Wenn ich schon meine Forderungen verkaufen müsste, dann stünde es aber Zappen-duster um meine Firma!“).

 

Heute soll der Leasinganteil beim BMW 5er, Audi A6 und der Mercedes E-Klasse etwa drei Viertel aller in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge umfassen. Auch in der Klasse darunter (3er, A4 und C-Klasse) soll inzwischen die Hälfte der neuen Fahrzeuge geleast werden.

 

Und der Vollständigkeit halber: „Die Umsätze der Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbandes e.V. stiegen in 2015 erneut um 10,1 Prozent auf 209,0 Mrd. Euro an.“ (Quelle: DFV). Das entspricht etwa einer Vervierfachung des Geschäftes allein in den vergangenen zehn Jahren.

 

Ich habe daher genügend Phantasie, mir ein enormes Wachstum im Interim-Geschäft vorstellen zu können! Wenn wir weiter hart arbeiten, unser Geschäft nicht als Nebenerwerb oder gar als “abfallende” Dienstleistung, sondern als unser Kerngeschäft verstehen, in dem wir stets besser werden wollen. Oder, wie hieß es vor schon vor rund 35 Jahren? “In Search of Excellence”. Und genau hier denke ich: Wir sind noch lange nicht am Ziel! Mit einem Wort:

 

Die Interim-Szene muss noch professioneller werden!